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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Wochen das Cover meines neuen Buchs präsen...

Mittwoch, 7. Dezember 2016

SULLY (2016)

Regie: Clint Eastwood, Drehbuch: Todd Komarnicki, Musik: Christian Jacob und Tierney Sutton Band
Darsteller: Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney, Anna Gunn, Jamey Sheridan, Christopher Curry, Sam Huntington, Chris Bauer, Mike O'Malley, Holt McCallany, Molly Hagan, Max Adler, Ann Cusack, Michael Rapaport, Jeff Kober, Jeffrey Nordling, Autumn Reeser
 Sully
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 85% (7,2); weltweites Einspielergebnis: $200,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 96 Minuten.

Als am 15. Januar 2009 beim US Airways-Flug 1549 wenige Minuten nach dem Start vom New Yorker Flughafen LaGuardia nach Vogelschlag beide Triebwerke ausfallen, entscheidet sich der erfahrene Pilot Chesley "Sully" Sullenberger (Tom Hanks, "Saving Mr. Banks") entgegen aller Empfehlungen für solche Notfälle für eine hochriskante Notwasserung auf dem Hudson River mitten in New York. Mit einer flugtechnischen Meisterleistung bringt er den Airbus bei eisigen Temperaturen einigermaßen sanft herunter, auch dank der schnellen Reaktion der freiwilligen und professionellen Rettungskräfte überleben alle Insassen. Fortan wird Sully in den Medien als ein amerikanischer Held gefeiert, doch unbemerkt von der Öffentlichkeit gerät die waghalsige Aktion des Piloten bei der Nationalen Behörde für Transportsicherheit in die Kritik – denn die nach solchen Vorfällen obligatorischen Computersimulationen ergeben, daß das Flugzeug sehr wohl noch sicher nach LuGuardia zurückkehren oder auf einer nahen Ausweichlandepiste hätte landen können. Während Sully also von Wildfremden umarmt und zu seiner heroischen Tat beglückwünscht wird und sein Co-Pilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart, "The Dark Knight") davon überzeugt ist, daß die Simulationen irren und Sully allen im Flugzeug das Leben gerettet hat, wachsen in ihm die Zweifel – dann muß er sich vor einem Ausschuß für seine Entscheidung rechtfertigen. Falls ihm das nicht gelingt, droht dem vermeintlichen Helden das sofortige Ende seiner Karriere …

Montag, 5. Dezember 2016

TV-Tips für die Woche 49/2016

Montag, 5. Dezember:
ZDF, 22.15 Uhr: "Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones" (2014)
Free-TV-Premiere des Thriller-Dramas mit Liam Neeson, das weniger actionreich ausfällt als die meisten Neeson-Thriller der letzten Jahre (á la "Taken"), dafür aber auch mit einer wesentlich interessanteren, ausgefeilteren Story und vergleichsweise vielschichtigen Figuren aufwartet.

Arte, 23.50 Uhr: "Der rote Halbmond" (1919)
In der aktuellen Stummfilm-Reihe am späten Montagabend präsentiert Arte diese Woche als Free-TV-Premiere den einzig erhaltenen Stummfilm des ungarischen Filmemachers Alexander Korda aus den 1910er Jahren - ein "Donaukrimi" über die Abenteuer eines Schiffskapitäns. Später arbeitete Korda in Deutschland, Österreich, den USA und in Großbritannien, wo er ein eigenes Produktionsstudio gründete und u.a. an Orson Welles' Meisterwerk "Der dritte Mann" beteiligt war.

Dienstag, 6. Dezember:
Tele 5, 20.15 Uhr: "Hogfather - Schaurige Weihnachten" (2006)
Der weihnachtliche "Schweinsgalopp" zählt zu meinen Lieblingsbüchern aus Terry Pratchetts Scheibenwelt. Der britische TV-Zweiteiler erreicht zwar nie den großen Unterhaltsamkeitsgrad seiner Vorlage, in der ausgerechnet TOD höchstpersönlich (mit der Hilfe seiner von "Downton Abbey"-Star Michelle Dockery verkörperten Enkelin Susanne) die Aufgaben des nach einem Mordanschlag außer Gefecht gesetzten Scheibenwelt-Weihnachtsmanns übernehmen muß, ist aber dennoch eine ziemlich gelungene Adaption mit sympathischen Figuren und vielen guten Gags.

Disney Channel, 20.15 Uhr: "Buddy, der Weihnachtself" (2003)
Eine mitunter grenzwertig klamaukige, aber insgesamt recht charmante Weihnachtskomödie von "Jungle Book"-Regisseur Jon Favreau, in der Will Ferrell einen Menschen spielt, der als Baby versehentlich vom Weihnachtsmann zum Nordpol mitgenommen und deshalb von den dortigen Elfen adoptiert wurde - erst als Erwachsener erfährt Buddy, daß er kein viel zu groß geratener Elf ist und sucht deshalb in der Zivilisation nach seiner leiblichen Familie ...

Außerdem:
Philomena (Stephen Frears' vierfach OSCAR-nominierte Tragikomödie über eine von Judi Dench verkörperte alte irische Dame, die mit der Hilfe eines schnöseligen Journalisten ihren ihr vor Jahrzehnten von der katholischen Kirche weggenommenen Sohn sucht; 22.10 Uhr im WDR)
Pathfinder - Fährte des Kriegers (mies ausgeführter Action-Abenteuerfilm von Marcus Nispel, der aus der spaßigen Prämisse "Wikinger gegen Indianer" viel zu wenig macht; RTL Nitro um 23.10 Uhr)

Samstag, 3. Dezember 2016

OSCAR-News: 20 Filme bleiben im Rennen um den Spezialeffekt-OSCAR

20 Filme haben die erste Vorausscheidung für den Spezialeffekt-OSCAR 2017 überstanden, fünf von diesen 20 werden im Januar eine Nominierung erhalten:

- Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln
- Arrival
- BFG - Big Friendly Giant
- Deepwater Horizon
- Independence Day: Wiederkehr
- Passengers
- Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
- Rogue One: A Star Wars Story
- Sully

Sehr bemerkenswert ist, daß es mit "Kubo" ein Animationsfilm in die Liste geschafft hat - das allerdings ausgesprochen verdient, denn das Motion Capture-Abenteuer ist technisch nahezu perfekt umgesetzt! Etwas überraschend fehlen dafür Disneys "Elliot, der Drache", Jeff Nichols' "Midnight Special", Justin Kurzels "Assassin's Creed", Ang Lees "Die irre Heldentour des Billy Lynn" und speziell Juan Antonio Bayonas Romanadaption "Sieben Minuten nach Mitternacht". Sichere Kandidaten auf eine Nominierung sind "Rogue One" (nur ein "Star Wars"-Film blieb bislang ohne Nennung in dieser Kategorie), Jon Favreaus technisch revolutionärer "The Jungle Book" und der mit atemberaubenden technischen Spielereien aufwartende "Doctor Strange". Auch Denis Villeneuves philosophisches SciFi-Drama "Arrival" und David Yates' "Harry Potter"-Spin-Off "Phantastische Tierwesen" zählen zu den aussichtsreichen Kandidaten, dazu vielleicht noch das Raumschiff-Abenteuer "Passengers", Steven Spielbergs "BFG" und Clint Eastwoods vergleichsweise bodenständiger "Sully". Vielleicht kann aber ja "Kubo" weiter überraschen und erhält tatsächlich eine Nominierung (das wäre kein Novum, aber das erste Mal seit "Nightmare Before Christmas" 1994)? Nicht unmöglich ist auch, daß ein Film wie "Warcraft" reinschlüpft, den wenige auf der Rechnung haben, weil er insgesamt ziemlich schlecht ankam. Und die übrigen Superhelden-Filme darf man natürlich auch nicht ganz vergessen, wenngleich sie sich gegenseitig wohl etliche Stimmen wegnehmen werden bzw. "Doctor Strange" viele davon auf sich vereinen wird (die besten Aussichten sollte noch "The First Avenger: Civil War" haben).

