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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 26. April 2012

CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER (3D, 2011)

Regie: Joe Johnston, Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely, Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Chris Evans, Hayley Atwell, Hugo Weaving, Tommy Lee Jones, Sebastian Stan, Stanley Tucci, Dominic Cooper, Richard Armitage, Toby Jones, Neal McDonough, Kenneth Choi, Derek Luke, Bruno Ricci, JJ Feild, Samuel L. Jackson, Natalie Dormer, Anatole Taubman
 Captain America: The First Avenger
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 80% (6,9); weltweites Einspielergebnis: $370,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 124 Minuten.
Wir schreiben das Jahr 1943: Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor sind die USA in Patriotismus gegen den Aggressor vereint und die Jugend der Landes stürmt zu den Army-Rekrutierungsbüros, um gegen Nazis und Japaner kämpfen zu dürfen. So auch der schmächtige Steve Rogers (Chris Evans), der aber aufgrund eines Asthma-Leidens abgelehnt wird. Dennoch versucht er es immer wieder bei verschiedenen Rekrutierungsstellen, bis er ob seiner Hartnäckigkeit dem Arzt und Wissenschaftler Dr. Erskine (Stanley Tucci) auffällt. Dieser sorgt dafür, daß Rogers angenommen wird und an seinem Versuchsprogramm für einen Supersoldaten teilnimmt. Das Experiment gelingt schließlich und nach anfänglicher Skepsis zeigt Rogers, was er als "Captain America" alles drauf hat ...

Kritik:
Für etliche Branchenkenner war "Captain America" ein heißer Favorit auf den eher unbeliebten Titel "kommerzieller Flop des Jahres". Eine teure Superheldenverfilmung, die alleine ob ihres Namens in weiten Teilen der Welt eher Ablehnung als Begeisterung aufkommen lassen dürfte. Eine Besetzung mit weitgehend Unbekannten in den Hauptrollen in Verbindung mit einem Regisseur mit gemischter Erfolgsbilanz (Joe Johnston, "Rocketeer", "Jumanji", "Jurassic Park 3", "Hidalgo", "The Wolfman") sowie einem Starttermin in der zweiten Sommerhälfte 2011 ließ gar befürchten, daß der Film nicht einmal in den USA richtig funktionieren würde. Diese Skepsis war unbegründet, denn nicht zuletzt erstaunlich gute Kritiken führten nicht nur zu einem US-Start leicht über den Erwartungen, sondern vor allem zu starken Folgewochen. Diese positive Bilanz wiederum im Verbund mit der positiven Mundpropaganda, die via Internet auch die amerikanischen Landesgrenzen überwand, sorgte sogar dafür, daß "Captain America" wider Erwarten sogar weltweit zu einem veritablen Hit avancierte. Deutschland war mit nicht einmal 400.000 Zuschauern übrigens eine der wenigen Ausnahmen.

Daß "Captain America" insgesamt international so gut funktionierte, liegt sicher auch darin begründet, daß den Filmemachern das Kunststück gelungen ist, den unvermeidlichen Patriotismus so ausgewogen zu balancieren, daß er dem amerikanischen Publikum locker ausreicht, dem Großteil der ausländischen Zuschauer aber nicht übel aufstößt. Da ist es sehr hilfreich, daß Steve Rogers zu Beginn des Films überraschend ausführlich und glaubwürdig eingeführt wird daß seine "Mutation" zu Captain America erst nach 40 Minuten und damit einem Filmdrittel vonstatten gehen würde, war nun wirklich nicht zu erwarten. Unterm Strich wird Steve Rogers damit die wohl gelungenste Einführung aller späteren "Avengers" zuteil. In diesem ersten Filmdrittel überzeugt "Captain America" zudem mit einem gesunden Sinn für Selbstironie, der jeglichen Patriotismus-Anflügen eigentlich sofort die Schärfe entzieht. Wie Johnston und die Drehbuch-Autoren mit dieser absehbaren Problematik umgegangen sind, verdient in der Tat großes Lob.

Auch die mutige Besetzungspolitik rentiert sich: Chris Evans ("Fantastic Four", "Nanny Diaries") überzeugt sowohl als schwächlicher Steve Rogers als auch als muskelbepackter Captain America mit Charme und Humor, die schöne Hayley Atwell (TV-Miniserie "Die Säulen der Erde") funktioniert hervorragend als "love interest" und Hugo Weaving ("Cloud Atlas") liefert als größenwahnsinniger Nazi-Wissenschaftler "Red Skull" eine gewohnt solide Leistung ab. In Nebenrollen dürfen auch Mimen wie Tommy Lee Jones ("Lincoln"), Stanley Tucci ("Einfach zu haben"), Toby Jones ("My Week with Marilyn") oder Dominic Cooper (als Howard Stark, Vater von Tony "Iron Man" Stark übrigens ist Cooper bereits sein dritter Darsteller, denn in Rückblenden der beiden "Iron Man"-Filme wurde Howard Stark zunächst von Gerard Sanders und dann von John Slattery verkörpert) ihr bewährtes Können zeigen. Zudem legt sich Captain America im Laufe der Handlung eine Art persönliche Eingreiftruppe zu, die mit ihren schillernden Charakteren leider mehr verspricht, als ihr seltener Einsatz dann tatsächlich halten kann.

Eigentlich gilt das für den gesamten Film. Die erste Hälfte liefert tolles, hoch unterhaltsames Abenteuerkino ab, aber in der zweiten Filmhälfte begeht "Captain America" dann einen Fehler, der vielen Filmen dieser Art unterläuft: Es gibt fast nur noch Action und die Handlung, ja selbst der Humor, gerät immer stärker in den Hintergrund. Das hat mich selbst bei Hochkarätern wie Christopher Nolans "Inception" gestört, bei "Captain America" ist es noch deutlich extremer. Die Story ist dramaturgisch sowieso ziemlich holprig und ziemlich genau zur Hälfte des Films kommt es bereits zu einem Action-Höhepunkt, der gut und gerne als Showdown durchgehen würde. Wie soll man das anschließend noch toppen? "Captain America" versucht es durch die Aneinanderreihung immer weiterer Actionszenen, die kaum noch von kurzen Ruhepausen unterbrochen werden und scheitert mit dieser Methode erwartungsgemäß. Irgendwann langweilt die Nonstop-Action einfach nur noch und man sehnt das Ende des Films herbei (das dann dafür überraschend abrupt kommt).

Technisch kann man "Captain America" nicht viel vorwerfen. Die Spezialeffekte überzeugen, der 3D-Einsatz ist gelungener als noch bei "Thor". Zwar gibt es in ein paar Szenen das bekannte Unschärfe-Problem, aber alles in allem wirkt die Dreidimensionalität erfreulich natürlich (wenn auch ziemlich unspektakulär). Der Actionscore von Alan Silvestri ("Die Mumie") ist eher durchschnittlich geraten.

Fazit: "Captain America: The First Avenger" ist eine Superhelden-Comicverfilmung mit Stärken und Schwächen. Glücklicherweise überwiegen insgesamt die Stärken dank der sympathischen Besetzung und der sehr gelungenen ersten Filmhälfte. Als Einstimmung auf das Superhelden-Treffen in Joss Whedons "The Avengers" ist "Captain America" sowieso Pflichtprogramm.

Wertung: 7 Punkte.


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