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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 19. Dezember 2013

MACHETE (2010)

Regie: Robert Rodriguez und Ethan Maniquis, Drehbuch: Álvaro und Robert Rodriguez, Musik: Chingon
Darsteller: Danny Trejo, Jessica Alba, Robert De Niro, Michelle Rodriguez, Steven Seagal, Don Johnson, Jeff Fahey, Lindsay Lohan, Alicia Marek, Cheech Marin, Tom Savini, Shea Whigham, Daryl Sabara, Gilbert Trejo, Mayra Leal, Nimród Antal, James Parks
 Machete
(2010) on IMDb Rotten Tomatoes: 72% (6,3); weltweites Einspielergebnis: $44,1 Mio.
FSK: 18, Dauer: 105 Minuten.

Machete Cortez (Danny Trejo, "Violet & Daisy") ist ein früherer mexikanischer Bundespolizist, der sich nach dem Mord an seiner Frau als illegaler Einwanderer in den Vereinigten Staaten von Amerika mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Eines Tages bietet ihm ein mysteriöser Mann namens Booth (Jeff Fahey, der Pilot Frank Lapidus aus den letzten beiden "Lost"-Staffeln) $150.000 für den Mord an Senator McLaughlin (Robert de Niro, "Der Sternwanderer") an, der vor allem für seine harte Hand gegenüber Einwanderern bekannt ist. Machete nimmt den Job an, läuft jedoch direkt in eine Falle – aber so leicht läßt sich ein Machete nicht töten, zumal er einige Verbündete im Umfeld der Gemeinschaft illegal eingewanderter Mexikaner findet. Vor allem zwei attraktive und eigentlich ziemlich gegensätzliche junge Frauen Sartana (Jessica Alba, "Sin City"), eine Agentin der US-Einwanderungsbehörde, und Luz (Michelle Rodriguez, "Resident Evil: Retribution"), Anführerin eines Netzwerks illegaler Einwanderer erweisen sich als hilfreich ...

Kritik:
Die Entstehungsgeschichte von "Machete" ist absolut außergewöhnlich. Der schwarzhumorige Actionfilm ist nämlich die Umsetzung eines Fake-Trailers, den Regisseur Robert Rodriguez ("From Dusk till Dawn", "Desperado") im Jahr 2007 für sein und Quentin Tarantinos (geflopptes) "Grindhouse"-Projekt drehte. Allerdings kam der Trailer bei den Fans dermaßen gut an, daß Rodriguez sich schließlich auch auf Drängen Danny Trejos hin  dazu entschied, den Film tatsächlich zu drehen. Das Endresultat hat zwar nicht mehr allzu viel mit dem damaligen Trailer gemein (auch wenn etliche Schauspieler daraus "übernommen" wurden, allen voran natürlich Titeldarsteller Trejo), macht aber mindestens genauso viel Spaß. Es läßt sich kaum bestreiten: Robert Rodriguez dreht die unterhaltsamsten B-Movies seiner Generation.

Aber um es gleich vorwegzunehmen: Ganz offensichtlich ist "Machete" die Art von Film, die das Publikum spaltet – vor allem, wenn es nicht weiß, worauf es sich einläßt. Ich meine, mal ehrlich: eine hanebüchene Story, viele schöne und leicht bis überhaupt nicht bekleidete Damen, eisenharte Männer mit riesigen Wummen, dazu eine hemmungslos übertriebene musikalische Untermalung durch Rodriguez' eigene Band Chingon – beispielsweise ertönt jedes Mal, wenn auch nur die Andeutung einer Liebesszene kommt, ein schwülstiges "Love Theme" á la Barry White oder Marvin Gaye. Außerdem gibt es herrlich schräge Dialoge und knackige Oneliner ("Machete schickt keine SMS!"), es wird hektoliterweise Kunstblut vergossen, die abgetrennten Gliedmaßen fliegen meterweit und wenn ein Arzt im Krankenhaus beiläufig erwähnt, daß der menschliche Darm 18 Meter lang ist, dann darf man sicher sein, daß dieses interessante theoretische Wissen im weiteren Handlungsverlauf noch seine praktische Anwendung finden wird. Kurzum: So viel geschmacklosen Nonsens kann man doch einfach nur lieben – oder hassen ...

Glaubwürdige Figuren sucht man in "Machete" selbstverständlich vergeblich, was schon daran erkennbar ist, daß so ziemlich jede schöne Frau im ganzen Film mit dem grobschlächtigen, narbengesichtigen und nicht mehr ganz jungen Titelhelden ins Bett steigen will. Dafür präsentiert Regisseur Rodriguez ein wahres Füllhorn an unwahrscheinlichen Helden – neben Machete und den beiden ihn nach anfänglichem Zögern unterstützenden Sartana und Luz auch noch ein kampferprobter Priester (Cheech Marin, "From Dusk till Dawn") – und extrem bösen Bösewichten: B-Movie-Ikone Steven Seagal ("Einsame Entscheidung") als mexikanischer (!) Drogenboß, OSCAR-Gewinner Robert De Niro (der sichtlich Spaß an der ungewohnten Rolle hat) als rechtslastiger Senator, der in seiner Freizeit gerne illegale Einwanderer abknallt, Don Johnson ("Django Unchained") als Anführer einer rassistischen Bürgerwehr und Tom Savini ("Vielleicht lieber morgen") als Profikiller. Dazu gesellen sich noch witzige Nebencharaktere wie ein pragmatisch veranlagter, von "Predators"-Regisseur Nimród Antal verkörperter ungarischer Leibwächter, einige bemerkenswert wehrhafte Krankenschwestern oder auch ein sexhungriges Mutter-Tochter-Gespann (der Tochter-Part wird hübsch selbstironisch von Skandalnudel Lindsay Lohan verkörpert), die kaum Wünsche offen lassen.

Meine einzigen kleinen Kritikpunkte: "Machete" ist mit 105 Minuten etwas zu lang geraten (eigentlich sollte kein echtes B-Movie länger als 90 Minuten dauern) und die Choreographie der Kampfszenen läßt im Vergleich zu anderen Genrevertretern wie "The Expendables 2" noch Luft nach oben. Aber auch so ist "Machete" ein riesengroßer Trash-Spaß geworden, der zwar trotz erstaunlich guter Kritiken kein echter kommerzieller Hit war, aber dank der für Rodriguez so typischen günstigen Produktionsweise mit "Machete Kills" mindestens eine Fortsetzung nach sich zieht.

Fazit: Wer einen auch nur ansatzweise ernsthaften Film sehen will, der ist hier definitiv falsch; wer aber Lust auf altmodische, herzhaft übertriebene und gewollt trashige Action-Unterhaltung mit einem extrem coolen Protagonisten hat, der sollte mit "Machete" glücklich werden.

Wertung: 9 Punkte.


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