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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 8. August 2014

PLANET DER AFFEN: REVOLUTION (3D, 2014)

Originaltitel: Dawn of the Planet of the Apes
Regie: Matt Reeves, Drehbuch: Mark Bomback, Rick Jaffa und Amanda Silver, Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Keri Russell, Kodi Smit-McPhee, Toby Kebbell, Nick Thurston, Kirk Acevedo, Karin Konoval, Terry Notary, Kevin Rankin, Jon Eyez, Enrique Murciano, Jocko Sims, Judy Greer
 Dawn of the Planet of the Apes
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 90% (7,9); weltweites Einspielergebnis: $710,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 131 Minuten.

Zehn Jahre sind vergangen, seit jenes in einem Labor geschaffene Virus ausgebrochen ist, das Menschenaffen viel intelligenter macht und Menschen viel … nunja, toter. Nur ein Bruchteil der Menschheit hat dank einer Immunität gegen das Virus (und mit viel Glück angesichts der Kriege gegeneinander, mit denen die Menschen ihren eigenen Untergang nur noch beschleunigt haben) überlebt, viele davon haben im zerstörten San Francisco eine neue Kolonie aufgebaut. Allerdings droht der Treibstoff für die Stromgeneratoren auszugehen, weshalb Anführer Dreyfus (Gary Oldman, "Dame, König, As, Spion") eine kleine Gruppe in die Wälder rund um die Stadt schickt, wo sie versuchen soll, ein Wasserkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Doch in den Wäldern haben sich die intelligenten, auf Pferden reitenden und mit Speeren bewaffneten Affen unter der vorausschauenden Führung Caesars (Andy Serkis, "Der Hobbit – Eine unerwartete Reise") ein idyllisches Zuhause fernab der zerstörerischen Menschen geschaffen. Der erste Kontakt von Affen und Menschen nach etlichen Jahren endet tragisch, dennoch versuchen vor allem Caesar und der friedliebende Malcolm (Jason Clarke), eine gewaltfreie Lösung zu finden. Auf beiden Seiten machen sie sich mit diesem Vorhaben nicht nur Freunde: Dreyfus ist höchst skeptisch und rüstet seine Männer in einem nahegelegenen Waffendepot mit hochmodernen Waffen auf. Zugleich wagt der nicht nur körperlich narbenübersäte Bonobo Koba (Toby Kebbell, "RocknRolla"), der einst in den Versuchslaboren gelernt hat, die Menschen zu hassen, immer offeneren Widerspruch gegen Caesar …

Kritik:
Nachdem "Planet der Affen: Prevolution", Rupert Wyatts Prequel zu der kultigen "Planet der Affen"-Filmreihe aus den 1960er und 1970er Jahren, 2011 mit unerwartet positiven Kritiken und einem weltweiten Einspielergebnis von fast $500 Mio. zu einem überraschenden Blockbuster wurde, stand schnell fest, daß eine Fortsetzung folgen würde. Zwar mußten Fans zunächst einen Rückschlag verdauen, als Wyatt auf die Regie des Sequels verzichtete, da er fürchtete, daß unter dem eng gesteckten Zeitplan des Studios die inhaltliche Qualität leiden würde. Doch mit Matt Reeves ("Cloverfield") war zügig ein adäquater Ersatz gefunden. Gemeinsam mit dem bewährten Autoren-Duo des Vorgängers (ergänzt um "Wolverine – Weg des Kriegers"-Autor Mark Bomback) hat er für den zweiten Prequel-Teil eine Handlung auf die Leinwand gebracht, die ganz andere Schwerpunkte setzt als "Prevolution", aber ähnlich intelligent, einfühlsam und durchdacht daherkommt. Kein Wunder, daß Kritiker und Publikum erneut ziemlich begeistert sind, denn "Planet der Affen: Revolution" zeigt, wie man einen Sommer-Blockbuster realisiert, der nicht nur visuell beeindruckt.