Meine Prognose nach aktuellem Stand (wo noch niemand "Rogue One" und "Passengers" komplett gesehen hat), gereiht nach der Nominierungs-Wahrscheinlichkeit:
- The Jungle Book
- Doctor Strange
- Rogue One: A Star Wars Story
- Arrival
- Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Erste Nachrücker:
- Passengers
- Sully
- Kubo - Der tapfere Samurai
- The First Avengers - Civil War
- Warcraft: The Beginning

Quelle:

Samstags-Update (48/2016)

Wie zu erwarten war, gibt es keine kurzfristigen Änderungen mehr im deutschen Kinostartplan bis Ende Dezember:


Box Office-News:
In den deutschen Lichtspielhäusern konzentrierern sich die Kinogänger dieses Wochenende auf bereits etwas ältere Filme, somit bleiben die Top 3 der Charts zur Vorwoche unverändert: "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" verteidigt mit bis zu 400.000 Zuschauern die Spitze, gefolgt von "Willkommen bei den Hartmanns" (bis zu 200.000) und "Arrvial" (gut 100.000). Die drei breiten Neustarts der Woche bleiben kollektiv unter dem Erwarteten. Am besten schneidet noch "Underworld 5" ab, der mit ungefähr 75.000 Zuschauern Platz 4 belegt (was ein Reihen-Tiefpunkt ist, die Vorgänger eröffneten alle zwischen 130.000 und 240.000), während Clint Eastwoods "Sully" mit Tom Hanks und der deutsche Kinderfilm "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt" laut InsideKino auf jeweils gut 50.000 Besucher kommen sollten.
In den USA ist das Wochenende nach der Thanksgiving-Woche stets eines der langweiligsten, da die Prestigeproduktionen entweder bereits in der feiertagsverlängerten 5 Tage-Woche zuvor in die Kinos gebracht werden oder eine Woche später, wenn das für die Filmbranche höchst lukrative Weihnachtsfest schon fast vor der Tür steht. Entsprechend gibt es auch hier auf den vorderen Plätzen kaum Veränderungen: Disneys Animationsfilm "Vaiana" bleibt mit bis zu $30 Mio. an der Spitze vor "Phantastische Tierwesen" (knapp $20 Mio.), lediglich der letzte Woche etwas enttäuschende Neustart "Allied" mit Brad Pitt könnte sich mit $7-8 Mio. noch knapp vor "Doctor Strange" auf Platz 3 schieben. Der einzige breite Neustart, der Horrorfilm "Incarnate" mit Aaron Eckhart, floppt erwartungsgemäß mit gerade einmal $2Mio., was mit etwas Pech nicht für die Top 10 reichen wird. In Deutschland hat "Incarnate" noch keinen Starttermin, die Chancen stehen nicht schlecht, daß er sowieso direkt fürs Heimkino veröffentlicht werden wird.

Quellen:

Donnerstag, 1. Dezember 2016

OSCAR-News: "La La Land" mit 12 Critics Choice-Nominierungen, "Moonlight" und "Arrival" mit 10

352 Filmkritiker aus den gesamten USA haben über die besten Leistungen des Jahres 2016 abgestimmt, herausgekommen sind dabei diese Nominierungen (wichtigste Kategorien):

Bester Film:
- Arrival
- Fences
- Hacksaw Ridge
- Hell or High Water
- La La Land
- Lion
- Loving
- Manchester by the Sea
- Moonlight
- Sully

