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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 9. August 2013

DAS IST DAS ENDE (2013)

Originaltitel: This Is the End
Regie und Drehbuch: Evan Goldberg und Seth Rogen, Musik: Henry Jackman
Darsteller: Seth Rogen, Jay Baruchel, James Franco, Jonah Hill, Craig Robinson, Rihanna, Danny McBride, Emma Watson, Michael Cera, David Krumholtz, Paul Rudd, Mindy Kaling, Christopher Mintz-Plasse, Martin Starr, Kevin Hart, Aziz Ansari, Jason Segel, Channing Tatum, Evan Goldberg, Backstreet Boys
 This Is the End
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 83% (7,1); weltweites Einspielergebnis: $126,0 Mio.
FSK: 16, Dauer: 107 Minuten.

Der Schauspieler Seth Rogen ("Beim ersten Mal", "50/50") holt am Flughafen von Los Angeles Jay Baruchel ("Tropic Thunder"), seinen besten Freund aus ihrer Anfangszeit im Showbusiness in Kanada, ab. Gemeinsam verbringen sie den Tag in Seths Haus vorwiegend mit Kiffen und Videospielen, doch am Abend besuchen sie auf Seths Drängen die große Einweihungsparty von James Francos ("Spring Breakers", "127 Hours") neuem und ziemlich angeberischen Haus. Dort wird bereits nach Kräften gefeiert und bestimmt die Hälfte der Gäste sind Prominente von Popstar Rihanna über Comedian Craig Robinson ("Hot Tub") bis hin zu Schauspielern wie Jonah Hill ("21 Jump Street"), Michael Cera ("Superbad") oder Emma Watson ("Vielleicht lieber morgen"). Seth fühlt sich auf der Party pudelwohl, während sich Jay ziemlich fehl am Platz vorkommt und am liebsten wieder abhauen will. Doch dann erschüttert ein gewaltiges Erdbeben Los Angeles, die Erde tut sich auf, ein Feuersturm überzieht die Stadt und einzelne Menschen werden von einem blauen Licht in den Himmel hinaufgesogen. Die meisten anderen sterben einen qualvollen Tod. Seth, Jay und einige wenige Überlebende verbarrikadieren sich in James Francos Haus und versuchen zunächst einmal, die Apokalypse einfach auszusitzen. Doch die Vorräte gehen bald zur Neige und außerhalb des Hauses ist es alles andere als sicher ...

Kritik:
Die Prämisse von "Das ist das Ende" ist schlicht brillant. Den Weltuntergang aus der Sicht einiger selbstverliebter und weinerlicher Hollywood-Komiker zu schildern, die sich selbst (bzw. überspitzte Versionen ihrer selbst) spielen – darauf muß man wirklich erst mal kommen. Seth Rogen und Evan Goldberg (Co-Autor von "Superbad" und "Ananas Express") sind die beiden Verrückten, die diese wundervolle Idee ans Licht der Welt gebracht haben. Bereits im Jahr 2007 folgte eine erste probeweise Umsetzung in Form eines als Trailer verkleideten Kurzfilms ("Jay and Seth versus the Apocalypse"), sechs Jahre später erobert nun "Das ist das Ende" die Lichtspielhäuser. Trotz der innovativen Idee war kaum zu erwarten, daß daraus tatsächlich einer der wenigen Überraschungshits des US-Kinosommers 2013 werden würde – und noch weniger, daß es fast durchgehend positive Kritiken geben würde. Dennoch traf beides ein, und irgendwie ist es doch befriedigend, daß das Publikum in einer Kinowelt voller Fortsetzungen, Remakes, Prequels und Reboots gelegentlich doch auch noch neue Ideen belohnt. Auch wenn der zotige Humor von "Das ist das Ende" Geschmackssache ist und man aus der Storyidee noch deutlich mehr hätte herausholen können.

