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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 20. September 2013

RIDDICK (2013)

Regie und Drehbuch: David Twohy, Musik: Graeme Revell
Darsteller: Vin Diesel, Matt Nable, Jordi Mollá, Katee Sackhoff, Dave Bautista, Raoul Trujillo, Conrad Pla, Bokeem Woodbine, Nolan Gerard Funk, Noah Danby, Danny Blanco Hall, Andreas Aspergis, Neil Napier, Keri Hilson, Karl Urban
 Riddick
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 58% (5,4); weltweites Einspielergebnis: $98,3 Mio.
FSK: 16, Dauer: 119 Minuten.

Nachdem er am Ende von "Riddick: Chroniken eines Kriegers" zum alleinigen Herrscher über die Necromonger wurde, ist der letzte Furyaner Riddick (Vin Diesel, "The Fast & the Furious") über die Jahre hinweg unvorsichtig geworden. Das führte dazu, daß Commander Vaako (Karl Urban, "Star Trek") ihn relativ leicht verraten konnte und er – wieder einmal – auf einem unwirtlichen, nur von feindseligen Kreaturen bewohnten Planeten ausgesetzt wurde. Doch der unverwüstliche Riddick überlebt. Schließlich gelingt es ihm sogar, ein Notsignal abzusetzen, das zwei konkurrierende Kopfgeldjäger-Gruppen auf den Planeten bringt, die das fürstliche Kopfgeld einstreichen wollen, das auf den Furyaner ausgesetzt ist. Doch ihre zahlenmäßige Überlegenheit erweist sich in der Konfrontation mit Riddick sowie der Fauna des Planeten als nur bedingt nützlich ...

Kritik:
Antiheld Richard B. Riddick ist erklärtermaßen die absolute Lieblingsrolle von Vin Diesel wie auch von Regisseur und Autor David Twohy. Deshalb ließen sich die beiden auch von dem kommerziellen Mißerfolg von "Riddick: Chroniken eines Kriegers" 2004 nicht abschrecken und kämpften über Jahre hinweg darum, einen dritten Film über die Abenteuer der furyanischen Kampfmaschine drehen zu können. Da der epische Ansatz von "Riddick: Chroniken eines Kriegers" an den Kinokassen scheiterte, war ziemlich schnell klar, daß man sich inhaltlich und stilistisch wieder stärker am populären Erstling "Pitch Black" aus dem Jahr 2000 orientieren würde, was auch dem Budget zugutekommen würde. Dennoch dauerte es bis 2011, bis die Entwicklung von "Riddick" endlich an Fahrt aufnahm – wohl vor allem dank Diesels großer Erfolge mit dem "Fast & Furious"-Franchise. Der fertige Film erinnert tatsächlich in vielerlei Hinsicht an "Pitch Black", erweist sich aber dennoch als eigenständiger und trotz einiger dramaturgischer Schwächen insgesamt gelungener Beitrag zur Reihe, der hoffentlich den Weg frei macht für weitere Teile (die Diesel und Twohy sehr gerne drehen würden).

Die größte Stärke von "Riddick" ist mit Sicherheit, daß es David Twohy gelungen ist, eine sehr überzeugende außerirdische Stimmung zu kreieren. Der karge Planet und seine blutrünstigen tierischen Bewohner unterscheiden sich zwar streng genommen gar nicht so sehr von der Erde, doch die lebensfeindliche Atmosphäre, die Twohy und sein Team geschaffen haben, vermittelt das Gefühl, tatsächlich ein exotisches Weltraumabenteuer im Stil von "Alien" zu erleben. Dabei nimmt sich der Film zunächst bemerkenswert viel Zeit, um das Setting zu etablieren und Riddicks Überlebenskampf in der gnadenlosen Umgebung zu zeigen, mit der er sich immer besser arrangiert und schließlich sogar einen unerwarteten Freund gewinnt. Ungeduldige Naturen werden sich in diesem beeindruckend konsequenten ersten Akt womöglich langweilen, doch mit der Ankunft der Kopfgeldjäger zieht das Tempo sowieso deutlich an.