Keine Sensationen, aber der Vergleich mit den vorgestern verliehenen NBR Awards ist sehr interessant. Die dort überraschend nicht in den Top 10 genannten OSCAR-Kandidaten sind hier nämlich beinahe alle vertreten: Denzel Washingtons sozialkritische Theateradaption "Fences", Garth Davis' Drama "Lion" (über einen indischen Jungen, der seine Eltern buchstäblich verliert und von einem australischen Ehepaar adoptiert wird, bis er als Erwachsener versucht, seine leibliche Familie ausfindig zu machen) und Jeff Nichols' Liebes- und Rassismusdrama "Loving" (über ein gemischtrassiges US-Ehepaar in den 1960er Jahren). Die leichten Sorgenfalten, die bei den Beteiligten (und vor allem den Produzenten) dieser Filme am Dienstag aufgekommen sein dürften, können sich nun also vorerst wieder legen. Problematisch sieht es nur für Pablo Larraíns "Jackie" (über Jackie Kennedy in den Tagen nach dem Mord an JFK) aus, das erneut übergangen wird, aber in der Königskategorie auch nicht zu den größten Favoriten zählte. Von den NBR-Top 10 fehlen hier umgekehrt Peter Bergs "Patriots Day" (über den Terroranschlag auf den Boston-Marathon), Martin Scorseses Historiendrama "Silence" (das den NBR-Juroren in einer Sondervorführung gezeigt wurde, für die Critics Choice Awards aber wohl schlicht zu spät fertig wurde), die Hollywood-Satire "Hail, Caesar!" von den Coen-Brüdern und Theodore Melfis Biopic "Hidden Figures" über drei schwarze NASA-Mathematikerinnen in den 1960er Jahren. "Silence" sollte bei entsprechender Qualität gute Chancen haben, zu den OSCAR-Nominees zu zählen, für die drei anderen dürfte es aber schwierig werden. Bleiben noch die gemeinsamen Nenner bei NBR und Critics Choice Award, die also den bestmöglichen Start in die Awards Season hingelegt haben: "Arrival", "Hell or High Water", "La La Land" (Gewinner bei den New Yorker Kritikern), "Manchester by the Sea", "Moonlight" und "Sully". Am überraschendsten ist das bei Clint Eastwoods zwar positiv, aber nicht überragend besprochenem "Sully", doch alle sechs sind sicherlich reelle OSCAR-Kandidaten.

Regie:
- Damien Chazelle, "La La Land"
- Mel Gibson, "Hacksaw Ridge"
- Barry Jenkins, "Moonlight"
- Kenneth Lonergan, "Manchester by the Sea"
- David Mackenzie, "Hell or High Water"
- Denis Villeneuve, "Arrival"
- Denzel Washington, "Fences"

Die größte Überraschung dieser Kategorie ist, daß gleich sieben Regisseure nominiert wurden - was aber auch dafür sorgt, daß fast alle aussichtsreichen Kandidaten genannt werden, von denen Gibson noch am unerwartetsten kommt. Es fehlen Clint Eastwood und Martin Scorsese (wie gesagt: vermutlich war der Film nicht rechtzeitig fertig). Am besten sieht es aktuell für den auch von den New Yorker Filmkritikern ausgezeichneten Jenkins aus, aber die OSCAR-Juroren haben normalerweise eher ein Faible für die etablierten Regisseure.

CAFÉ SOCIETY (2016)

Regie und Drehbuch: Woody Allen
Darsteller: Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, Steve Carell, Corey Stoll, Blake Lively, Jeannie Berlin, Ken Stott, Paul Schneider, Parker Posey, Anna Camp, Richard Portnow, Sari Lennick, Stephen Kunken, Sheryl Lee, Tony Sirico
 Café Society
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 70% (6,1); weltweites Einspielergebnis: $43,0 Mio.
FSK: 12, Dauer: 96 Minuten.

