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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 24. Oktober 2012

PREMIUM RUSH (2012)

Regie: David Koepp, Drehbuch: John Kamps und David Koepp, Musik: David Sardy
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Michael Shannon, Dania Ramirez, Jamie Chung, Wolé Parks, Aasif Mandvi, Christopher Place, Anthony Chisholm, Henry O, Aaron Tveit, Boyce Wong, Brian Koppelman
 Premium Rush
(2012) on IMDb Rotten Tomatoes: 75% (6,4); weltweites Einspielergebnis: $31,1 Mio.
FSK: 12, Dauer: 91 Minuten.

Wilee (Joseph Gordon-Levitt, "Looper", "The Dark Knight Rises") ist ein hochintelligenter junger Mann, der längst als Anwalt arbeiten könnte, sein Jura-Studium jedoch abgebrochen hat, da ihm vor der Vorstellung graut, jeden Tag im Anzug ins Büro zu gehen. Stattdessen arbeitet er nun als Fahrradkurier in New York und ist für seinen todessehnsüchtig erscheinenden Fahrstil berühmt-berüchtigt. Deshalb wird ausdrücklich er von seiner früheren Kommilitonin Nima (Jamie Chung, "Sucker Punch") angefordert, um einen für sie ungeheuer wichtigen Umschlag nach Chinatown zu bringen. Doch auch ein korrupter Cop (Michael Shannon, "Man of Steel") hat es auf das wertvolle Objekt abgesehen und zeigt wenig Skrupel bei seinen Versuchen, es Wilee abzujagen ...

Kritik:
Schon Star-Regisseur James Cameron hat in seiner recht kurzlebigen TV-Serie "Dark Angel" mit Jessica Alba das Unterhaltungspotential von Fahrradkurieren als Actionhelden erkannt. Sein Kollege David Koepp ("Das geheime Fenster", "Wen die Geister lieben", Drehbuch-Autor von "Jurassic Park" und "Spider-Man") hat die Science-Fiction-Elemente von "Dark Angel" komplett über Bord geworfen und die unmotorisierten Zweirad-Raser zum Mittelpunkt eines unkomplizierten, aber effektiven Action-Thrillers gemacht.

Daß dieses Vorgehen funktioniert, liegt vor allem an zwei Dingen: den beiden Hauptdarstellern und den äußerst temporeich inszenierten Verfolgungsjagden durch die vielbefahrenen Straßen von New York. Senkrechtstarter Joseph Gordon-Levitt beweist als tougher Kurier einmal mehr seine große Vielseitigkeit, die auch vor dem Actiongenre nicht halt macht. Sein Wilee ist trotz bescheidener Charaktertiefe ein charismatischer Held, der von seinem Gegenspieler aber sogar noch übertroffen wird. Daß ein Michael Shannon im Berserker-Modus OSCAR-verdächtig ist, bewies er bereits in Sam Mendes' Beziehungsdrama "Zeiten des Aufruhrs", in "Premium Rush" darf er seiner ungeheuren Spielfreude nun vollends freien Lauf lassen. Aus diesen beiden starken Polen entwickelt sich ein ungemein unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel, das einige Drehbuchschwächen vergessen macht.

Denn die sind sehr wohl vorhanden. Im Grunde genommen könnte man die Handlung von "Premium Rush" ohne inhaltlichen Verlust auch so zusammenfassen: Person A soll ein Objekt zu Person B bringen, wogegen Person C etwas hat. Dieses karge Storygerüst läßt sich kaum auf Spielfilmlänge von 90 Minuten strecken. David Koepp versucht es trotzdem und mittels einiger cleverer Tricks und Rückblenden gelingt es ihm sogar ziemlich gut. Beispielsweise führt er einen weiteren Fahrradkurier namens Manny (Newcomer Wolé Parks) ein, der mit Wilee um die Zuneigung ihrer attraktiven Kollegin Vanessa (Dania Ramirez, "American Pie – Das Klassentreffen", "Quarantäne") buhlt. Und für den nötigen Humor sorgt vor allem ein namenloser Fahrrad-Polizist (gespielt vom hauptberuflichen Stuntman Christopher Place), den Wilee früh im Film abhängt und der das als eine Art Kriegserklärung wertet. Durch diese kleinen Nebenhandlungsstränge kommt "Premium Rush" schließlich tatsächlich auf fast genau eineinhalb Stunden, allerdings schleichen sich im Handlungsverlauf auch einige Längen ein. Ein straffer 80-Minüter wäre wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen und hätte zu einer noch höheren Wertung geführt.

Glücklicherweise gibt es aber ja noch die bereits angesprochenen Verfolgungsjagden, die die Storyschwächen übertünchen. Actionsequenzen mit Radfahrern sieht man nicht allzu oft in Hollywood, insofern gibt es auf jeden Fall einen Innovativitätsbonus, der durch die gelungene Choreographie ebenso ausgebaut wird wie durch einige Technikspielereien: So wird etwa die Strecke, die Wilee fährt, immer wieder wie mit einem Navigationsgerät grafisch nachvollzogen, außerdem berechnet Wilee im Kopf blitzschnell, auf welcher Route er schadlos durch den dichten Verkehr kommt. Dies illustriert Koepp, indem er wiederholt und ziemlich drastisch die Folgen einer falschen Entscheidung skizziert – was dank der übertriebenen Darstellung eher amüsant als erschreckend wirkt und ein wenig an die phantasievollen Todesfälle der ersten beiden "Final Destination"-Filme erinnert. Die Handlung wie auch die Einbindung der modernen Technik weisen zudem stilistische Parallelen zu David R. Ellis' Action-Thriller "Final Call" mit Chris Evans und Kim Basinger aus dem Jahr 2004 auf.

Fazit: "Premium Rush" ist ein temporeicher, geradliniger Action-Thriller mit zwei wunderbaren Hauptdarstellern, einem guten Schuß Humor und zahllosen rasanten Verfolgungsjagden, die recht erfolgreich die nihilistische Story und einige Klischees wettmachen.

Wertung: 7,5 Punkte.


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