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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 7. Mai 2014

LÜGEN MACHT ERFINDERISCH (2009)

Originaltitel: The Invention of Lying
Regie und Drehbuch: Matthew Robinson und Ricky Gervais, Musik: Tim Atack
Darsteller: Ricky Gervais, Jennifer Garner, Rob Lowe, Jonah Hill, Louis C.K., Tina Fey, Jeffrey Tambor, Christopher Guest, Fionnula Flanagan, Jimmi Simpson, Dreama Walker, Martin Starr, Nate Corddry, Stephanie March, Stephen Merchant, Karl Pilkington, Philip Seymour Hoffman, Jason Bateman, Edward Norton, Sir Michael Caine, Matthew Robinson
 The Invention of Lying
(2009) on IMDb Rotten Tomatoes: 58% (5,9); weltweites Einspielergebnis: $32,4 Mio.
FSK: 6, Dauer: 100 Minuten.

"Lügen macht erfinderisch" spielt in einer Welt, in der die Lüge nicht existiert. Jeder sagt immer die Wahrheit, egal wie unhöflich oder wie negativ für einen selbst sie ist. Zumindest so lange, bis der erfolglose Drehbuchautor Mark Bellison (Ricky Gervais, "Muppets Most Wanted") die Lüge "erfindet", um den Rauswurf aus seiner Wohnung – deren Miete er nicht mehr bezahlen kann – zu verhindern. Da diese Lüge einwandfrei funktioniert, probiert Mark seine "Erfindung" immer weiter aus (u.a. an Verkehrspolizisten und schönen Frauen, auch seine Drehbücher werden plötzlich viel interessanter) und entdeckt dabei schnell, wie mächtig die Lüge in einer Welt voller Wahrheit-Sagender sein kann ...

Kritik:
Ricky Gervais ist seit vielen Jahren einer der erfolgreichsten britischen Komiker, was vor allem, aber keineswegs nur daran liegt, daß er Erfinder und Hauptdarsteller der extrem erfolgreichen "Stromberg"-Vorlage "The Office" war. Seine Kinobemühungen sind dagegen bei weitem nicht so erfolgreich, abgesehen von ein paar kleinen Nebenrollen in den "Nachts im Museum"-Filmen oder in "Der Sternwanderer". Jenen Filmen, in denen er die Hauptrolle spielt – allen voran "Wen die Geister lieben" und eben "Lügen macht erfinderisch" – ist ein fast identisches Schicksal beschieden: Witzige Prämisse (und Trailer), gefolgt von einer eher mittelprächtigen Umsetzung mit ebenso mittelmäßigen Kritiken und ziemlich schlechten Einspielergebnissen. Dabei ist das eigentlich ungerecht, denn es gibt wahrlich unzählige viel schlechtere Komödien, die wesentlich erfolgreicher sind als die von Gervais (beispielsweise die meisten mit Adam Sandler), der bei "Lügen macht erfinderisch" gemeinsam mit Matthew Robinson als Co-Autor und Co-Regisseur fungiert.

Problematisch ist vor allem, daß das Drehbuch der beiden vor Logikfehlern nur so strotzt. So witzig und interessant die Prämisse einer Welt ohne Lügen ist, so inkonsequent wird sie in "Lügen macht erfinderisch" leider umgesetzt. Würde ich alle Logikfehler aufzählen, die mir aufgefallen sind (nur ein Beispiel von vielen: die Abwesenheit von Lügen ist selbstverständlich nicht automatisch die Abwesenheit von Manieren, wie es der Film aber in einigen zugegeben witzigen Szenen impliziert), würde dies gewiß meine längste Rezension aller Zeiten, aber das möchte ich uns allen ersparen. Fakt ist jedenfalls, daß Gervais und Robinson zu oft und vor allem zu offensichtlich auf den schnellen Gag aus sind und darob vergessen darauf zu achten, daß die von ihnen geschaffene Welt in sich konsistent ist. Die Gesellschaft, die Gervais und Robinson präsentieren, wirkt deshalb einfach unglaubwürdig. Zudem verfällt die Story nach dem einfallsreich-amüsanten Auftakt allzu schnell in altbekannte RomCom-Muster, was auf Dauer langweilt.

Andererseits punktet "Lügen macht erfinderisch" aber mit einigen sehr gelungenen Gags – vor allem die lügenfreien Werbespots sind hochgradig amüsant, wie man sich wohl vorstellen kann – und einer abseits der romantischen Verwicklungen relativ unvorhersehbaren Storyentwicklung. In der zweiten Hälfte wird die Handlung nämlich durch ein starkes religionskritisches Element bereichert, das der bekennende Atheist Gervais clever einführt (Mark "erfindet" den Himmel und Gott als Trost für seine todkranke Mutter, was, als es öffentlich bekannt wird, in der ganzen Welt für Aufruhr sorgt), dann aber ein bißchen zu ausführlich und plakativ ausbreitet. Dank der Präsenz Gervais', der seine Rolle ebenso schlitzohrig wie liebenswert ausfüllt, funktioniert das aber dennoch einigermaßen und verleiht dem Film wenigstens in diesem keineswegs völlig einseitigen, sondern durchaus ein paar nachdenkliche Untertöne enthaltenden Handlungsstrang eine ganz eigene Note.

Generell ist die Besetzung eine der größten Stärken von "Lügen macht erfinderisch": Die wie immer sehr sympathische Jennifer Garner ("Dallas Buyers Club") harmoniert gut mit Gervais und offenbart ihr zuvor nur selten gezeigtes komisches Talent, außerdem gibt es etliche witzige Star-Cameos; und daß viele Nebenrollen von Komikern wie Tina Fey ("Date Night"), Stephen Merchant (neben Gervais Co-Schöpfer von TV-Comedys wie "The Office" und "Extras") oder Louis C.K. ("Blue Jasmine") verkörpert werden, schadet dem Unterhaltungsgrad natürlich auch nicht. Schade nur, daß das Tempo und die Gagfülle des ersten Filmdrittels nicht durchgehalten werden, sonst hätte ein richtig guter Film dabei herauskommen können.

Fazit: "Lügen macht erfinderisch" ist ein nettes, leichtes und sogar ein wenig hintersinniges Komödienvergnügen – sofern man fähig und willens ist, sich von den zahlreichen Logikfehlern nicht den Spaß verderben zu lassen.

Wertung: 6,5 Punkte.

P.S.: In einem Interview antwortete Gervais einmal auf die Frage danach, welche drei Dinge er wohl aus seinem brennenden Haus retten würde: "Die Katze, unseren Salamander und einen der Zwillinge". Zur Beruhigung: Gervais hat keine Zwillinge ...


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