In den 1930er Jahren entschließt sich der aus einer jüdischen New Yorker Familie stammende Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg, "The Social Network"), auf gut Glück nach Los Angeles zu ziehen, wo sein Onkel Phil (Steve Carell, "Ganz weit hinten") erfolgreich als Schauspielagent tätig ist. Auch Bobby will irgendwie in die Filmindustrie kommen und überredet Phil deshalb, ihn erst einmal als Laufbursche zu beschäftigen. Dabei lernt er viele große Hollywood-Stars kennen, aber auch Phils hübsche, bodenständige Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart, "Snow White and the Huntsman"), in die er sich sofort verliebt – obwohl sie bereits einen Freund hat. Bobby bleibt jedoch hartnäckig in seinem Werben und hofft, sie davon überzeugen zu können, ihn zu heiraten und mit ihm nach New York zu ziehen, wo er bei seinem älteren Bruder Ben (Corey Stoll, "Ant-Man") einen besseren Job bekommen könnte; denn Ben ist im weitesten Sinne in der Gastronomie-Branche tätig (ein deutlicher Euphemismus für: Er ist ein Gangster!) und hat kürzlich einen bereits sehr beliebten Nachtclub eröffnet …

Dienstag, 29. November 2016

OSCAR-News: "Manchester by the Sea"-Sieg bei den NBR Awards eröffnet den Reigen der Kritikerpreise

Nachdem es in den letzten Tagen schon ein paar erste Vorboten durch die Nominierungen für die Independent Spirit Awards und gestern die Gewinner der (ebenfalls auf Independent-Filme beschränkten) Gotham Independent Film Awards gab, startet die Awards Season nun mit den Kritiker-Filmpreisen endgültig durch, deren Einfluß auf die Golden Globes wie auch auf die OSCARs beträchtlich ist und die in kürzester Zeit Außenseiter zu Favoriten machen können (und umgekehrt, versteht sich). Den Auftakt macht traditionell das altehrwürdige National Board of Review mit seinen NBR Awards. Letztes Jahr gab es mit George Millers "Mad Max: Fury Road" einen Überraschungssieger, der sein Momentum bis zur OSCAR-Verleihung im Februar halten konnte - zwar nicht auf allerhöchstem Niveau, aber mit mehr als beachtlichen sechs Academy Awards in den technischen Kategorien. Diesmal ist der Gewinner etwas traditioneller - die wichtigsten Kategorien:

Bester Film: "Manchester by the Sea"
Regie: Barry Jenkins, "Moonlight"
Hauptdarsteller: Casey Affleck, "Manchester by the Sea"
Hauptdarstellerin: Amy Adams, "Arrival"
Nebendarsteller: Jeff Bridges, "Hell or High Water"
Nebendarstellerin: Naomie Harris, "Moonlight"
Originaldrehbuch: Kenneth Lonergan, "Manchester by the Sea"
Adaptiertes Drehbuch: Jay Cocks und Martin Scorsese, "Silence"
Fremdsprachiger Film: "The Salesman", Iran
Dokumentarfilm: "O.J.: Made in America"
Ensemble: "Hidden Figures"

Unter den Gewinnern gibt es keine Sensationen, alle galten als aussichtsreiche Kandidaten. Das gilt auch und gerade für das aufwählende Charakterdrama "Manchester by the Sea", das einen Platz in der OSCAR-Königskategorie "Bester Film" ziemlich sicher haben dürfte. Am überraschendsten ist noch der (meiner Ansicht nach nicht unverdiente) Triumph von "Kubo" bei den Animationsfilmen über stärker eingeschätzte und wesentlich teurere Konkurrenten wie "Zoomania", "Findet Dorie" oder "Vaiana". Bei den Darstellern werden sich besonders Bridges und Harris freuen, die zuletzt bei den Spirit Awards unerwartet nicht einmal nominiert wurden. Affleck, der auch bei den Gotham Awards gewann, ist als OSCAR-Nominee so gut wie gesetzt, Adams' Chancen sind durch diesen Sieg bei großer Konkurrenz (zu der Gotham-Gewinnerin Isabelle Huppert zählt) deutlich gestiegen. Erwähnenswert ist zudem der Drehbuch-Preis für Martin Scorseses "Silence", zu dem bislang noch keine einzige Kritik veröffentlicht wurde - allzu schlecht scheint das "portugiesische Jesuiten im Japan des 17. Jahrhunderts"-Drama mit Andrew Garfield, Adam Driver und Liam Neeson nicht zu sein ...