Da die Menschen sich selbst fast vollständig ausgerottet haben, ist es nur konsequent, daß "Revolution" zunächst die Affen in den Mittelpunkt rückt. In einer technisch wie inszenatorisch beeindruckenden, wortlosen Eröffnungssequenz demonstriert Reeves dem Publikum anhand einer einfachen Jagd im Wald, welch große Fortschritte die Affen in den vergangenen zehn Jahren gemacht haben. Was sich in "Prevolution" angedeutet hatte, ist inzwischen zur Gänze eingetreten: Nicht nur Caesar ist durch das Virus hochintelligent geworden, sondern alle Affen seiner Gemeinschaft. Sie verständigen sich durch Zeichensprache, können im Ernstfall sogar sprechen, sie gehen routiniert mit Werkzeugen um, die Kinder werden in die Schule geschickt, wo sie die wichtigsten Prinzipien des Zusammenlebens beigebracht bekommen – allen voran den unumstößlichen Leitsatz "Affen töten keinen Affen". Es ist ein ziemlich paradiesisches Leben, das die Primaten in der Wildnis führen. Zumindest so lange, bis die Menschen wieder auftauchen.

Ab diesem Moment verteilt "Revolution" seine Aufmerksamkeit recht gleichmäßig auf Affen und Menschen. Im Grunde genommen entwickeln sich die Handlungsstränge auf beiden Seiten ziemlich parallel, denn die Affen müssen erkennen, daß höhere Intelligenz nicht automatisch größere Weisheit mit sich bringt, sondern auch unschöne Eigenschaften wie Machtgier oder schlicht die Fähigkeit zu hassen. Die Konflikte zwischen den Befürwortern einer friedlichen Koexistenz und den aggressiven "Wir töten sie, bevor sie uns töten können"-Fundamentalisten sind nicht allzu subtil, aber – wie ein Blick in die Nachrichten immer wieder zeigt – nur allzu realistisch. Die Glaubwürdigkeit der einzelnen Figuren ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Während man auf menschlicher Seite etwa die Sorgen und Vorbereitungsmaßnahmen des Ex-Soldaten Dreyfus durchaus nachvollziehen kann, scheint der von Kirk Acevedo (TV-Serie "Fringe") dargestellte Carver ganz genau wie in "Prevolution" der von Tom Felton verkörperte sadistische Tierpfleger nur einen Daseinszweck zu haben: Er ist ein mieses Arschloch, das zuverlässig dafür sorgt, daß alles immer schlimmer wird. Bei den Affen ist das Vorgehen des verbitterten Haupt-Antagonisten Koba zunächst ziemlich stimmig, in der zweiten Filmhälfte läßt die Plausibilität seiner immer radikaleren Handlungen (ohne darauf wegen Spoilergefahr näher eingehen zu können) zunehmend zu wünschen übrig. Ein bißchen leidet die Geschichte von "Revolution" darunter, daß man als Zuschauer natürlich weiß, daß eine dauerhafte friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Affe unmöglich ist – schließlich würde sonst der Ur-"Planet der Affen" mit Charlton Heston ad absurdum geführt. Aber das läßt sich kaum vermeiden und ist insgesamt absolut verschmerzbar.

Zu einem der interessantesten Charaktere entwickelt sich Caesars Sohn Blue Eyes (Nick Thurston), dessen Rolle – so unwahrscheinlich das auch klingen mag – frappierend an die von Charlie Sheen in Oliver Stones Anti-Kriegsklassiker "Platoon" (1986) erinnert. Wie in "Platoon" Protagonist Chris Taylor zwischen zwei grundverschiedenen Männern steht, die, wie er es ausdrückt, gleichsam um seine Seele kämpfen – der moralische Sergeant Elias und der sadistische Sergeant Barnes –, so ist es auch um Blue Eyes bestellt. Sein Vater Caesar will den jungen Affen auf einen friedlichen Pfad leiten, der von Blue Eyes für seine Kampfkraft bewunderte Koba will ihn zum mitleidlosen Kampf gegen die Menschen überreden. Gerade in jenen Szenen, in denen der von Newcomer Nick Thurston gespielte Blue Eyes zwischen diesen beiden Extremen schwankt, für die sowohl Caesar als auch Koba gute Argumente haben, wird einem die Brillanz der Spezialeffekte so richtig bewußt. Denn Blue Eyes' innerer Zwiespalt, seine emotionale und intellektuelle Zerrissenheit zwischen den beiden Affen, die auf sein Leben den größten Einfluß ausüben, spiegelt sich dank einer inzwischen nahezu perfekten Motion Capture-Technologie so überzeugend in seiner Mimik wieder, daß ein Charlie Sheen ob solcher Ausdruckskraft nur neidvoll erblassen kann …

