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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 17. September 2013

ODD THOMAS (2013)

Regie und Drehbuch: Stephen Sommers, Musik: John Swihart
Darsteller: Anton Yelchin, Addison Timlin, Willem Dafoe, Shuler Hensley, Gugu Mbatha-Raw, Nico Tortorella, Kyle McKeever, Leonor Varela, Patton Oswalt, Ashley Sommers, Laura Harris, Arnold Vosloo
 Odd Thomas
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 34% (5,2); weltweites Einspielergebnis: $1,1 Mio.
FSK: 16, Dauer: 97 Minuten

Der 20-jährige Odd Thomas (Anton Yelchin, "Star Trek Into Darkness") heißt nicht einfach nur "Seltsam" mit Vornamen, er ist es auch. Denn Odd sieht tote Menschen – aber dabei beläßt er es nicht, er tut auch etwas dagegen. Beispielsweise überführt er einen Mörder, nachdem der Geist seines Opfers ihn um Hilfe gebeten hat. Hilfreich ist auch, daß sein Vater (Willem Dafoe, "Die Tiefseetaucher") Sheriff ist und von Odds Gabe weiß, ihm entsprechend stets zur Seite steht, wenn es nötig ist. Normalerweise kommt Odd auf diese Weise ganz gut mit seiner "Gabe" klar und kann das Leben mit seiner attraktiven Freundin Stormy (Addison Timlin aus der TV-Serie "Californication") genießen. Doch es gibt auch Momente, in denen er weiß, daß es für ihn haarig werden wird. Diese Momente haben einen Namen, "Bodachs", und eine schattenhafte Gestalt; sie sind brandgefährlich – weshalb sie nie erfahren dürfen, daß Odd sie sehen kann – und ernähren sich vom Schmerz sterbender Menschen. Wann immer ein Bodach auftaucht, weiß Odd deshalb, daß in Kürze etwas Schlimmes passieren wird. So ist es kaum verwunderlich, daß er kurz davor steht, in Panik auszubrechen, als eines Tages ein ganzer Schwarm Bodachs in seinen verschlafenen kalifornischen Heimatort Pico Mundo einfällt ...

Kritik:
Kinder, wie die Zeit vergeht! Satte 14 Jahre ist es inzwischen her, daß Stephen Sommers mit seinem spaßigen und extrem erfolgreichen Remake des 1930er Jahre-Gruselklassikers "Die Mumie" in die A-Liga der Hollywood-Regisseure aufstieg. Darin hielt er sich auch mit der Fortsetzung, doch als er 2004 mit "Van Helsing" einen gewaltigen kommerziellen Flop hinlegte, war sein Karrierehoch sehr schnell wieder beendet. Anschließend durfte er nur noch das maue Actionspektakel "G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra" inszenieren und obwohl dieses sogar recht erfolgreich war, verschwand Sommers anschließend ziemlich in der Versenkung. Entsprechend ist "Odd Thomas", die Verfilmung einer beliebten Buchreihe von Bestseller-Autor Dean Koontz, mit einem geschätzten Budget von nur $27 Mio. tatsächlich sein kleinstes Projekt seit "Das Dschungelbuch" 1994, die Inflation mit eingerechnet sogar seit "Die Abenteuer von Huck Finn", der ein Jahr vorher in die Kinos kam. Leider sieht man das "Odd Thomas" auch an, denn die Geistergeschichte, die stilistisch an Peter Jacksons "The Frighteners" erinnert (Hauptdarsteller Anton Yelchin sieht in manchen Kameraeinstellungen sogar ein bißchen so aus wie der junge Michael J. Fox), ist ziemlich spezialeffektlastig und richtig gute Spezialeffekte sind bekanntlich teuer. Dennoch ist Sommers insgesamt ein sehr schönes Gruselabenteuer gelungen, von dem sich Autor Koontz begeistert gezeigt hat. Umso bedauerlicher, daß es in den Sternen steht, ob "Odd Thomas" je einen regulären Kinostart erhalten wird, denn ein erbitterter Rechtsstreit auf Produzentenseite hat das ganze Projekt zumindest vorübergehend lahmgelegt und dürfte auch jegliche Hoffnung auf eine Fortsetzung von vornherein im Keim ersticken.