Die 10 besten Filme des Jahres (alphabetisch, ohne konkrete Reihung):
- Arrival
- Hacksaw Ridge
- Hell or High Water
- Hidden Figures
- La La Land
- Moonlight
- Patriots Day
- Silence
- Sully

Die Serie bleibt bestehen: Gefühlt seit Jahrhunderten wird jeder neue Film von Clint Eastwood bei den NBR Awards in die Top 10 des Jahres gewählt - ein Running Gag der etwas anderen Art, wenngleich die Kritiken für "Sully" diese Plazierung durchaus rechtfertigen. Ebenfalls zu erwarten waren der mit vier Preisen große Gotham-Triumphator "Moonlight" (ein Coming of Age-Film über einen homosexuellen Afroamerikaner), Mel Gibsons Anti-Kriegsfilm "Hacksaw Ridge" sowie "Silence". Gestärkt gehen zudem das philosophische SciFi-Drama "Arrival" und der Neo-Western "Hell or High Water" in die weitere Awards Season. Die größte Überraschung ist derweil wohl die Komödie "Hail, Caesar!" von den Coen-Brüdern, die trotz guter Kritiken nie so richtig öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Auch mit Peter Bergs "Patriots Day" (über den Bombenanschlag auf den Boston-Marathon) oder dem Indie-Biopic "Hidden Figures" (über drei afroamerikanische NASA-Mathematikerinnen in den 1960er Jahren) mußte man nicht unbedingt rechnen. Das von den Kritikern eigentlich hymnisch gefeierte Musical "La La Land" mit Emma Stone und Ryan Gosling geht wenigstens nicht komplett leer aus, anders als solche OSCAR-Kandidaten wie Denzel Washingtons "Fences", Jeff Nichols' "Loving", Pablo Nerudas "Jackie" oder Garth Davis' "Lion".

Die 5 besten nicht-englischsprachigen Filme:
- "Elle", Frankreich
- "Die Taschendiebin", Südkorea 
- "Julieta", Spanien
- "Unter dem Sand", Dänemark
- "Neruda", Chile

Daß der deutsche Favorit "Toni Erdmann" komplett leer ausgeht, ist eine Enttäuschung. Dafür sind mit "Elle" und "Unter dem Sand" aber zwei deutsche Koproduktionen vertreten, von denen "Elle" auch gute OSCAR-Chancen hat. Die übrigen Filme in dieser Kategorie konnte man so erwarten (auch wenn Almodóvars "Julieta" nicht die besten Rezensionen erhielt).

Alle Gewinner und Bestenlisten gibt es auf der NBR Homepage.
Die Sieger der Gotham Independent Awards bei IndieWire

Bereits übermorgen geht es weiter mit den Nominierungen für die Critics' Choice Awards, über die ich natürlich wieder berichten werde.

Sonntag, 27. November 2016

TV-Tips für die Woche 48/2016

Montag, 28. November:
Arte, 20.15 Uhr: "Winterschlaf" (2014)
Free-TV-Premiere des in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten, gut dreistündigen türkischen Dramas von Nuri Bilge Ceylan über einen patriarchalischen früheren Schauspieler, der in den Bergen Anatoliens ein kleines Hotel betreibt. In den kalten Wintermonaten wachsen die Spannungen innerhalb seiner Familie, aber auch mit der Dorfgemeinschaft.

Kabel Eins, 20.15 Uhr (gut fünf Minuten geschnitten, ungekürzte Nachtwiederholung um 0.20 Uhr): "Tödliche Weihnachten" (1996)
Wer es in der Weihnachtszeit zwar durchaus festlich, aber nicht so richtig besinnlich mag, der ist mit Renny Harlins geradlinigem Thriller gut bedient, in dem die seit Jahren an Amnesie leidende Samantha (Geena Davis) erfahren muß, daß sie einst eine Profikillerin war und jetzt von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Immerhin steht ihr Samuel L. Jackson als Privatdetektiv tatkräftig zur Seite.

