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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 19. Juni 2013

OPEN RANGE – WEITES LAND (2003)

Regie: Kevin Costner, Drehbuch: Craig Storper, Musik: Michael Kamen
Darsteller: Kevin Costner, Annette Bening, Robert Duvall, Sir Michael Gambon, Diego Luna, Abraham Benrubi, Michael Jeter, James Russo, Kim Coates, Dean McDermott, Peter MacNeill, Julian Richings, Alex Zahara
 Open Range
(2003) on IMDb Rotten Tomatoes: 79% (6,9); weltweites Einspielergebnis: $68,3 Mio.
FSK: 12, Dauer: 139 Minuten.

Der Wilde Westen, Ende des 19. Jahrhunderts: Eine kleine Gruppe Cowboys ohne eigenen Landbesitz zieht mit ihrer Rinderherde umher und landet schließlich in der Nähe der kleinen Ortschaft Harmonville, wo es saftige Weidegründe gibt. Der örtliche Rinderbaron Baxter (Sir Michael Gambon, "Die Tiefseetaucher") und der von diesem gekauften Sheriff Poole (James Russo, "Django Unchained") wollen die Cowboys schnellstmöglich wieder vertreiben, obwohl deren Handeln im Einklang mit dem Gesetz steht. Zu der kleinen Gruppe zählen der erfahrene Anführer Boss Spearman (Robert Duvall, "Jack Reacher"), der gutaussehende frühere Soldat Charley Waite (Kevin Costner, "Man of Steel"), der gutmütige Hüne Mose (Abraham Benrubi, "The Man Who Wasn't There") und der junge Mexikaner Button (Diego Luna, "Terminal"). Der skrupellose Baxter und seine Männer greifen zu immer rabiateren Mitteln, um die ungebetenen Gäste zu vertreiben, damit entzweien sie allerdings auch die Dorfgemeinschaft. Der Arzt Barlow (Dean McDermott, "Die Promoterin") beispielsweise hilft gemeinsam mit seiner resoluten, unverheirateten Schwester Sue (Annette Bening, "Ruby Sparks") trotz der Repressalien durch Baxter und den Sheriff den Cowboys, die sich nicht so einfach vertreiben lassen wollen ...

Kritik:
Kevin Costner und Western – das gehört irgendwie zusammen. Auch wenn seine Bemühungen sich nicht immer auf dem gleichen hohen Niveau befinden ("Wyatt Earp" ist ohne Frage ein deutlich schwächerer Film als "Der mit dem Wolf tanzt"), so ist es doch bewundernswert, mit welcher Konsequenz er diesem leider seit Jahrzehnten vernachlässigten Genre treu bleibt. Mit "Open Range" liefert er – als Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller – trotz simpler Handlung eine der besten Leistungen seiner langen Karriere ab. Es ist jederzeit unverkennbar, wie sehr Costner Western liebt. So läßt er sich zu Beginn seines 140-Minuten-Werks reichlich Zeit, um das Alltagsleben der Cowboys darzustellen, auch später wird die Geschichte nie unnötig hektisch. Genretypisch wird das Publikum natürlich mit grandiosen Weitwinkel-Landschaftsaufnahmen von Kameramann James Muro ("L.A. Crash") und einer erhabenen Musik von Michael Kamen (der leider noch im Jahr des Kinostarts von "Open Range" einem Herzinfarkt erlag) verwöhnt, doch vor allem legt Costner ganz großen Wert auf Authentizität, Details und glaubwürdige Figuren.

Bezeichnend ist dafür beispielsweise eine an sich unspektakuläre Szene vor dem großen Showdown, in der sich die Straßen der Stadt nicht – wie in den meisten klassischen Western – in Windeseile leeren, sondern alles deutlich langsamer, eben realistischer vonstatten geht. "Open Range" ehrt die Western-Traditionen, verankert sie aber zugleich etwas stärker in der Realität als die meisten Genrekollegen. Als Folge der Anstrengungen von Costner und seinem Team wachsen dem Zuschauer die (auf Seiten der "Guten") durchweg sympathischen Charaktere sehr schnell ans Herz, insbesondere Boss und Charley, die mit ihren ständigen Frotzeleien stellenweise gar angenehme Erinnerungen an andere große Männerfreundschaften der Filmgeschichte wie die von Jack Lemmon und Walter Matthau in "Ein seltsames Paar" wecken. Charleys zart aufblühende Romanze mit der hilfsbereiten Arztschwester Sue schildert Costner ebenfalls sehr anrührend.

Doch auch die Nebenfiguren führen hier erkennbar ein eigenes Leben und sind nicht nur Staffage, sondern spielen schließlich fast alle noch eine gewichtige Rolle. Die Bösewichte sind zwar recht klischeehaft geraten, aber gerade der fiese Rinderbaron Baxter wird von Sir Michael Gambon so wunderbar hassenswert interpretiert, daß man darüber gerne hinwegsieht. Denn Detailfreude hin, Humor her – letzten Endes ist "Open Range" eben doch ein Western und ein zünftiger Western hat gefälligst mit einem spektakulären Showdown zu enden, zu dem selbstverständlich ein überlebensgroßer Bösewicht gehört. Und den (inklusive der direkten Herleitung) fast eine halbe Stunde umfassenden Showdown von "Open Range" hat Costner schlicht grandios inszeniert. Die finale Schießerei und ihre Vorbereitung wirken stets realistisch und damit auch ziemlich gewalttätig (trotz deutscher Altersfreigabe ab 12 Jahren), dabei aber nie übertrieben. Auch wenn Costners Film inhaltlich insgesamt nicht unbedingt mit den großen Italo-Western eines Sergio Leone vergleichbar sein mag – dieser letzte Akt kann sich in seiner schnörkellosen, aber Eindruck hinterlassenden Inszenierung durchaus mit den Werken des italienischen Meisterregisseurs messen lassen.

Fazit: "Open Range – Weites Land" ist ein richtig guter, für ungeduldige Naturen vielleicht etwas zu langsam erzählter Spätwestern mit durchweg starker Besetzung, einem stringenten Drehbuch mit gut ausgearbeiteten Charakteren und einem fabelhaften Showdown.

Wertung: 8,5 Punkte.


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