Generell kann man die Arbeit der Spezialeffekt-Abteilung von "Planet der Affen: Revolution" gar nicht genug loben. War es in "Prevolution" über weite Strecken "nur" Caesar, der lebensecht animiert werden mußte, sind es nun mindestens ein halbes Dutzend Affen, die größere Rollen innerhalb der Handlung einnehmen. Daß computergenerierte Kreaturen sich natürlich in einen Film mit menschlichen Schauspielern einfügen können, ist ja seit Gollum in "Der Herr der Ringe – Die zwei Türme" bekannt – doch mit welcher Selbstverständlichkeit die Interaktion zwischen Menschen und per Motion Capture zum Leben erweckten Affen gerade einmal zwölf Jahre nach Gollums erstem großen Auftritt selbst bei einer Vielzahl von Charakteren vonstatten geht, ohne daß man auch nur ansatzweise das Gefühl von Künstlichkeit hätte, ist schlicht atemberaubend. Dafür mußte allerdings auch das Budget im Vergleich zum Vorgänger beinahe verdoppelt werden (auf etwa $170 Mio.), aber das war es definitiv wert. Andy Serkis liefert dabei als Caesar erwartungsgemäß wieder eine starke Leistung ab, Kebbell und Thurston stehen ihm kaum nach (und jedermanns Lieblings-Orang Utan Maurice ist auch wieder mit von der Partie). Und im actionreichen Showdown, eigentlich sogar der gesamten, von Michael Giacchinos ("Star Trek") energiegeladener Musik vorangebriebenen zweiten Filmhälfte, kommen auch die sinnvoll und ohne jegliche Kirmes-Sperenzchen eingesetzten 3D-Effekte gut zur Geltung.

Unter den Darstellern der menschlichen Fraktion überzeugt vor allem Jason Clarke, dessen langsamer, aber steter Aufstieg in die A-Liga von Hollywood mit dieser Blockbuster-Hauptrolle einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Manchmal ist es halt doch schön, wie berechenbar die Filmbranche sein kann, denn Clarkes schauspielerische Fähigkeiten sind Filmkennern schon lange bewußt. In seiner Heimat Australien arbeitete er sich zunächst mühsam nach oben, ab seinen ersten kleineren US-Rollen in "Death Race" (2008), Michael Manns "Public Enemies" (2009) und Oliver Stones "Wall Street: Geld schläft nicht" (2010) war der kommende Starstatus absehbar. Kathryn Bigelows Action-Thriller "Zero Dark Thirty" bescherte ihm 2012 endgültig den Durchbruch, den er anschließend mit überzeugenden Leistungen in "Der große Gatsby" und nun "Planet der Affen: Revolution" bestätigte. Denn hier ist er eindeutig der Mittelpunkt des menschlichen Teils der Geschichte, und als Sympathieträger macht Clarke an der Seite seiner Filmgattin Keri Russell ("Mission: Impossible III", TV-Serie "The American") und des Filmsohns Kodi Smit-McPhee ("The Road") eine richtig gute Figur. Er überstrahlt sogar den großartigen Charaktermimen Gary Oldman – was aber auch damit zusammenhängt, daß dessen Rolle als Anführer der Menschen enttäuschend klein und unspektakulär ausfällt und Oldman somit wenig Gelegenheit zum Glänzen gibt.

Da das Publikum, wie bereits beim Vorgänger, die hohe technische und (abgesehen von einem sehr, sehr glücklichen "zufälligen" Aufeinandertreffen gegen Ende, ohne das die Autoren die Geschichte nicht in die gewollte Richtung lenken könnten) erzählerische Qualität von "Planet der Affen: Revolution" belohnt, steht sogar schon der US-Starttermin für den dritten Prequel-Teil fest: Bereits im Juli 2016 soll es soweit sein, wiederum mit Matt Reeves hinter der Kamera.

Fazit: "Planet der Affen: Revolution" ist ein technisch herausragender, actionreicher Science Fiction-Film, dessen Handlung zwar nicht weltbewegend ist, qualitativ aber nicht zuletzt dank einiger sorgfältig gestalteter Hauptfiguren deutlich über dem Durchschnitt sonstiger Hollywood-Blockbuster liegt.

Wertung: 8,5 Punkte.


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