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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 14. März 2013

DER MONGOLE (2007)

Originaltitel: Mongol
Regie: Sergey Bodrov, Drehbuch: Arif Aliyev und Sergey Bodrov, Musik: Tuomas Kantelinen
Darsteller: Tadanobu Asano, Khulan Chuluun, Sun Honglei, Amadu Mamadakov, Zhang Jiong, Ba Sen, Odnyam Odsuren, Bayertsetseg Erdenebat, Amarbold Tuvshinbayar, Ben Hon Sun
 Mongol
(2007) on IMDb Rotten Tomatoes: 87% (7,1); weltweites Einspielergebnis: $26,5 Mio.
FSK: 12, Dauer: 125 Minuten.

12. Jahrhundert, in den Steppen der Mongolei: Der kleine Temudjin gerät nach dem Mord an seinem Vater, dessen Nachfolger als Anführer des Klans er eigentlich hätte werden sollen, in die Sklaverei bei dem jungen Krieger Targutai (Amadu Mamadakov, "Die neunte Kompanie"), der ihn hasst und die Herrschaft über den Stamm an sich reißt. Doch nach einiger Zeit kann sich Temudjin befreien. Jahre später, als junger Erwachsener (Tadanobu Asano, "Zatoichi", "Thor"), schart er aufgrund seines Charismas, seiner Kampfkraft und seiner Entschlossenheit bald immer mehr Männer hinter sich und seine schöne Frau Börte (Khulan Chuluun). Doch um seinen Traum von einem geeinten Volk der Mongolen zu erreichen, muß er erst eine gewaltige Schlacht für sich entscheiden ...

Kritik:
"Der Mongole" ist ein Musterbeispiel internationaler Zusammenarbeit: Der russische Regisseur Sergey Bodrov verfilmte die frühen Jahre des späteren Dschingis Khan mit dem Japaner Tadanobu Asano in der Hauptrolle, jeder Menge mongolischen, chinesischen, russischen und kasachischen Darstellern, einem finnischen Komponisten, einem holländischen Kameramann, einem isländischen und einem amerikanischen Cutter sowie einer deutschen Kostümbildnerin. Finanziert wurde das Projekt unter anderem mit staatlichen Fördermitteln aus Rußland und Deutschland. Bei dieser bunten Mischung von Nationalitäten ist es fast schon erstaunlich, wie homogen das Ergebnis unterm Strich wirkt: "Der Mongole", als kasachischer Beitrag für den Auslands-OSCAR 2008 nominiert, erzählt seine Geschichte gemächlich und in wunderschönen Bildern.

Der bis dato bekannteste Film über den legendenumwobenen mongolischen Feldherr dürfte noch immer Henry Levins "Dschingis Khan" aus dem Jahr 1965 sein, mit Omar Sharif, Eli Wallach, Stephen Boyd, Telly Savalas und James Mason in den Hauptrollen. Ein durchaus unterhaltsames Werk, allerdings in jeder Hinsicht typisch Hollywood. Bodrov hingegen setzt bei "Der Mongole" stark auf Authentizität, er zeigt mongolische Sitten und Gebräuche und hat eben auch asiatische Darsteller vor die Kamera geholt. Gute Darsteller übrigens: Asano spielt die nicht einfache, recht zwiespältige Rolle des keinesfalls als strahlender Held gezeichneten späteren "Khans aller Khans" absolut überzeugend. Gleiches gilt für Honglei Sun, der seinen Blutsbruder Jamukha verkörpert, für Amadu Mamadakov als Temudjins Erzfeind Targutai und für Khulan Chuluun (für die "Der Mongole" bis heute den einzigen Filmauftritt bedeutet) als Börte.

Die oft ruhigen, eleganten Aufnahmen der weiten asiatischen Steppenlandschaften (gedreht wurde in der Mongolei, in China und in Kasachstan) sind imposant, die Musik von Tuomas Kantelinen ("Arn – Der Kreuzritter") ist atmosphärisch stimmig. Ein wenig störend sind die gelegentlichen Zeitsprünge im Film, da kaum erläutert wird, was in der jeweiligen Zwischenzeit geschehen ist; einiges muß man sich wohl oder übel selbst zusammenreimen (warum hat er plötzlich Männer, die für ihn kämpfen?), anderes bleibt mehr oder weniger im Dunklen (warum hat Targutai Temudjin nicht getötet, wie er es diesem für den Zeitpunkt angekündigt hatte, an dem er groß genug und damit erwachsen wäre?). Davon abgesehen paßt hier aber eigentlich fast alles zusammen.

Wenn nicht ... ja, wenn nicht das Problem bestünde, daß "Der Mongole" eigentlich nicht viel mehr als die Einleitung der ursprünglich geplanten Trilogie über das Leben von Dschingis Khan ist. Soll heißen: Genau dann, wenn das Leben Temudjins erst so richtig interessant wird – wenn er zum Khan wird –, hört "Der Mongole" ziemlich abrupt auf. Natürlich bieten auch seine beschwerliche Kindheit und Jugend, die alles andere als ereignislos verlaufen, spannenden Erzählstoff, und Temudjins Aufstieg zum Khan ist trotz einer phasenweise nur rudimentär ausgearbeiteten Handlung unterhaltsam zu verfolgen. Aber man weiß eben (oder vermutet es zumindest, falls man sich mit der realen Geschichte nicht so gut auskennt), daß da noch so viel mehr kommt. Teilweise deutet Bodrov das Kommende sogar bereits an, beispielsweise den Konflikt mit dem mächtigen China, und macht dem interessierten Publikum so den Mund wässrig. Theoretisch ist das selbstverständlich eine gute und bewährte Methode, um das Interesse an den Fortsetzungen hochzuhalten. Das nicht unerhebliche Problem in diesem ganz speziellen Fall: Die beiden weiteren Filme sind bis heute nicht gedreht worden. Über die Gründe dafür gibt es verschiedene Meldungen (Finanzierungsprobleme, Abkömmlichkeit des Hauptdarstellers, die offenbar recht schwierige Entstehungsgeschichte des ersten Teils, die dem Regisseur die Lust genommen hat), aber laut Bodrov wird "Der Mongole" leider sehr wahrscheinlich ein Einzelfilm bleiben. Und als solcher funktioniert er nur bedingt.

Fazit: "Der Mongole" ist schönes, exotisches Abenteuerkino, dessen handwerkliche Qualität trotz der kleinen Schwächen in der Erzählstruktur Großes für die vorgesehenen Fortsetzungen versprach. Als Einzelfilm kann er zwar ebenfalls gut unterhalten, läßt den Zuschauer ob seiner allzu offensichtlichen Unvollendetheit aber mit dem Gefühl zurück, irgendwie betrogen worden zu sein ...

Wertung: 7 Punkte.


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