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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Mittwoch, 21. August 2013

SUPER 8 (2011)

Regie und Drehbuch: J.J. Abrams, Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Joel Courtney, Elle Fanning, Riley Griffiths, Gabriel Basso, Kyle Chandler, Bruce Greenwood, Noah Emmerich, Glynn Turman, Ryan Lee, AJ Michalka, Richard T. Jones, Ron Eldard, Dan Castellaneta, Jessica Tuck, Michael Hitchcock, Dale Dickey, Zach Mills, David Gallagher, Brett Rice, Greg Grunberg
 Super 8
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 82% (7,4); weltweites Einspielergebnis: $260,1 Mio.
FSK: 12, Dauer: 112 Minuten

Sommer 1979: In einer amerikanischen Kleinstadt beginnen die Sommerferien und Joe (Joel Courtney) und seine Freunde sind eifrig dabei, für einen Amateur-Wettbewerb einen richtigen Zombiefilm zu drehen. Selbst die bereits etwas ältere Alice (Elle Fanning, "Wir kaufen einen Zoo") läßt sich überreden, mitzuspielen. Eines Nachts schleichen sich die Freunde aus ihren Elternhäusern, um eine Szene an der Bahnstrecke auf Film zu bannen. Doch dann bekommen sie weit mehr Action geboten, als sie erwartet haben, denn ein Güterzug entgleist spektakulär – und Joe beobachtet, wie sich irgendetwas mit ungeheurer Kraft aus einem der Waggons zu befreien scheint. Am nächsten Morgen ist die Unfallstelle weiträumig von der US-Armee abgeriegelt und in den nächsten Tagen häufen sich mysteriöse Vorkommnisse, unter anderem verschwinden sämtliche Hunde und auch einige Menschen spurlos aus der Stadt ...

Kritik:
Regisseur J.J. Abrams ("Star Trek Into Darkness") hat "Super 8" mit einem ganz bestimmten Ziel gedreht: Er wollte einen Film im Stil der phantastischen Kinomärchen aus den 1980er Jahren schaffen, einen Film in der Tradition von "E.T." oder "Die Goonies". Und dieses Ziel hat er problemlos erreicht. "Super 8" – in den USA ein Überraschungshit des Kinosommers 2011, in Deutschland ebenfalls recht ordentlich gelaufen – ist einerseits ein Film, der für sich allein genommen als actionreiches Familienabenteuer gut funktioniert. Vor allem aber ist es ein Film, der als nostalgisches Vergnügen für Filmfans, die in den 1980er Jahren aufgewachsen sind, nahezu perfekt ist.

Dabei läßt sich das ehrlich gesagt schwer in Worte fassen: Natürlich, es gibt unzählige, teils subtile, teils offensichtliche Anspielungen auf andere Filme, aber das alleine macht noch lange nicht den Reiz von "Super 8" aus. Es ist vielmehr das Gefühl, einen Film zu sehen, wie sie heute nicht mehr gedreht werden. Einen Film aus der "guten alten Zeit", auch wenn die vielleicht gar nicht so gut war, wie es einem in der verklärten Erinnerung vorkommt. Einen Film, der so "altmodische" Werte wie Freundschaft, Loyalität, Mut und Mitgefühl feiert. Einen Film, der trotz einiger durchaus gruseliger Szenen die gesamten 110 Minuten lang fast durchgehend gute Laune verbreitet.

Das alles könnte nicht funktionieren ohne die wirklich hervorragend gecasteten Kinderdarsteller (deren Rollen übrigens wirklich sehr an die "Goonies" erinnern, aber das ist ja weißgott nichts Schlechtes). Allen voran Elle Fanning hat mit ihrer eindrucksvollen Performance die besten Voraussetzungen geschaffen, um den nicht so einfachen Sprung von der Kinderdarstellerin zu einer ernstzunehmenden erwachsenen Schauspielerin zu schaffen. Bei einer (damals) erst 13-Jährigen ist das vielleicht eine etwas gewagte Prognose, aber Fanning spielt einfach richtig gut, meiner Meinung nach sogar schon besser als ihre ältere und bekanntere Schwester Dakota aus "Krieg der Welten" oder den "Twilight"-Filmen. Die Erwachsenen spielen in dieser Geschichte ganz eindeutig nur Nebenrollen, aber auch in diesem Bereich können Schauspieler wie Kyle Chandler ("Zero Dark Thirty", "Argo") als Joes Vater, Noah Emmerich ("Little Children") als Bösewicht, Bruce Greenwood ("Flight") oder Glynn Turman (aus der TV-Serie "The Wire") überzeugen.

Ein Highlight sind zudem die Special Effects, die zwar relativ spärlich eingesetzt werden, dafür aber sehr sehenswert geraten sind, was vor allem auf die spektakuläre Zugsequenz zutrifft. Eindeutig nicht zu den Stärken von "Super 8" zählt dagegen Originalität. Die Story ist im Grunde genommen altbekannt, die Charakterkonstellation ebenso. Die daraus resultierende Vorhersehbarkeit wird ebenso wie manch eher unrealistische Handlungsentwicklung sicherlich einige Zuschauer stören, vor allem wenn sie kein allzu ausgeprägtes Gespür für Nostalgie haben. Aber wer mit einem wohligen Gefühl an die Familienfilmklassiker der 1980er Jahre von Steven Spielberg (der hier als Produzent beteiligt ist), Richard Donner, Robert Zemeckis und Co. zurückdenkt, der sollte an dieser liebevollen Hommage – die man auch als "E.T." meets "Die Goonies" meets "Cloverfield" bezeichnen könnte – seine helle Freude haben. Alleine dabei zuzuschauen, wie die Freunde mit kindlichem Enthusiasmus und großer Akribie ihren eigenen Zombiefilm drehen, ist ein wahres Vergnügen. Ich habe mich von J.J. Abrams' "Super 8" jedenfalls hervorragend unterhalten gefühlt, auch wenn mir für die Höchstwertung der allerletzte Tick Begeisterung gefehlt hat. Für Platz 2 meiner Lieblingsfilme des starken Kinojahrgangs 2011 (hinter "Barney's Version", aber noch knapp vor Filmen wie "Drive", "Midnight in Paris", "Black Swan" oder "127 Hours") reichte es trotzdem.

Während des Abspanns sollte man übrigens unbedingt sitzenbleiben, da gibt es nämlich den fertigen Zombiefilm der Freunde zu sehen ...

Fazit: "Super 8" ist ein märchenhafter Abenteuerfilm für die ganze Familie, der seine wenig innovative Story mit überzeugenden, spielfreudigen und sehr sympathischen Kinderdarstellern sowie jeder Menge Nostalgie locker überspielt.

Wertung: 9 Punkte.


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