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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 24. November 2016

DIRTY COPS – WAR ON EVERYONE (2016)

Originaltitel: War on Everyone
Regie und Drehbuch: John Michael McDonagh, Musik: Lorne Balfe
Darsteller: Alexander Skarsgård, Michael Peña, Tessa Thompson, Theo James, Paul Reiser, Stephanie Sigman, Malcolm Barrett, David Wilmot, Caleb Landry Jones, Jonathan David Dixon, Geoffrey Pomeroy, Keith Jardine
 Dirty Cops: War on Everyone
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 56% (5,3); weltweites Einspielergebnis: $0,7 Mio.
FSK: 16, Dauer: 98 Minuten.

Terry Monroe (Alexander Skarsgård, "Melancholia") und Bob Bolaño (Michael Peña, "Herz aus Stahl") sind zwei nicht wirklich mustergültige Cops in New Mexico. Die beiden Partner fahren schon mal einen Räuber, der sich ergeben hat, über den Haufen, behalten beschlagnahmtes Geld und Drogen für sich selbst und erpressen Kriminelle. Entsprechend unbeliebt sind sie bei ihren Vorgesetzten, auch wenn sich das meiste nicht nachweisen läßt. Nur deshalb erhalten sie von Lieutenant Gerry Stanton (Paul Reiser, "Aliens – Die Rückkehr") überhaupt noch eine allerletzte Chance. Ihr Verhalten ändern Terry und Bob deshalb noch lange nicht, aber immerhin kommen sie mehr oder weniger zufällig einem großen Coup des einflußreichen britischen Lords James Mangan (Theo James, "Underworld: Awakening") auf die Spur. Der allerdings läßt sich nicht so leicht einschüchtern wie die Kleinkriminellen der Gegend …

Kritik:
Nachdem er mit seiner politisch inkorrekten Komödie "The Guard" und dem schwarzhumorigen Drama "Am Sonntag bist du tot" zwei absolute Kritikerlieblinge schuf, wagte sich der irische Filmemacher John Michael McDonagh für die actionreiche Buddy-Komödie "Dirty Cops – War on Everyone" erstmals von der Grünen Insel herunter und drehte in den USA (und ein paar Szenen in Island). Den rabenschwarzen Humor und die politische Unkorrektheit nahm er mit, die schon in "The Guard" offensichtliche Vorliebe für die frühen Filme von Quentin Tarantino mit philosophierenden Gangstern oder Cops ebenso, wobei er die noch deutlich verstärkt auslebt. Was "Dirty Cops" im Vergleich zu McDonaghs irischen Filmen bedauerlicherweise über weite Strecken fehlt, sind richtig witzige Szenen. In gewisser Weise könnte man sogar unterstellen, daß sich McDonagh bewußt dem amerikanischen Komödienniveau der letzten Jahre angepaßt hat und deshalb anstatt auf spritzig-intelligente Dialoge und skurrile Situationen stärker auf oberflächlichen Humor setzt, der auch noch häufig unter die Gürtellinie geht. Zum Glück findet der Film gegen Ende, wenn er sich auf seine (für sich genommen recht beliebige) Kriminalstory besinnt, zu sich und rettet sich damit noch knapp über bloßes Mittelmaß.

Nicht nur Tarantino diente für "Dirty Cops" als offensichtliches Vorbild, sondern auch die Buddy-Komödien der 1980er und 1990er Jahre wie "Lethal Weapon" oder "Rush Hour". Damit ist "Dirty Cops" nach Shane Blacks "The Nice Guys" die zweite stilistisch rückwärtsgewandte Buddy-Komödie des Jahres 2016, ohne allerdings die Qualität von Blacks Film zu erreichen. Denn so erfrischend es angesichts der sonst immer öfter vorherrschenden politischen Korrektheit auf der Kinoleinwand für viele Zuschauer sein mag, daß die beiden Protagonisten nach Herzenslust über Minderheiten herziehen, keinen Satz ohne Fluch vollenden und (abgesehen von Mord) so ziemlich all das tun, was man als Polizist eigentlich verhindern sollte – politische Unkorrektheit allein macht noch keinen guten Humor aus. Daß McDonagh dieses Spielfeld grundsätzlich beherrscht, hat er in "The Guard" bewiesen (in dem der ältere weiße Dorfpolizist den eleganten afroamerikanischen Bundesagenten regelmäßig brüskiert, das aber meist auf unnachahmlich charmante und naive Art und Weise, sodaß man es ihm eigentlich nie übel nehmen kann), auch in "Dirty Cops" zeigt er es in paar Szenen mit aktuellen gesellschaftlichen Bezügen. Mein persönliches Highlight zu dem brisanten Themenkomplex "Polizeigewalt (gegen Minderheiten)": Ein S.W.A.T.-Team erschießt mehrere Kriminelle, die sich bereits ergeben haben, die Schützen quittieren das, als sie darauf angesprochen werden, lediglich lakonisch mit einem kollektivem Schulterzucken – was Terry, Bob und Lt. Stanton damit kommentieren, daß die Opfer dieses Mal wenigstens Weiße waren …