Naturgemäß ist das Vergnügen an einem so selbstreferentiellen Film wie "Das ist das Ende" umso größer, je bekannter die Stars sind, die als sie selbst auftreten. Und genau das ist außerhalb Nordamerikas ein bißchen problematisch, denn von den sechs auf dem offiziellen Filmplakat abgebildeten Hauptdarstellern des Films (zu denen sich ein gutes Dutzend Cameos gesellt) sind wohl nur James Franco, Seth Rogen und Jonah Hill weltweit bekannt. Craig Robinson, Jay Baruchel und Danny McBride hingegen sind als Komiker vorwiegend in den USA und in Kanada erfolgreich. Der somit nur bedingte globale Wiedererkennungswert dürfte das kommerzielle Potential von "Das ist das Ende" außerhalb der USA ziemlich limitieren – genau wie der gewählte Humoransatz. Wer die Komödien aus der Schmiede des Regisseurs und Produzenten Judd Apatow (der an "Das ist das Ende" überraschenderweise nicht beteiligt ist) kennt, der kann ziemlich genau einschätzen, was auf ihn zukommt: Filme wie "Superbad", "Beim ersten Mal", "Ananas Express" oder "Brautalarm" zeichnen sich seit jeher durch einen ziemlich derben Fremdschäm-Humor aus, der nun wahrlich nicht jedermanns Geschmack trifft. "Das ist das Ende" ist in dieser Beziehung keine Ausnahme, auch wenn die Anschläge auf den guten Geschmack – wie bei den anderen genannten Filmen – glücklicherweise niemals alles dominieren. Dennoch muß klar gesagt werden: Eine gewisse Abhärtung gegenüber derben Zoten und (auffallend häufig homoerotischen) Sex-Witzchen sollte tunlichst vorhanden sein ...

Leider geht nach dem gelungenen Party-Auftakt der Großteil der anwesenden Prominenten viel zu schnell und mehr oder weniger gleichzeitig hops. Das ist eine vertane Chance, weil einige der teils herrlich überdrehten Cameos viel witziger sind als der ganze Rest (allen voran die Arschloch-Version von Michael Cera, die taffe Emma Watson und der späte Kurzauftritt von Actionstar Channing Tatum) und man mit den zahlreichen Promi-Toden in einer langsameren Reihung noch eine wesentlich stärkere humoristische Wirkung hätte erzielen können. Doch das Regie- und Drehbuch-Duo Goldberg und Rogen hat sich entschieden, sich frühzeitig auf eine kleine Kerngruppe zu konzentrieren. Diesen sechs Männern dabei zuzuschauen, wie sie im Angesicht der Apokalypse um die Verpflegung streiten und es nebenbei einfach nicht lassen können, weiterhin ihre Ego-Trips zu fahren und sich gegenseitig anzuzicken, ist ohne Frage sehr unterhaltsam, zumal es zahlreiche Anspielungen auf das filmische Schaffen der einzelnen Personen gibt. Als absolutes Highlight entpuppt sich dabei eine längere Sequenz, in der die sich zwischenzeitlich langweilende Truppe kurzerhand eine improvisierte Fortsetzung zu der Kiffer-Komödie "Ananas Express" dreht!

Mir persönlich wäre es dennoch lieber gewesen, das Aufeinandertreffen mit den direkten Folgen des (vermutlichen) Weltuntergangs stärker in den Fokus zu rücken; beispielsweise wird kein Wort über das Schicksal der Familien der Überlebenden verloren, weil das Rogen und Goldberg zu düster für eine Komödie erschien. Das ist zwar absolut nachvollziehbar, aber trotzdem: Um selbstverliebten Komikern beim Streiten und Kiffen zuzusehen, braucht man eigentlich keine Apokalypse als Rahmenhandlung. Aber vermutlich ist deren lange Zeit spärlicher Einsatz auch dem relativ geringen Budget geschuldet, denn da Sony das Projekt sehr riskant erschien, stellte das Studio Rogen und Goldberg fast ein Drittel weniger Geld zur Verfügung als erhofft. Immerhin kommt der Weltuntergang im letzten Akt dann aber endlich zu seinem Recht, in dem der Zuschauer unter anderem mit einer witzigen "Der Exorzist"-Persiflage, hübsch designten Höllenkreaturen und einigen wirklich witzigen Drehbucheinfällen konfrontiert wird. Besser spät als nie.

Fazit: "Das ist das Ende" ist eine arg zotige, oft aber auch sehr witzige Weltuntergangs-Komödie, die vor allem von den selbstironischen Performances der beteiligten Darsteller lebt, die allesamt Versionen ihrer selbst spielen. Das Potential der genialen Prämisse wird zwar nicht ganz ausgereizt und der Mittelteil zieht sich etwas, dafür entschädigen aber ein rasantes Finale, einige witzige Ideen und vor allem die zahlreichen Promi-Cameos.

Wertung: 7 Punkte. 

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