Arte, 0.50 Uhr: "Schatten" (1923)
Free-TV-Premiere des expressionistischen deutschen Stummfilmklassikers (vollständig ohne Zwischentitel) von Arthur Robison über einen höchst eifersüchtigen Ehemann und die Macht der (Selbst-)Täuschung.

Außerdem:
Agora - Die Säulen des Himmels (ein aufwühlendes spanisches Historiendrama über eine von Rachel Weisz brillant verkörperte Wissenschaftlerin im altertümlichen, noch von den Römern beherrschten Alexandria, die mitten in den sich zuspitzenden Glaubenskrieg zwischen Juden, Christen und "Heiden" gerät; 20.15 Uhr bei One)

Dienstag, 29. November:
Arte, 20.15 Uhr: "Get - Der Prozeß der Viviane Amsalem" (2014)
Die Free-TV-Premiere des für den Golden Globe für den besten nicht-englischsprachigen Film nominierten israelisch-französischen Gerichtsdramas über den jahrelangen, windmühlenartigen Kampf der israelischen Jüdin Viviane Amsalem (die im April 2016 verstorbene Ronit Elkabetz), sich vor einem Rabbinatsgericht von ihrem Ehemann scheiden zu lassen - was aber nicht ohne dessen Zustimmung geht. Die Vorgeschichte wird übrigens in zwei früheren Filmen geschildert ("Getrennte Wege" und "Shiva" aus den Jahren 2004 und 2008), für das Verständnis von "Get" ist deren Kenntnis aber nicht notwendig.

ARD, 1.20 Uhr: "Mord im Orient-Express" (1974)
Siehe meinen TV-Tip von Mitte Januar für die starbesetzte Agatha Christie-Adaption.

Außerdem:
Flight (Denzel Washington glänzt in Robert Zemeckis' Charakterdrama als Pilot, der nach einer geglückten Notlandung als Held gefeiert wird - bis sich herausstellt, daß er betrunken flog ...; 20.15 Uhr bei Pro7Maxx)

Samstag, 26. November 2016

Samstags-Update (47/2016)

Keine Änderungen am deutschen Kinostartplan bis Ende Dezember:


Box Office-News:
In den deutschen Kinocharts bleibt "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" klar an der Spitze, verliert allerdings etwa 40% des Startergebnisses und kommt damit noch auf eine halbe Million Zuschauer. Dauerbrenner "Willkommen bei den Hartmanns" verteidigt Platz 2, muß aber erstmals einen deutlicheren Besucherrückgang auf "nur" noch ungefähr 250.000 in Kauf nehmen. Trotzdem ist Simon Verhoevens Flüchtlingskomödie mit mehr als zwei Millionen Gesamtzuschauern der erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2016 (vor "Bibi & Tina 3"). Den dritten Rang erobert mit dem vielgepriesenen SciFi-Drama "Arrival" mit Amy Adams der beste Neustart, der auf etwa 150.000 Kinogänger kommt. Die drei übrigen breiten Neustarts vermelden gemischte Ergebnisse: Während "Deepwater Horizon" mit Mark Wahlberg (wohl gut 60.000 Besucher) und das Komödiensequel "Bad Santa 2" mit Billy Bob Thornton (25.000) enttäuschen, legt Stephen Frears' Tragikomödie "Florence Foster Jenkins" mit Meryl Streep mit bis zu 50.000 Zuschauern einen guten Arthouse-Start hin.
In den USA war am Donnerstag Thanksgiving, weshalb die dieswöchigen Neustarts bereits am Mittwoch statt am Freitag in die Kinos kamen. Disneys gefeierter 3D-Animationsfilm "Vaiana" nutzt die zusätzlichen zwei Tage weidlich aus und legt drei Jahre nach dem zur gleichen Zeit angelaufenen Disney-Megahit "Die Eiskönigin" einen sehr starken Auftakt hin. Zwar werden die Hoffnungen auf einen neuen Thanksgiving-Wochenend-Rekord (den hält "Die Eiskönigin" mit $93,6 Mio.) nicht erfüllt, mit bis zu  $85 Mio. an fünf Tagen kann Disney jedoch ausgesprochen zufrieden sein - zumal angesichts der tollen Mundpropaganda wie damals bei "Die Eiskönigin" mit einer sehr langen Laufzeit bis ins neue Jahr hinein zu rechnen ist. Platz 2 geht an den sich in der zweiten Woche stark behauptenden "Phantastische Tierwesen" mit etwa $65 Mio. an fünf Tagen (damit dürften sich meine letzte Woche geäußerten ganz leichten Zweifel an der Franchise-Tauglichkeit auch schon wieder erledigt haben), gefolgt von "Doctor Strange" (knapp $20 Mio.). Nur zum vierten Rang reicht es für den zweiten großen Neustart der Woche: Robert Zemeckis' Kriegsromanze "Allied" mit Brad Pitt eröffnet etwas unter den (angesichts eines Budgets von $80 Mio. sowieso bescheidenen) Erwartungen mit nicht viel mehr als $15 Mio. an fünf Tagen. Auch "Bad Santa 2" enttäuscht mit etwa $8 Mio. am langen Wochenende, was nur für Platz 7, 8 oder 9 reichen wird. Sogar als richtiggehendes Desaster entpuppt sich derweil Warren Beattys offenbar doch nicht von vielen Menschen mit Spannung erwartetes Comeback "Regeln spielen keine Rolle", denn die Komödie von und mit der Kinolegende Beatty landet außerhalb der Top 10 mit gerade einmal rund $2 Mio. an fünf Tagen. In Deutschland kommen "Vaiana" und "Allied" jeweils am 22. Dezember in die Lichtspielhäuser, "Regeln spielen keine Rolle" erst am 6. April 2017.

Quellen:

Donnerstag, 24. November 2016

DIRTY COPS – WAR ON EVERYONE (2016)

Originaltitel: War on Everyone
Regie und Drehbuch: John Michael McDonagh, Musik: Lorne Balfe
Darsteller: Alexander Skarsgård, Michael Peña, Tessa Thompson, Theo James, Paul Reiser, Stephanie Sigman, Malcolm Barrett, David Wilmot, Caleb Landry Jones, Jonathan David Dixon, Geoffrey Pomeroy, Keith Jardine
 Dirty Cops: War on Everyone
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 63% (5,5); weltweites Einspielergebnis: $0,7 Mio.
FSK: 16, Dauer: 98 Minuten.
Terry Monroe (Alexander Skarsgård, "Melancholia") und Bob Bolaño (Michael Peña, "Herz aus Stahl") sind zwei nicht wirklich mustergültige Cops in New Mexico. Die beiden Partner fahren schon mal einen Räuber, der sich ergeben hat, über den Haufen, behalten beschlagnahmtes Geld und Drogen für sich selbst und erpressen Kriminelle. Entsprechend unbeliebt sind sie bei ihren Vorgesetzten, auch wenn sich das meiste nicht nachweisen läßt. Nur deshalb erhalten sie von Lieutenant Gerry Stanton (Paul Reiser, "Aliens – Die Rückkehr") überhaupt noch eine allerletzte Chance. Ihr Verhalten ändern Terry und Bob deshalb noch lange nicht, aber immerhin kommen sie mehr oder weniger zufällig einem großen Coup des einflußreichen britischen Lords James Mangan (Theo James, "Underworld: Awakening") auf die Spur. Der allerdings läßt sich nicht so leicht einschüchtern wie die Kleinkriminellen der Gegend …