Was ich an den McDonagh-Brüdern (von Martin stammen "Brügge sehen … und sterben?" und "7 Psychos") seit jeher mag, ist, daß sie regelmäßig tolle Schauspieler für ihre Hauptrollen engagieren, die in den großen Hollywood-Produktionen meist nur Nebenrollen spielen (Brendan Gleeson, Sam Rockwell, Woody Harrelson, Don Cheadle, auch Colin Farrell). Dieser Linie bleibt John Michael McDonagh in "Dirty Cops" treu, indem er die titelgebenden Polizisten vom Schweden Alexander Skarsgård und dem mexikanischstämmigen Michael Peña verkörpern läßt. Da ihre Charaktere leider nicht die Tiefe der früheren McDonagh-Protagonisten erreichen, können sie auch schauspielerisch nicht so sehr glänzen wie beispielsweise Brendan Gleeson in "Am Sonntag bist du tot", dennoch nutzen sie ihre Chance und liefern eine gute Leistung ab. Während es übrigens zu Beginn noch so aussieht, als wäre Bob der Normalere der beiden – immerhin hat er eine bezaubernde Ehefrau (Stephanie Sigman aus "Spectre") und zwei Kinder, ist zudem sehr belesen und im Gegensatz zu seinem Partner auch nicht ständig besoffen –, zeigt sich im Handlungsverlauf, daß das in Wirklichkeit eher Terry ist. Als der sich unsterblich in eine Ex-Stripperin (Tessa Thompson aus "Creed") verliebt, erweist er sich nämlich auf seine ganz spezielle Art und Weise als wahrer Romantiker und wird im Zuge dessen zunehmend zur treibenden Kraft des Duos.

Ein bißchen leidet übrigens auch "Dirty Cops" unter dem "Suicide Squad"-Syndrom, bei dem vermeintlichen Fieslinge sich nach und nach als eigentlich doch ganz dufte Kerle erweisen, die eigentlich nur das Richtige tun wollen, wenn es wirklich darauf ankommt; aber da Bob und Terry keine Comic-Bösewichte sind, sondern "nur" zwei korrupte Polizisten, stört das hier nicht allzu sehr und es kommt auch nicht zu unrealistisch rüber. Mal ganz abgesehen davon, daß es vermutlich ziemlich anstrengend wäre, eine Komödie anzuschauen, deren zentrale Figuren von Anfang bis Ende tatsächlich riesige Unsympathen sind (wobei das in Quentin Dupieuxs "Wrong Cops" ganz gut geklappt hat, aber einen Dupieux-Film kann man auch nicht nach normalen Maßstäben beurteilen …). Es macht einfach mehr Spaß, wenn Terry und Bob sich wider alle Wahrscheinlichkeit mit ihrem betrügerischen Informanten Reggie (Malcolm Barrett, "Dear White People") und dessen irischem Kumpel (McDonaghs Stammschauspieler David Wilmot aus der TV-Serie "Ripper Street") anfreunden und amüsante Frotzeleien austauschen. Und auch Bobs Beziehung zu seiner bemerkenswert nachsichtigen Gattin hat einige schöne Szenen zu bieten. Die Bösewichte bleiben dagegen vergleichsweise blaß, wenngleich der arrogante Lord Mangan und sein exzentrischer Helfer und Stripclub-Besitzer Russell Birdwell (Caleb Landry Jones aus "X-Men: Erste Entscheidung") durchaus ein interessantes Duo abgeben. Um wirklich Eindruck zu hinterlassen, haben sie jedoch zu wenig Screentime. Dennoch führt ihre Mitwirkung nach einer unerwartet ernsten Storywendung natürlich zu einem bleihaltigen Showdown, wobei sich die slapstickhafte Inszenierung der an sich recht brutalen Gewaltszenen wiederum erkennbar an Tarantinos "Reservoir Dogs" oder "Pulp Fiction" orientiert. Ebenso tarantinoesk ist die tolle Songauswahl ausgefallen, die so unterschiedliche Interpreten wie The Clash, die Fun Lovin' Criminals und Roberta Fleck umfaßt sowie gleich mehrere Lieder von Terrys Lieblingsmusiker, dem Countrysänger Glen Campbell. Alles in allem ist "Dirty Cops" der bislang am wenigsten überzeugende McDonagh-Film (womit ich mich auf beide Brüder beziehe), sehenswert ist er für Anhänger des Genres trotzdem.

Fazit: "Dirty Cops – War on Everyone" ist eine altmodische Buddy-Komödie mit deutlichen Tarantino-Anleihen, die von der Handlung her eher schwach auf der Brust ist und es bei den Gags vor allem zu Beginn an Treffsicherheit missen läßt – doch die schrägen Figuren und ihre spielfreudigen Darsteller sorgen dafür, daß sich der Film knapp über dem Genre-Durchschnitt hält.

Wertung: 6,5 Punkte.

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