Im Gegensatz zur außerirdischen Atmosphäre ist David Twohys Drehbuch leider nicht zu den Stärken des Films zu zählen. Die Story läßt sich im Grunde genommen inhaltlich verlustfrei als "Riddick versucht, mit einem Raumschiff der Kopfgeldjäger vom Planeten zu entkommen" zusammenfassen. Irgendwelche dramaturgischen Feinheiten gibt es nicht, die Verbindung zu "Riddick: Chroniken eines Kriegers" mittels einer kurzen Rückblicksequenz samt Cameo von Karl Urban ist nicht gerade raffiniert, erfüllt aber ihren Zweck. Selbst die Figurenkonstellation ist sehr konventionell, weshalb es nicht schwer zu erraten ist, wer von den Kopfgeldjägern am längsten überleben wird. Zugegeben, das war bei "Pitch Black" nicht viel besser, aber ein bißchen schon. Und im direkten Vergleich fehlt "Riddick" vor allem der starke Gruselfaktor, der einen großen Teil des Reizes von "Pitch Black" ausgemacht hat. In "Riddick" wird das Gruseln größtenteils durch Action ersetzt, was zwar auch Laune macht, aber deutlich weniger.

Immerhin eine gute Idee enthält Twohys Drehbuch aber doch: Eine der beiden Gruppen von Kopfgeldjägern wird von Boss Johns (der frühere Rugby-Star Matt Nable) angeführt, der an der Prämie für Riddicks Kopf nicht wirklich interessiert ist, sondern ein ganz persönliches Motiv hat. Er will von Riddick wissen, was vor Jahren mit seinem Sohn passiert ist – William J. Johns (damals dargestellt von Cole Hauser) war nämlich in "Pitch Black" jener Söldner, der Riddick ins Gefängnis bringen sollte, ehe das Raumschiff abstürzte. Der Einfall, auf diese Weise eine direkte inhaltliche Brücke von "Pitch Black" zu "Riddick" zu schlagen, erweist sich als ebenso simpel wie effektiv. Davon abgesehen sind die Figuren, die Twohy präsentiert, sehr klischeehaft, aber durchaus unterhaltsam: ob der fiese Santana (Jordi Mollá, "Knight & Day"), sein stoischer Cousin Diaz (Dave Bautista, "The Man with the Iron Fists"), die hitzköpfige Dahl (Katee Sackhoff) oder der tiefgläubige Luna (Nolan Gerard Funk, "House at the End of the Street") – sie alle sind zwar reißbrettartig, aber markant gezeichnet und gespielt. Vor allem bei Katee Sackhoff macht es wirklich Spaß, sie endlich mal wieder in einer Rolle zu sehen, die sehr an die der taffen Pilotin Starbuck in "Battlestar Galactica" erinnert (abgesehen davon, daß es in der TV-Serie natürlich keine Nacktszenen gab). Ihre starke Präsenz ist allerdings auch nötig als Gegengewicht zur den teilweise sehr sexistischen übrigen Charakteren, gegen die sich Dahl aber gut zu wehren weiß. Vin Diesel wiederum verkörpert seine Paraderolle des Riddick mit gewohnter Coolneß, eine nennenswerte schauspielerische Leistung ist hier sowieso nicht vonnöten.

Im technischen Bereich gibt es trotz des relativ niedrigen Budgets von rund $38 Mio. wenig Grund zur Klage. Das Kreaturendesign ist gefällig, auch wenn die CGI-Effekte niemals "Life of Pi"-Niveau erreichen. Dafür ist die (auch farbliche) Gestaltung des fremdartigen Planeten sehr gelungen und der Actionscore von Graeme Revell ("Sin City") zweckmäßig, die Kampfszenen sind größtenteils ordentlich gestaltet und dabei stellenweise auch ziemlich brutal. "Riddick" ist sicherlich kein Meisterwerk des Science Fiction-Genres und kommt nicht an die Qualität von "Pitch Black" heran, aber in seiner grimmigen Ernsthaftigkeit stellt er eine Steigerung zum überambitionierten "Riddick: Chroniken eines Kriegers" dar und macht durchaus Lust auf mehr.

Fazit: "Riddick" ist ein kompromißloser SF-Actionfilm, der eine simple Story erzählt und sich dabei voll und ganz auf seinen ikonischen Protagonisten und handfeste Kampfszenen sowie eine gekonnt eingefangene außerirdische Atmosphäre verläßt.

Wertung: 7 Punkte.

Nachtrag, Dezember 2015: Inzwischen wurde eine Fortsetzung namens "Furia" angekündigt, die aber erst 2017 gedreht werden soll. Zudem soll eine Spin-off-TV-Serie namens "Merc City" realisiert werden, in der es um diverse Weltraumsöldner gehen wird.

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