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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 6. März 2012

VERBLENDUNG (2011)

Originaltitel: The Girl with the Dragon Tattoo
Regie: David Fincher, Drehbuch: Steven Zaillian, Musik: Trent Reznor und Atticus Ross
Darsteller: Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Robin Wright, Steven Berkoff, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Goran Visnjic, Julian Sands, David Dencik, Alan Dale, Elodie Yung, Embeth Davidtz, Joel Kinnaman, Geraldine James
 The Girl with the Dragon Tattoo
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 86% (7,6); weltweites Einspielergebnis: $232,6 Mio.
FSK: 16, Dauer: 158 Minuten.

Nachdem der schwedische Investigativ-Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig, "Skyfall") einen großen Verleumdungsprozeß verloren hat, zieht er sich vorerst aus seinem Beruf zurück. Da trifft es sich gut, daß der Großindustrielle Henrik Vanger (Christopher Plummer, kurz zuvor mit dem OSCAR als bester Nebendarsteller für "Beginners" ausgezeichnet) ihn anheuert, um das spurlose Verschwinden seiner Nichte vor mehreren Jahrzehnten aufzuklären. Als Täter des vermutlichen Verbrechens kommen vor allem Mitglieder der Familie Vanger in Frage ...

Kritik:
Nur zwei Jahre hat es gedauert, bis Hollywood eine eigene Version des ersten Bandes von Stieg Larssons gefeierter "Millennium"-Trilogie der erfolgreichen schwedischen Verfilmung folgen ließ. Ob diese Neuverfilmung nun sinnvoll ist oder nicht, muß jeder für sich selbst entscheiden – Fakt ist, daß Regisseur David Fincher ("Sieben", "The Social Network") einen handwerklich überzeugenden Thriller mit hochkarätiger Besetzung geschaffen hat. Zwar ist sein Film erwartungsgemäß etwas amerikanisiert (besser aussehende Schauspieler, ein paar kleine, eher unnötige Storyabweichungen) und natürlich in technischer Hinsicht wesentlich aufwendiger – beginnend mit dem sehr ungewöhnlichen, aber grandiosen Vorspann –, aber für Hollywood-Verhältnisse dennoch erstaunlich düster und (in sexueller Hinsicht) explizit.

Da ich den schwedischen Film erst vor einem Jahr gesehen habe (in der Langfassung im TV), fällt mir eine genaue inhaltliche Bewertung von Finchers Version relativ schwer, da mir die Handlung einfach noch zu genau im Gedächtnis war. Außerdem ist speziell der zentrale Kriminalfall in meinen Augen sowieso der größte Schwachpunkt der Handlung, da er erstens für erfahrene Krimifans recht vorhersehbar ist (ich vermute, daß er im Buch deutlich besser funktioniert, da dort logischerweise alles nicht so "gedrängt" ist wie in einem Film, selbst wenn er zweieinhalb oder drei Stunden dauert) und zweitens die handelnden Figuren eine zentrale Vermutung niemals ernsthaft hinterfragen, obwohl das offensichtlich wäre. Da mich das schon beim ersten Mal gestört hat, ist es beim zweiten Mal innerhalb eines Jahres noch unerfreulicher. An diesen Schwächen konnte Fincher aber natürlich nichts ändern, ohne der Buchvorlage sehr untreu zu werden.

Wo er doch einmal zumindest vom schwedischen Film abweicht (da ich das Buch nicht gelesen habe, weiß ich nicht, wie vorlagengetreu dieser tatsächlich war), da funktioniert es meiner Meinung nach nicht allzu gut, zudem werden vereinzelte Ereignisse aus den späteren Büchern vorgezogen, da der amerikanische "Verblendung" offensichtlich zunächst als Einzelfilm konzipiert wurde. Bezüglich der Änderungen bleibt es aber bei Kleinigkeiten, die auch nicht wirklich stören.

In Bezug auf die Besetzung gibt es keinen Grund zur Klage. Daniel Craig macht seine Sache gewohnt souverän und braucht sich nicht hinter seinem "Vorgänger" Michael Nyqvist zu verstecken, auch die weiteren wichtigen Rollen werden von Schauspielern wie Plummer, Stellan Skarsgård, Joely Richardson, Robin Wright, Steven Berkoff oder Goran Visnjic tadellos verkörpert. Nur mit Rooney Mara ("The Social Network") in der weiblichen Hauptrolle der problembeladenen Hackerin Lisbeth Salander habe ich so meine kleinen Probleme – rein optisch, wohlgemerkt, denn die OSCAR-Nominierung für ihre darstellerische Leistung ist verdient (wenn auch etwas unfair gegenüber Noomi Rapace, die für ihre mindestens gleichwertige Darstellung in der schwedischen Version nicht berücksichtigt wurde). Aber sie sieht einfach nicht so aus, wie ich mir diese Person vorstelle. Natürlich bin ich da auch geprägt von Rapaces großartiger Darstellung, aber grundsätzlich finde ich, daß deren markante Gesichtszüge und eher knabenhafter Körperbau besser zu der Figur Lisbeth Salander passen als Rooney Mara, die letztlich auch in dieser Rolle mit seltsamer Frisur, vielen Piercings und großflächigen Tätowierungen eher den konventionellen Schönheitsvorstellungen entspricht. Aber das ist letztlich Geschmackssache und schauspielerisch gibt es wenig auszusetzen.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Verfilmungen von "Verblendung" manifestiert sich sicherlich in der Musik. Während die schwedische Version einen eher klassischen Soundtrack aufwies, griff Fincher wieder zu seinem im Vorjahr für "The Social Network" OSCAR-prämierten Komponisten-Duo Trent Reznor und Atticus Ross, die einen (auf drei CDs veröffentlichten!) düster-unheilvollen, mitunter nahezu atonalen Klangteppich geschaffen haben, der die Stimmung der Geschichte perfekt untermalt – wenn auch in manchen Szenen vielleicht etwas zu dominant. Diese oft geradezu unangenehme Musik scheint die Zuschauer deutlich stärker zu polarisieren als der Film selbst, ich finde sie insgesamt sehr gelungen. Die Kameraführung von Jeff Cronenweth setzt einige optische Highlights, während Finchers Inszenierung insgesamt verhältnismäßig konventionell ausfällt – allerdings setzt er auf schnellere Schnitte als der schwedische Film, was das Tempogefühl seines Films erhöht.

Fazit: Wer den schwedischen "Verblendung" gesehen hat und für gut befand, der ist nicht wirklich auf diese Neuverfilmung angewiesen, da sich die Unterschiede in Grenzen halten und auch qualitativ beide Filme in einer Liga spielen. Wer die Geschichte noch nicht kennt, der erhält auf jeden Fall einen spannenden, düsteren Thriller mit starken Schauspielerleistungen, der lediglich beim zentralen Kriminalfall etwas schwächelt.

Wertung: 7,5 Punkte – damit aufgrund der kleinen Änderungen und der Tatsache, daß mir Noomi Rapace in der weiblichen Hauptrolle etwas besser gefällt als Rooney Mara, ein halber Punkt weniger als das "Original".


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