Manche Zuschauer kritisieren, daß sich Sommers in "Odd Thomas" mit der von Erklärungen durch die Titelfigur begleiteten Exposition ziemlich viel Zeit lasse. Das tut er zwar tatsächlich, ich finde das jedoch eher vorteilhaft, da man auf diese Weise ausführlich, aber durchaus kurzweilig mit den ungemein sympathischen Hauptfiguren und den vielfältigen Auswirkungen von Odds Gabe vertraut gemacht wird. Zugegeben, das Tempo ist in dieser Phase nicht allzu hoch, aber da vor allem Anton Yelchin, Addison Timlin und der etwas unterbeschäftigte Willem Dafoe in ihren gemeinsamen Szenen wunderbar harmonieren, macht diese ausschweifende Einführung absolut Laune. Auch sorgen Odds gewitzte Kommentare und die schlagfertigen Screwball-Comedy-Dialoge zwischen ihm und Stormy für jede Menge Lacher, ebenso wie einige Cameos bekannter Schauspieler, von denen jenes von Sommers' "Mumie"-Darsteller Arnold Vosloo mit Abstand das witzigste ist. Zudem ist es dem Regisseur und Autor inmitten all des Humors und der Spezialeffekte bemerkenswert gut gelungen, die Liebesbeziehung zwischen Odd und Stormy zu integrieren. Denn diese entpuppt sich als keineswegs nur eine weitere, dramaturgisch eigentlich unnötige Alibi-Romanze wie in so vielen anderen Popcorn-Filmen, sondern ist ungemein gefühlvoll gestaltet und von Yelchin und Timlin ausdrucksstark gespielt.

Doch mit der Ankunft der ebenso mysteriösen wie gefährlichen Bodachs nimmt die Geschichte einen immer bedrohlicheren Ton an, da klar ist, daß eine Katastrophe bevorsteht. In diesem Mittelteil wird "Odd Thomas" beinahe zu einem klassischen Krimi, denn Odd folgt gewissenhaft den Spuren der Bodachs und versucht – teilweise mit Hilfe seines Vaters und seiner Freundin – herauszufinden, wo das Unglück seinen Anfang nehmen wird und wie er es verhindern kann. Da der durch die Bodach-Horden suggerierte anfängliche Hauptverdächtige "Fungus Bob" (Shuler Hensley, "Die Legende des Zorro") Odd nicht wirklich weiterbringt, entwickelt sich das Ganze zu einer wahren kriminalistischen Schnitzeljagd mit immer neuen überraschenden Wendungen. Das wirkt teilweise etwas überkonstruiert und nicht immer vollkommen glaubwürdig, doch durch das nun deutlich angezogene Erzähltempo, die gelungen eingefangene latente Bedrohungs-Atmosphäre und das energetische Spiel Yelchins läßt sich darüber großzügig hinwegsehen.

Ein klein wenig problematisch ist allerdings, daß die flapsigen Dialoge vor allem zwischen Odd und Stormy sich im Vergleich zum Beginn der Story kaum verändern und deshalb in der zweiten Filmhälfte angesichts der zunehmenden Konfrontation mit Mord und Totschlag mitunter etwas fehl am Platz wirken. Zudem ist der actionreiche, mehrstufige Showdown vielleicht einen Tick zu ausgewalzt, auch wenn sich zumindest eine der unvorhersehbaren Wendungen als ausgesprochen effektiv erweist. Wie bereits erwähnt sind die Spezialeffekte sicher nicht die größte Stärke von "Odd Thomas", was Sommers allerdings nicht davon abhält, sie reichlich einzusetzen. Wenigstens die schön unheimlich gestalteten Bodachs wirken aber ziemlich überzeugend, was angesichts ihrer Stellung innerhalb der Geschichte auch bitter nötig ist. Angesichts dessen kann man die Defizite in anderen CGI-Bereichen (z.B. bei einer gewaltigen, aber sehr künstlich aussehenden Explosion) verschmerzen.

Fazit: "Odd Thomas" ist ein großer Krimi-Gruselspaß, der seine budgetbedingten Defizite in Sachen Spezialeffekte mit einem harmonischen Cast, einer interessanten Story und vor allem mit viel Humor und Herz mehr als wettmacht.

Wertung: 8 Punkte.


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