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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 28. August 2014

THE EXPENDABLES 3 (2014)

Regie: Patrick Hughes, Drehbuch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt, Sylvester Stallone, Musik: Brian Tyler
Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Statham, Mel Gibson, Harrison Ford, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Randy Couture, Antonio Banderas, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews, Jet Li, Kelsey Grammer, Kellan Lutz, Ronda Rousey, Glen Powell, Victor Ortiz, Robert Davi
 The Expendables 3
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 32% (4,8); weltweites Einspielergebnis: $206,2 Mio.
FSK: 16, Dauer: 127 Minuten.

Nachdem eine Mission der "Expendables" grandios scheitert und ein Mitglied der Gruppe von Barney Ross' (Sylvester Stallone, "Rambo") totgeglaubtem Erzfeind Conrad Stonebanks (Mel Gibson) schwer verwundet wird, entschließt sich Barney schweren Herzens dazu, dem Rat seines alten Weggefährten Trench (Arnold Schwarzenegger, "Terminator") zu folgen und das Team aufzulösen. Allerdings denkt Barney gar nicht daran, Stonebanks einfach entkommen zu lassen. Stattdessen stellt er unter Mithilfe seines alten Freundes Bonaparte (Kelsey Grammer, TV-Serie "Frasier") eine neue Truppe junger, verwegener und todesverachtender Draufgänger zusammen. Nachdem Barneys neuer CIA-Kontaktmann Drummer (Harrison Ford) Stonebanks' Aufenthaltsort ausfindig gemacht hat, nehmen die neuen "Expendables" ihre Mission in Angriff, den Kriegsverbrecher festzunehmen und vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen …

Kritik:
Bei Filmreihen kommt es gar nicht so selten vor, daß man die Qualität eines Teils gut am Einspielergebnis der Fortsetzung ablesen kann. Ist ein Film also richtig gut, dann profitiert davon vor allem der nächste Teil in der Reihe. Das ist natürlich irgendwo ein bißchen unfair, weil es dadurch öfters geschieht, daß ein eher mittelmäßiger oder gar schlechter Film zu einem großen kommerziellen Erfolg wird, während der viel bessere Vorgänger deutlich weniger Geld einbrachte. Prominente Beispiele dafür sind etwa "Fluch der Karibik" (der erste Teil gilt weithin als der beste, hat jedoch am wenigsten eingespielt) oder auch die originale "Star Wars"-Trilogie (deren mittlere Episode "Das Imperium schlägt zurück" von den meisten Fans und Kritikern klar favorisiert wird, aber am wenigsten einträglich war). Ausgehend von dieser Faustregel – die aber zugegebenermaßen keinesfalls hundertprozentig zuverlässig ist – hätte sich Sylvester Stallone eigentlich keine Sorgen um seinen dritten "Expendables"-Film machen müssen, kam doch der zweite Teil insgesamt wesentlich besser an als der erste. Offensichtlich wollte Stallone nicht allein auf diese theoretische Aussicht vertrauen, weshalb er auf die vom ersten zum zweiten Film in den USA gesunkenen Einspielergebnisse (die aber durch den den Anstieg im Rest der Welt kompensiert wurden) durch eine niedrigere Altersfreigabe für Teil 3 reagierte. Eine sehr fragwürdige Maßnahme, ist es doch erwiesen, daß sich das Interesse der heutigen Jugend an den Action-Helden von einst in sehr, sehr engen Grenzen hält, wie nicht zuletzt die Bilanzen der allesamt gefloppten letzten Solo-Abenteuer von Stallone ("Shootout", "Zwei vom alten Schlag") und Schwarzenegger ("The Last Stand", "Sabotage") wie auch ihrer Kollaboration bei "Escape Plan" zeigten. Schlimmer noch: Für das auf diese Weise nur minimal gesteigerte Zuschauerpotential riskierte Stallone, die Fans der ersten beiden Teile nachhaltig zu verärgern, die die Reihe auch deshalb unterstützten, weil es so schön oldschool-mäßig blutig zuging. Warum sollten sie jetzt für eine jugendfreie Version in die Kinos gehen, zumal doch von Anfang klar war, daß wenige Monate später eine härtere Heimkinoveröffentlichung folgen würde? Die Aussichten für "The Expendables 3" waren also bereits nicht die besten, als es auch noch zum Super-GAU kam: Wochen vor dem Kinostart wurde eine Raubkopie von guter Qualität ins Internet gestellt, wo sie von Millionen Nutzern illegal, aber kostenlos heruntergeladen wurde. Daß die Kritiken nur mäßig ausfielen, war auch nicht gerade hilfreich. Und so kam es, wie es kommen mußte: Die "Entbehrlichen" spielten am US-Startwochenende mit mickrigen $15,9 Mio. kaum die Hälfte dessen ein, was ihre beiden Vorgänger erreichten ($34,8 Mio. respektive $28,6 Mio.).

Das größte Problem mit der niedrigeren Altersfreigabe ist, daß einem die Unterschiede zu den beiden Vorgängern sofort ins Auge fallen. Wo diese jeweils mit einem knallharten, vor Blut triefenden Prolog eröffneten, startet der Teil 3 mit dem Überfall auf einen Gefangenentransport per Zug – der auffällig unblutig vonstatten geht. Das soll nicht heißen, daß es nicht gewaltig rumst und kracht und einige durchaus brutale Szenen gibt; nur ist der ganzen Chose mit dem Blut auch die Authentizität und zugleich der 1980er Jahre-B-Movie-Charme verlustig gegangen. Ein bißchen fühlt man sich wie ein deutscher Computerspieler in den 1990er Jahren, als viele Spiele so konsequent zensiert wurden, daß die Gegner nur noch graues oder schwarzes "Blut" verloren oder gleich von vornherein durch langweilige Roboter ersetzt wurden. Es wirkt einfach … falsch, und man denkt die ganze Zeit daran, wie viel mehr Spaß es mit der ungeschnittenen Version machen würde (selbst wenn das in Wirklichkeit teilweise bloßes Wunschdenken sein mag).

Das Zentrum besagten Gefangenentransports ist übrigens Barneys alter Kumpel Doc (Wesley Snipes, "Blade"), der jahrelang im Knast saß – "wegen Steuerhinterziehung", wie er selbst mit einem Augenzwinkern sagt. Damit wären wir bei der großen Stärke des direkten Vorgängers: der Selbstironie. "The Expendables 2" machte ja auch oder sogar vor allem deswegen so viel Spaß, weil die Dialoge vor Selbstironie und Anspielungen auf frühere Filme der Stars nur so trieften, dazu kamen geniale Cameos wie das von Chuck Norris, der im Grunde genommen einen der kultigen Chuck Norris-Witze erzählte/spielte und dann wieder abrauschte. So etwas hat der dritte Teil leider nur noch gelegentlich zu bieten, Snipes' Anspielung auf seine reale Haftstrafe wegen Steuerbetrugs ist eigentlich schon das Highlight. Generell ist der Humoranteil merklich zurückgeschraubt worden – zwar gibt es immer noch (mal mehr, mal weniger) coole Macho-Sprüche und freundschaftlich-rivalisierende Kabbeleien zwischen den Team-Mitgliedern (vor allem das Duo Statham/Snipes tut sich in dieser Hinsicht hervor), aber Story und Action stehen mehr im Mittelpunkt als im Vorgänger. Die große Ausnahme davon stellt allerdings Neuzugang Antonio Banderas ("Haywire") dar, der als ewig quasselnder Galgo vor allem in der zweiten Filmhälfte für dringend benötigte Auflockerung zwischen all den Actionszenen sorgt.

Wenn ich schreibe, daß Story und Action mehr im Mittelpunkt stehen als in Teil 2, dann dürfte das für viele erst einmal positiv klingen. Leider sieht die Realität anders aus: Nach der zu der Reihe wunderbar passenden, hanebüchenen und hoffnungslos übertriebenen B-Movie-Handlung von "The Expendables 2" ist nun alles wieder etwas mehr "down to Earth". Stonebanks ist ein sehr klassischer Bösewicht, ein typischer skrupelloser Waffenschmuggler. Eigentlich ziemlich langweilig also, für Actionfilm-Verhältnisse. Zum Glück verkörpert ihn Mel Gibson mit sichtlicher Spielfreude, diese Figur paßt einfach wesentlich besser zu ihm als zuletzt der "Star Wars"-liebende Bösewicht in "Machete Kills". Daran, daß die Handlung nie über Genredurchschnitt hinauskommt und extrem vorhersehbar ist – so kann es wohl kaum jemanden überraschen, daß am Ende natürlich doch wieder die alten "Expendables" die Situation retten müssen –, kann aber auch er nichts ändern. Zudem bringt er den Nachteil mit sich, daß er zwar herrlich diabolisch rüberkommt, aber kein ausgesprochener Kampfkunst-Experte ist. Dadurch gerät die Aneinanderreihung von Actionsequenzen in der zweiten Hälfte ziemlich monoton – das war im Vorgänger deutlich besser gelöst, da dort Jean-Claude van Damme mit seinen Kampfkünsten für Abwechslung sorgte. Da Stonebanks auch keinen nennenswerten Sidekick hat (wie es "Stone Cold" Steve Austin im ersten Film war), kommen die Anhänger der Nahkampfkunst in "The Expendables 3" ziemlich kurz; es wird vorrangig geballert, einige spektakuläre Stunts gibt es selbstverständlich auch. Der neue Regisseur Patrick Hughes ("Red Hill") hat das souverän und flankiert von einer sehr gelungenen Songauswahl (Neil Young, Aloe Blacc, Steven Van Zandt) umgesetzt, Außergewöhnliches hat er dem Publikum jedoch nicht zu bieten.

Im Bemühen um inhaltliche Abwechslung sticht derweil der Mittelteil hervor, in dem Barney mit seinem neuen, deutlich verjüngten Team Jagd auf Stonebanks macht. Ich wage allerdings zu bezweifeln, daß viele "Expendables"-Fans davon begeistert sind. Denn wo die alten Haudegen in der Regel auf die gute alte Frontalangriff-Methode zurückgreifen, gehen die technikaffinen Jungspunde wesentlich raffinierter vor. Was per se natürlich keineswegs schlecht ist, Barneys Reaktionen auf die Vorgehensweise seines neuen Teams sind sogar sehr amüsant. Nur: Wenn ich einen "Mission: Impossible"-Film sehen will, dann schaue ich mir auch einen "Mission: Impossible"-Film an. Wenn ich mir dagegen einen "Expendables"-Film anschaue, dann will ich Oldschool-Action mit in Ehren gealterten Genrelegenden sehen. Und ich bin mir sehr sicher, daß nicht nur ich das so sehe. Die jungen Neuzugänge – Ex-"Twilight"-Vampir Kellan Lutz, Boxer Victor Ortiz, UFC-Fighterin Ronda Rousey und Glen Powell machen ihre Sache zwar ordentlich, aber an Coolneß und Ausstrahlung ihrer älteren Pendants reichen sie bei weitem noch nicht heran. Mein Liebling der Truppe ist und bleibt übrigens Dolph Lundgren. Es ist eine Schande, daß dieser Mann außerhalb der "Expendables"-Filme schon seit Jahren nur noch in billigen Direct-to-DVD-Produktionen mitwirkt. Nein, er ist kein begnadeter Schauspieler, aber regelmäßige Neben- oder Bösewichtrollen in Action-Kinofilmen sollten für den schwedischen Hünen locker drin sein. Warum das nicht der Fall ist – es ist mir ein Rätsel …

Trotz des enttäuschenden kommerziellen Abschneidens von "The Expendables 3" (das von den internationalen Ergebnissen wiederum etwas abgefedert wird, die Heimkino-Auswertung mit einem härteren "Director's Cut" sollte ebenfalls gut funktionieren) befindet sich ein vierter Teil bereits in Vorbereitung, daran dürfte sich auch nichts mehr ändern. Bleibt nur zu hoffen, daß Stallone seine Lektionen gelernt hat und den Fans wieder mehr von dem bietet, was sie von dieser Reihe erwarten – und das beschränkt sich keineswegs auf viel Blut …

Fazit: "The Expendables 3" ist ein ziemlich mittelmäßiger Actionfilm – deutlich besser als der erste Teil, deutlich schwächer als der zweite –, der versucht, allen zu gefallen, dabei aber trotz des erneut spielfreudigen Staraufgebots die Stärken des selbstironischen, sich selbst niemals ernst nehmenden Vorgängers vernachlässigt.

Wertung: 6 Punkte.


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