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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 23. März 2012

CARRIERS (2009)

Regie und Drehbuch: David und Àlex Pastor, Musik: Peter Nashel
Darsteller: Lou Taylor Pucci, Chris Pine, Piper Perabo, Emily VanCamp, Christopher Meloni, Mark Moses, Kiernan Shipka
 Carriers
(2009) on IMDb Rotten Tomatoes: 64% (5,7); weltweites Einspielergebnis: $5,8 Mio.
FSK: 16, Dauer: 85 Minuten.

Vier junge Erwachsene sind in einem Auto unterwegs durch die amerikanische Prärie und versuchen, die Langeweile mit üblichen Reisespielchen zu vertreiben: Die ungleichen Brüder Danny (Lou Taylor Pucci, "Evil Dead") und Brian (Chris Pine alias James T. Kirk in J.J. Abrams' "Star Trek"-Reboot), Brians Freundin Bobby (Piper Perabo, "Looper") und Dannys Kommilitonin Kate (Emily VanCamp aus TV-Serien wie "Everwood", "Brothers & Sisters" und "Revenge"). Daß es sich keineswegs um einen normalen Urlaubsausflug handelt, erfährt der Zuschauer erst, als der Highway von einem Auto, dem das Benzin ausgegangen ist, blockiert wird, die vier Freunde dem Fahrer aber nicht helfen, da sie ihm auf keinen Fall zu nahe kommen wollen. Der Grund dafür ist aber nicht etwa die Furcht vor einem klassischen Redneck-Hinterhalt wie in unzähligen Horrorfilmen, sondern vor einem tödlichen Virus, der fast die gesamte Menschheit dahingerafft hat. Dummerweise sind die Symptome einer Erkrankung erst nach einiger Zeit zu erkennen, weshalb bei Treffen mit anderen Überlebenden Furcht und Mißtrauen dominieren anstatt der Freude, doch nicht allein auf der Welt zu sein. Durch die Umstände gezwungen, reisen die vier Freunde dennoch gemeinsam mit dem Fremden weiter, der sich als Frank (Christopher Meloni, "Man of Steel", TV-Serie "Law & Order: Special Victims Unit") vorstellt und seine infizierte Tochter zu einem Krankenhaus bringen will, in dem es angeblich eine Heilung für das Virus gibt ...

Kritik:
Homo homini lupus. Der Mensch ist des Menschen Wolf. Das durch den englischen Staatstheoretiker Thomas Hobbes berühmt gewordene Zitat könnte problemlos der Untertitel von "Carriers" sein. Denn obwohl der Handlungsverlauf starke Assoziationen an Danny Boyles "28 Days Later" weckt, sind es in "Carriers" nicht durch ein Virus erschaffene Zombies, die den menschlichen Protagonisten das Leben schwer machen, sondern sie selbst und ihre überlebenden Mitmenschen. 2009 war "Carriers" der Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests, kam dort aber nicht allzu gut an. Das ist wenig verwunderlich, denn trotz der bedrückenden Endzeitprämisse handelt es sich keineswegs um einen Action- oder Horrorfilm, sondern um ein ausgesprochen kulturpessimistisches Charakterdrama. Zudem sind die vier Protagonisten allesamt keine echten Sympathieträger, am ehesten kann diese Rolle noch der fürsorgliche Familienvater Frank einnehmen. Doch generell, das wird immer wieder durch kleine Details und Begebenheiten verdeutlicht, stellen alle Menschen, die noch am Leben sind, eine Gefahr für die anderen da. Noch schlimmer: Wo in Filmen wie "28 Days Later" oder "Dawn of the Dead" sich zumindest unter einigen der Überlebenden ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt, sie im Angesicht der apokalyptischen Katastrophe enger zusammenrücken und sich manchmal sogar für die Gruppe opfern, ist in "Carriers" das Gegenteil der Fall. Die in der Auftaktszene noch so normal und fröhlich wirkenden Reisegefährten entfernen sich mit jeder Schwierigkeit, auf die sie treffen, immer weiter voneinander, handeln immer egoistischer und zunehmend skrupellos. Dabei mögen die Figuren (ebenso wie die Handlung) nicht frei von Klischees sein, dennoch wirken sie authentisch genug und werden gut gespielt, um beim Publikum Beklemmung zu verursachen.

Eine Art fünfter Hauptdarsteller ist übrigens das Auto, das seine Passagiere zu einem einsam gelegenen Hotel an einem malerischen Strand bringen soll, mit dem Brian  und Danny glückliche Kindheitserinnerungen verbinden. Denn immer, wenn jemand den Wagen verlassen muß, also aus der halbwegs Sicherheit und Geborgenheit versprechenden Gruppe verstoßen wird, verläßt auch der Film die entsprechende Person. "Carriers" erklärt wenig und führt die Handlungsstränge der einzelnen Personen nur selten zu Ende, stattdessen fokussiert sich der Film stets auf das Auto und die Menschen in seinem Inneren – die Handlung soll von der ersten bis zur letzten Minute nur ein kleiner und persönlicher Ausschnitt aus einer im Untergang begriffenen Welt sein. Die große Apokalypse selbst bleibt stets (für manche Kritiker zu sehr) im Hintergrund, nur diffus greifbar, doch die Mikroversion in diesem einzigen Auto macht sie für das Publikum greifbar.

Fazit: "Carriers" ist ein illusionsloses Endzeit-Kammerspiel, das mit seinem weitgehenden Verzicht auf Action und Thrills mit Genrekonventionen bricht und viel Geduld einfordert. Auch sein bemerkenswerter Pessimismus ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch wer mit den richtigen Erwartungen an "Carriers" herangeht, der wird mit einem richtig guten Film belohnt.

Wertung: 8 Punkte.


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