Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 11. September 2013

A FIELD IN ENGLAND (2013)

Regie: Ben Wheatley, Drehbuch: Amy Jump und Ben Wheatley, Musik: James Williams
Darsteller: Reece Shearsmith, Michael Smiley, Julian Barratt, Peter Ferdinando, Ryan Pope, Richard Glover
 A Field in England
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 87% (7,2); weltweites Einspielergebnis: $0,1 Mio.
FSK: 16, Dauer: 90 Minuten.

Am Rande einer Schlacht während des Englischen Bürgerkrieges Mitte des 17. Jahrhunderts entscheiden fünf Männer (von beiden Seiten), daß sie vorerst genug von den Kämpfen haben. Sie desertieren nicht, aber sie "gehen mal ein Bier holen". Der gebildetste unter ihnen ist der Alchemist und Astrologe Whitehead (Reece Shearsmith, "Burke & Hare"), der im Auftrag seines Herrn einen Iren finden soll, der wichtige Dokumente gestohlen hat. Da Whiteheads Bemühungen erfolglos waren, droht ihm eine schwere Bestrafung, der er trotz eigentlich großer Loyalität zu seinem Herrn lieber entgehen will. Doch dann wendet sich das Blatt, denn der offenbar in der Gegend heimische Cutler (Ryan Pope, "Velvet Goldmine") führt die fünfköpfige Gruppe zu einem weiten Feld, auf dem sie – nach dem Genuß bewußtseinsverändernder Pilze – ausgerechnet O'Neil (Michael Smiley, TV-Serie "Luther") finden, jenen Iren, den Whitehead suchen sollte. O'Neil dreht den Spieß allerdings um und zwangsverpflichtet die Gruppe, für ihn einen Schatz zu suchen, der irgendwo in diesem Feld vergraben sein soll ...

Kritik:
Der britische Regisseur und Drehbuch-Autor Ben Wheatley ist seit einigen Jahren Stammgast des Fantasy Filmfests. Mit seinem harten Horrorfilm "Kill List" sorgte er 2011 für Kontroversen, die rabenschwarze Komödie "Sightseers" wurde ein Jahr später als Eröffnungsfilm insgesamt sehr wohlwollend aufgenommen. Doch mit dem sehr experimentellen Schwarzweißfilm "A Field in England" – der beim Filmfestival von Karlsbad mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde – schlägt Wheatley eine ganz andere Richtung ein. Eine Richtung, die auf ihre Weise noch viel kontroverser ist als seinerzeit "Kill List". Nicht etwa wegen der Brutalität, die hält sich absolut in Grenzen. Sondern deshalb, weil die erzählte Geschichte in etwa so zugänglich und verständlich ist wie die sperrigeren Werke von David Lynch, Jean-Luc Godard oder Luis Buñuel.

Ganz ehrlich, ich wollte "A Field in England" mögen, ich habe mich wirklich bemüht. Und ginge es nur um Optik und Akustik, so wäre Wheatleys Low Budget-Film ein echtes Meisterwerk. Die Kameraführung von Laurie Rose bringt die karge Szenerie gut zur Geltung und läuft bei der Darstellung der ungewollten Drogentrips der Protagonisten zu kreativer, verstörender und bei manchem Zuschauer vermutlich kopfschmerzverursachender Hochform auf. Sogar noch besser ist der Ton gelungen, sowohl was die Effekte betrifft als auch die Musik von James Williams. Tatsächlich war für mich das einsame Highlight des Films sogar ein wunderschönes, auf einer schottischen Volksweise basierendes Wiegenlied namens "Baloo my boy", das einer der Gruppe vorträgt und das im Abspann noch einmal aufgegriffen wird. Dazu gibt es immer wieder eingestreute und meist wirklich witzige Humorsprenkel, die vor allem in den Dialogen unter Beteiligung des einfältigen Fassbinders "Friend" (Richard Glover) hervorragend zum Tragen kommen. Und auch die wunderbar verdreckt hergerichteten Darsteller liefern in ihren recht sorgfältig gezeichneten, aber merkwürdigen Rollen eine gute Leistung ab. Doch so schön "A Field in England" auch aussieht und klingt, mein vorherrschendes Gefühl beim Zuschauen war: Langeweile.

Ich kann selbst nicht so ganz genau sagen, woran das liegt (abgesehen vom sehr langsamen Erzähltempo), doch mein Verdacht ist, daß die Drogenthematik Schuld ist. Damit konnte ich mich in Filmen noch nie so richtig anfreunden, selbst ein Klassiker wie Terry Gilliams "Fear and Loathing in Las Vegas" ließ mich ziemlich kalt – vielleicht liegt es ja daran, daß ich selbst keinerlei Drogenerfahrung besitze und daher mit der cineastischen Darstellung eines solchen "Trips" einfach wenig anfangen kann. Vielleicht ist "A Field in England" in seiner Surrealität auch ein Film, den man lieber zuhause auf DVD oder Blu-ray anschauen sollte, wo man in aller Ruhe versuchen kann, der verqueren Handlungsentwicklung zu folgen; wo man immer wieder auf "Pause" drücken kann, um das Gesehene sacken zu lassen und zu verarbeiten, oder auch um eine besonders schwierige Stelle mehrfach anzusehen in der Hoffnung, irgendwann die Erleuchtung zu bekommen. Und vielleicht muß man Wheatleys Film generell mindestens zwei Mal anschauen, um wenigstens eine kleine Chance zu haben, ihn zu verstehen. Fakt ist jedenfalls, daß mir selten zuvor 90 Minuten im Kinosaal so lang vorkamen wie bei "A Field in England" – und dennoch bin ich geneigt, diesem durchgeknallten und zugleich philosophischen Drogenrausch dereinst noch eine zweite Chance zu geben. Das allein zeigt, daß ich mich der Faszination dieses Werks nicht völlig entziehen konnte, ähnlich dürfte es vielen ergehen. Es muß jedoch ganz klar gesagt werden, daß man viel Geduld, Konzentration und Offenheit für Unkonventionelles mitbringen muß, wenn man sich an "A Field in England" heranwagen will.

Fazit: "A Field in England" ist ein einzigartiger, surrealer cineastischer Rausch im Gewand eines Historienfilms, der in technischer Hinsicht großartig ist, aber inhaltlich zutiefst irritiert und verstört. Das Anschauen ist dementsprechend eher Arbeit als Vergnügen und definitiv nicht für jeden geeignet ...

Wertung: 4 Punkte (vorerst).


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen