Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 12. April 2013

OBLIVION (2013)

Regie: Joseph Kosinski, Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael Arndt und Joseph Kosinski, Musik: M83, Anthony Gonzalez und Joseph Trapanese
Darsteller: Tom Cruise, Andrea Riseborough, Olga Kurylenko, Melissa Leo, Morgan Freeman, Nikolaj Coster-Waldau, Zoë Bell
 Oblivion
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 52% (5,9); weltweites Einspielergebnis: $286,2 Mio.
FSK: 12, Dauer: 125 Minuten.

2077: 60 Jahre zuvor wurde die Erde von einer "Plünderer" genannten Alienrasse attackiert. Unter schweren Verlusten konnte die Menschheit dank massiven Atomwaffen-Einsatzes den Krieg schließlich gewinnen, doch war die Erde anschließend nahezu unbewohnbar. Also wurden die kümmerlichen Reste der Menschheit evakuiert und zu dem Saturnmond Titan gebracht, wo sie sich auf einer Raumstation auf dessen Besiedlung vorbereiten. Lediglich Jack Harper (Tom Cruise, "Jack Reacher") und Victoria Olsen (Andrea Riseborough, "Alles, was wir geben mußten") blieben zurück, um unbemannte Drohnen zu warten, die zur Bewachung gigantischer Hydrotürme – die Meerwasser in von den Evakuierten dringend benötigte Energie umwandeln – gegen versprengte Plünderer-Überlebende benötigt werden. Während Victoria ihre Arbeit hingebungsvoll erledigt und ihrer kurz bevorstehenden Ablösung entgegenfiebert, hat Jack seine Zweifel an ihrer Mission. Diese Zweifel verstärken sich um ein Vielfaches, als er den Absturz eines alten NASA-Raumschiffs auf die Erde beobachtet und an der Absturzstelle eine Überlebende (Olga Kurylenko, "Centurion") vorfindet, die ihm irgendwie bekannt vorkommt ...

Kritik:
Nachdem der frühere Werbefilm-Regisseur Joseph Kosinski mit der Kultfilmfortsetzung "Tron: Legacy" im Jahr 2010 künstlerisch und kommerziell nur einen mittelgroßen Erfolg fertigbrachte, versucht er sich nun erneut an einem Science Fiction-Film. Diesmal allerdings mit einem etwas geringeren Budget (120 statt 170 Millionen US-Dollar) und einer deutlich intimeren Geschichte. "Oblivion" basiert auf einer vom Regisseur selbst mitverfaßten Graphic Novel (die aber noch nicht veröffentlicht wurde) und ist als bewußte Hommage an die philosophisch angehauchten Genreklassiker der 1970er Jahre ("Logan's Run – Flucht ins 23. Jahrhundert", "Lautlos im Weltraum", "Solaris", "Soylent Green", "Colossus") angelegt – was auch erklärt, warum es keine 3D-Version gibt. Stilistisch und hinsichtlich der Grundthemen der Handlung gelingt dieses Unterfangen sehr gut, inhaltlich gibt es allerdings einige Schwächen zu beklagen.

Bei einer Genrehommage ist so etwas wohl schwer zu vermeiden, dennoch ist es sehr schade, daß die Grundstruktur der Handlung bereits nach fünf Minuten durchschaubar ist – erst recht, wenn man bereits den Filmtrailer gesehen hat. Das schadet zwangsläufig der Spannung, was bei einer Länge von gut 120 Minuten offensichtlich kein guter Anfang ist. Da jedoch wenigstens die Frage nach dem "Warum" lange offengehalten wird und es auch noch ein oder zwei größere Überraschungen gibt, hält sich der negative Einfluß auf das Gesamterlebnis glücklicherweise in Grenzen.

Wer "Oblivion" allerdings in Erwartung eines SF-Actionspektakels anschaut, der läuft Gefahr, enttäuscht zu werden. Zwar gibt es einige Schießereien und explosive Actionsequenzen, aber insgesamt machen diese nur einen kleinen Teil des Films aus. Bereits in der ersten halben Stunde, die sich fast komplett auf die Einführung von Jack und Victoria sowie ihrer recht monotonen Arbeit konzentriert, wird klar, daß Kosinski ein eher gemächliches Tempo anschlägt und viel Wert auf glaubwürdige Figuren und eine authentische postapokalyptische Atmosphäre legt. Letztere wird hervorragend unterstützt durch viele langsame Kamerafahrten des für "Life of Pi" OSCAR-gekrönten Kameramanns Claudio Miranda, in denen nach und nach die traurigen Überreste unserer Zivilisation enthüllt werden. Ein echtes Highlight ist zudem die Musik der französischen Band M83 in Zusammenarbeit mit Joseph Trapanese ("The Raid"), die wie eine Mischung aus aktueller Elektronikmusik und 1970er/1980er Jahre-Synthesizerklängen (z.B. Tangerine Dream oder Jean Michel Jarre) wirkt und im Zusammenspiel erstaunlich futuristisch klingt.

Überraschend ist auch, welch große Rolle eine Liebesgeschichte im Rahmen der Handlung einnimmt. Diese ist gefühlvoll inszeniert und gut gespielt, die ausführliche Figurenzeichnung der Protagonisten kommt ihr natürlich ebenfalls zugute, zumal vor allem Andrea Riseborough eine starke schauspielerische Leistung zeigt. Unglücklicherweise hat Kosinski es aber versäumt, auch die Nebenfiguren entsprechend auszugestalten. Gerade die von Morgan Freeman ("Invictus") und Nikolaj Coster-Waldau ("Wimbledon", TV-Serie "Game of Thrones") immerhin souverän verkörperten und vom Ansatz her durchaus interessanten Männer – auf deren genaue Rolle ich wegen großer Spoiler-Gefahr nicht näher eingehen will – würde man gerne näher kennenlernen. Stattdessen gönnt Kosinski ihnen nur wenige Minuten Screentime, was selbstverständlich bei weitem nicht ausreicht, um echte Charaktere aus ihnen zu formen. Sie erfüllen ihren Zweck im Rahmen der Handlung, aber das war's auch schon. Schade drum. Auch die angesprochenen philosophischen Ansätze verlaufen eher im Sande und erreichen nicht die Klasse der von Kosinski geehrten Vorbilder, speziell die Motivation der bösen Aliens (womit ich weniger den Angriff selbst als viele Detailentscheidungen meine) bleibt außerdem zu sehr im Dunkel.

Positiv hervorzuheben – und angesichts der Lieblosigkeit, die Freeman und Coster-Waldau zuteil wird, ziemlich kurios – ist dafür, daß es dem Regisseur tatsächlich gelingt, eine der Drohnen, die immer wieder Jacks Weg kreuzt, fast zu einem weiteren Hauptdarsteller zu machen. Drohne 166, obwohl nur eine "von oben" gelenkte Maschine, interagiert mit Jack, hilft ihm manchmal, bedroht ihn ein anderes Mal, attackiert ihn sogar. Es ist wirklich erstaunlich, aber in diesem Film entwickelt Drohne 166 im Grunde genommen mehr Persönlichkeit als der OSCAR-Gewinner Morgan Freeman ...

Fazit: "Oblivion" ist ein wunderschön anzuschauender und -hörender Science Fiction-Film, der mit seinem unaufgeregten Erzähltempo und dem Vorrang von (leider zu vorhersehbarer) Story gegenüber Action breitere Publikumsschichten als viele andere aktuelle Vertreter des Genres anspricht, aber letztlich nicht originell und ereignisreich genug ist, um auf ganzer Linie zu überzeugen.

Wertung: 7 Punkte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen