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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 26. Juni 2013

MR. & MRS. SMITH (2005)

Regie: Doug Liman, Drehbuch: Simon Kinberg, Musik: John Powell
Darsteller: Brad Pitt, Angelina Jolie, Adam Brody, Vince Vaughn, Michelle Monaghan, Kerry Washington, Keith David, Chris Weitz, Rachael Huntley, Jennifer Morrison, Stephanie March, Megan Gallagher, Mark Ivanir
 Mr. & Mrs. Smith
(2005) on IMDb Rotten Tomatoes: 59% (6,0); weltweites Einspielergebnis: $478,2 Mio.
FSK: 12 (Director's Cut: FSK 16), Dauer: 120 Minuten.

John (Brad Pitt, "World War Z") und Jane Smith (Angelina Jolie, "Wanted") sind ein glückliches Ehepaar, das in seinem eigenen Haus in einer typischen amerikanischen Vorortsiedlung wohnt. Kleines Problem: Beide besitzen eine geheime Zweitidentität als Auftragsmörder im Auftrag zweier unterschiedlicher Geheimorganisationen. Und diese Zweitidentität ist so geheim, daß weder John noch Jane ahnen, daß ihr Ehepartner der gleichen wahren Profession nachgeht. Zumindest solange, bis sie bei einem Auftrag – der Ermordung eines Häftlings namens Benjamin (Adam Brody, "Scream 4") während eines Gefangenentransports – aufeinandertreffen. Als Gegner. Fortan entwickelt sich das bis dahin so harmonische Eheleben von John und Jane reichlich explosiv ...

Kritik:
Als "Mr. & Mrs. Smith" 2005 in die Kinos kam, war Regisseur Doug Liman eine der großen Hoffnungen Hollywoods: Mit der cleveren Low Budget-Beziehungskomödie "Swingers" und dem rasanten Independent-Episodenfilm "Go" hatte sich Liman in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre in den Blickpunkt der Filmbranche emporgearbeitet, mit seinem Blockbusterdebüt "Die Bourne Identität" schuf er einen modernen Actionklassiker und machte Matt Damon endgültig zu einem der begehrtesten Schauspieler in der Branche. Doch anstatt den sicheren Weg zu gehen und die "Bourne"-Fortsetzungen zu inszenieren, zog er sich bei der Action-Trilogie auf den Produzentenposten zurück und wählte als nächstes Regieprojekt "Mr. & Mrs. Smith" (nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Hitchcock-Komödie aus dem Jahr 1941). Im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht die allerglücklichste Entscheidung, denn wenngleich die Actionkomödie ein großer kommerzieller Erfolg war und mit Brad Pitt und Angelina Jolie das wohl schillerndste und (je nach Geschmack) auch bestaussehende Schauspielerpaar des noch jungen 21. Jahrhunderts zusammenführte, läßt sich kaum leugnen, daß Limans Karriere ab hier bergab ging. Qualitativ blieb bereits "Mr. & Mrs. Smith" deutlich hinter seinen vorherigen Werken zurück, das SF-Folgeprojekt "Jumper" enttäuschte dann ebenfalls die kommerziellen Erwartungen, der (wenigstens inhaltlich wieder anspruchsvollere) Geheimdienst-Thriller "Fair Game" war auch kein großer Schritt vorwärts. Ob Liman wieder richtig in die Spur findet, wird sich zeigen, zumindest hat er mit dem SF-/Actionhybriden "All You Need Is Kill" mit Tom Cruise für 2014 ein neues Großprojekt in der Hinterhand.

Mit "Mr. & Mrs. Smith" kann Liman seine Qualitäten jedenfalls zunächst noch in gewohnter Manier ausspielen. Die erste Hälfte ist ein großes Vergnügen und bietet herrliche Screwball-Komödieneinlagen á la Billy Wilder ebenso wie originelle und routiniert in Szene gesetzte Actionsequenzen. Pitt und Jolie harmonieren als Liebespaar ebenso wie als vorübergehende Todfeinde oder als widerwillige Verbündete wunderbar miteinander – was später angesichts ihrer realen Liaison natürlich niemanden mehr wunderte. Zwar ist die Story von Anfang an ziemlich dünn und anspruchslos und auf Logik oder Realitätsnähe sollte man bei einem Film dieser Machart sowieso keinen gesteigerten Wert legen. Aber die knisternde Erotik zwischen Pitt und Jolie, die zahlreichen Gags und knackigen Oneliner sowie die explosive Action machen "Mr. & Mrs. Smith" fraglos zu einem Highlight seines Genres. Wie gesagt: in der ersten Hälfte.

Dummerweise fällt die Qualität in der zweiten Filmhälfte deutlich ab, was vor allem daran liegt, daß Drehbuch-Autor Simon Kinberg ("X-Men: Der letzte Widerstand", "Sherlock Holmes") offenbar irgendwann die Ideen ausgegangen sind. Anstelle verspielt-amüsanter Dialoge gibt es beinahe nonstop Actionsequenzen, die zwar weiterhin sehenswert inszeniert und handwerklich tadellos umgesetzt sind, auf Dauer mangels Abwechslung aber mehr und mehr langweilen. Die Formel aus Action, Romantik und Humor, die zu Beginn so hervorragend funktioniert hat, wird nun einfach um zwei Drittel reduziert. Daß das nicht wirklich gutgehen kann, vermag kaum zu überraschen. Selbst das Finale fällt eher enttäuschend aus, womit letztlich die Enttäuschung dominiert. Vor allem die Enttäuschung darüber, daß "Mr. & Mrs. Smith" in der zweiten Hälfte das qualitative Versprechen bei weitem nicht einlösen kann, das er in der ersten voller Inbrunst gab.

Fazit: "Mr. & Mrs. Smith" ist eine romantisch angehauchte Actionkomödie, die vor allem von der knisternden Leinwandchemie seiner beiden Hauptdarsteller und einer äußerst vergnüglichen ersten Filmhälfte lebt, mit zunehmender Dauer jedoch zu einem einfallslosen Krawallspekaktel verkommt.

Wertung: 7 Punkte (8,5 für die erste Hälfte, 5,5 für die zweite).


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