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Mittwoch, 14. März 2012

THE IDES OF MARCH - TAGE DES VERRATS (2011)

Originaltitel: The Ides of March
Regie: George Clooney, Drehbuch: Grant Heslov, Beau Willimon und George Clooney, Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Ryan Gosling, George Clooney, Evan Rachel Wood, Paul Giamatti, Philip Seymour Hoffman, Marisa Tomei, Jeffrey Wright, Gregory Itzin, Jennifer Ehle, Max Minghella, Hayley Meyers
 The Ides of March
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 84% (7,4); weltweites Einspielergebnis: $76,0 Mio.
FSK: 12, Dauer: 101 Minuten.
Der smarte Stephen Meyers (Ryan Gosling, "Drive") ist einer der beiden Hauptberater des demokratischen Präsidentschaftsanwärters Mike Morris (George Clooney, "The Descendants"). Er macht den Job aus Überzeugung, weil er an Morris' Kombination aus Idealismus und Ehrlichkeit glaubt, die auch beim Wahlvolk eher unpopuläre Forderungen nicht scheut. Stephen selbst jedoch schreckt in seiner Tätigkeit vor kaum einem Trick zurück, um Morris die Präsidentschaftsnominierung gegen den parteiinternen Rivalen zu sichern. Allerdings muß er bald erkennen, daß er womöglich doch nur ein kleiner Piranha im großen Haifischbecken namens Politik ist ...

Kritik:
Anfang Januar begannen in den USA die Vorwahlen zur Bestimmung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten und Obama-Rivalen bei der Wahl Ende 2012. Es ist kaum anzunehmen, daß der deutsche Verleih das bei seiner Entscheidung für den deutschen Kino-Starttermin Ende Dezember 2011 berücksichtigt hat, aber es ist natürlich ungemein passend – auch wenn es in der Theaterverfilmung "The Ides of March" primär um die Demokraten geht. Wenn man den Geschehnissen des Films glauben will, dann macht das allerdings sowieso kaum einen Unterschied, denn intrigiert und betrogen wird überall in der Politik.

Angesichts dieser vielleicht realistischen, aber doch sehr zynischen Haltung überrascht es, daß George Clooney nicht nur die Rolle des Mike Morris übernahm (übrigens eher eine große Nebenrolle als eine echte Hauptrolle), sondern auch gleich die Regie. Ist doch Clooney als einer der überzeugtesten und eloquentesten Unterstützer der Demokraten in Hollywood berühmt bzw. (bei den Anhängern der Republikaner) berüchtigt.

Was auch immer ihn dazu bewegt haben mag, es war meiner Meinung nach keine allzu glückliche Entscheidung. Denn so sehr ich George Clooney als Schauspieler und auch als öffentliche Person schätze von seinen Fähigkeiten als Regisseur konnte er mich bislang nicht restlos überzeugen. Von seinen vier Regiearbeiten war "Good Night, and Good Luck." die einzige, die es bei mir zumindest in den "Gut"-Bereich geschafft hat. "The Ides of March" nimmt diese Hürde leider nicht.

Der Hauptgrund dafür ist eine meiner Ansicht nach falsche Schwerpunktsetzung des Films. Bei näherer Betrachtung handelt es sich nämlich gar nicht wirklich um den (von mir erhofften) Polit-Thriller, sondern eher um ein bemerkenswert pessimistisches Charakterdrama ohne echte Identifikationsfiguren. So etwas kann natürlich sehr wohl einen guten Film ergeben, aber "The Ides of March" scheitert an einer zu großen Unentschlossenheit zwischen den einzelnen Storyelementen, zudem an einer zu oberflächlichen Ausarbeitung der handelnden Akteure. Lediglich Ryan Goslings Figur des Stephen kommt einigermaßen authentisch herüber, die anderen Charaktere wirken trotz so grandioser Darsteller wie Clooney, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Marisa Tomei oder Evan Rachel Wood eher wie Klischees als wie glaubwürdige Personen. Auch die teils extremen Handlungsweisen dieser Figuren wirken zu oft von den Story-Bedürfnissen des Drehbuchs gesteuert anstatt wirklich nachvollziehbar.

Immerhin: Solange sich die Handlung auf den Politik-Teil konzentriert, ist "The Ides of March" absolut sehenswert und die Leistungen der Schauspieler sind über jeden Zweifel erhaben. Gerade von Hoffman und Giamatti würde man gerne sehr viel mehr sehen, doch bleiben ihre Figuren reine Nebencharaktere. Insgesamt kann Clooneys Film sein großes Potential nicht ausschöpfen.

Fazit: "The Ides of March" ist ein nur phasenweise überzeugender, aufgrund des beteiligten Talents letztlich enttäuschend mittelmäßiger, thematisch unentschlossener Film mit einer bemerkenswert zynischen Sichtweise. Wer auf der Suche nach guter politischer Unterhaltung ist, dem sei stattdessen die amerikanische TV-Serie "The West Wing" (oder die dänische TV-Serie "Gefährliche Seilschaften") anempfohlen.

Wertung: 6 Punkte.


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