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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 21. Februar 2017

LA LA LAND (2016)

Regie und Drehbuch: Damien Chazelle, Musik: Justin Hurwitz
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, J.K. Simmons, John Legend, Rosemarie DeWitt, Callie Hernandez, Jessica Rothe, Sonoya Mizuno, Tom Everett Scott, Finn Wittrock, Damon Gupton, Josh Pence, Marius De Vries
 La La Land
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 93% (8,6); weltweites Einspielergebnis: $442,6 Mio.
FSK: 0, Dauer: 128 Minuten.

Die ersten zwei Begegnungen zwischen der jungen Schauspielerin Mia (Emma Stone, "Einfach zu haben") und dem eigenwilligen Jazzpianisten Sebastian (Ryan Gosling, "The Nice Guys") in Los Angeles verlaufen eher unerfreulich. Dabei sind sie sich eigentlich gar nicht so unähnlich: Beide suchen als Künstler ihr Glück in der "Stadt der Engel", doch für beide sieht es aktuell nicht gut aus. Mias Castings verlaufen unglücklich, ihr Geld verdient sie als Bedienung in einem Café – Sebastian wiederum, dessen Traum es ist, einen klassischen Jazzclub zu eröffnen, wurde von einem Geschäftspartner übers Ohr gehauen und muß nun seine Brötchen als Pianist in einem gehobenen Restaurant verdienen – dessen Besitzer Bill (J.K. Simmons, "Terminator: Genisys") von Jazz absolut überhaupt rein gar nichts hält! Doch als sich Mia und Sebastian ein drittes Mal über den Weg laufen, stellen sie fest, daß sehr wohl eine gewisse gegenseitige Faszination besteht. Die Frage, die sich ihnen nach und nach stellt, lautet: Was ist den beiden wichtiger? Die Liebe oder die Aussicht auf eine große Künstler-Karriere?

Kritik:
14 OSCAR-Nominierungen. Das ist der Rekord, den bis ins Jahr 2017 "Alles über Eva" (1950) und "Titanic" alleine hielten – nun ist "La La Land" der dritte im Bund der Filme mit den meisten Nominierungen für die Academy Awards überhaupt. Für Regisseur und Autor Damien Chazelle ist es zudem der zweite Film in Folge, der von Kritikern und Publikum gefeiert wird, nachdem drei Jahre zuvor bereits sein Schlagzeuger-Drama "Whiplash" mit drei OSCARs geehrt wurde. Daß Chazelle, selbst Schlagzeuger, ein Faible für Musik hat, ist also offensichtlich, doch wo es in "Whiplash" sehr jazzlastig zuging, stellt sich "La La Land" deutlich breiter auf – zwar ist Sebastian ein Jazzpianist, insgesamt herrschen in dem (wie bei "Whiplash") von Justin Hurwitz verantworteten Soundtrack jedoch eher klassische Gute Laune-Musical-Melodien vor. Das ist natürlich passend, da es sich bei "La La Land" um eine aufrichtige und liebevolle Verbeugung vor den alten MGM-Musicals aus Hollywoods Goldener Ära handelt und auch vor französischen Musicals wie "Die Regenschirme von Cherbourg". Wer sich – so wie ich – mit dem Genre auskennt, der wird zahlreiche Anspielungen auf Klassiker wie "Du sollst mein Glücksstern", "Ein süßer Fratz" oder "Ein Amerikaner in Paris" erkennen, die aber so subtil eingeflochten sind, daß sie gleichzeitig niemanden stören können, der mit Musicals sonst wenig anfangen kann. Das können ganz spezielle Choreographien sein oder nur kurze, aber unverkennbare Bewegungen oder sogar einzelne Kleidungsstücke, die bei Kennern der Materie wunderschöne nostalgische Erinnerungen wecken; so unaufdringlich wie hier wurde Hollywoods Vergangenheit selten zuvor Tribut gezollt.

Trotzdem spielt die Musik letztlich eine kleinere Rolle als man vermuten würde. Natürlich ist sie ein ausgesprochen wichtiger, sogar unverzichtbarer Bestandteil des Gesamtkunstwerks "La La Land", aber überraschend häufig bleibt es bei reiner Instrumentalmusik, während es lediglich eine Handvoll klassischer Musical-Nummern mit Tanz und Gesang gibt, angefangen mit dem wunderbar mitreißenden und aufwendig choreographierten Prolog, der die vermutlich schönste Verkehrstau-Sequenz aller Zeiten präsentiert. Da Hurwitz' abwechslungsreiche Songs allesamt sehr gelungen sind, hätte ich mir durchaus noch ein paar mehr gewünscht; eine gute Freundin, mit der ich den Film gesehen habe (und die kein ausgesprochener Musical-Fan ist), fand die Menge dagegen genau richtig. So gesehen haben Chazelle und Hurwitz wohl eine gute Balance gefunden, um alle Publikumssegmente zufriedenzustellen. Noch wichtiger als die Musik sind aber die zentralen Charaktere, was relativ ungewöhnlich ist, da die hier primär Pate stehenden Musicals aus den 1950er Jahren meist nicht unbedingt durch eine tiefschürfende Handlung oder Figurenzeichnung auffielen. Was die in vier den Jahreszeiten entsprechenden Kapitel unterteilte und somit ein Jahr (plus einen Epilog) umfassende Handlung betrifft, unterscheidet sich "La La Land" gar nicht so sehr, schließlich handelt es sich um eine typische, wenn auch gekonnt und vergleichsweise originell vorangetriebene Liebesgeschichte. Wie facettenreich Sebastian und Mia gestaltet sind, ist jedoch eine echte positive Überraschung in dieser Hinsicht muß sich "La La Land" nicht einmal vor den im OSCAR-Rennen 2017 konkurrierenden Charakterdramen wie "Manchester by the Sea", "Moonlight" oder "Fences" großartig verstecken.

Dabei profitiert "La La Land" selbstverständlich ungemein davon, daß Emma Stone und Ryan Gosling eine umwerfende Leinwandchemie haben. Das haben sie bereits fünf Jahre zuvor in der romantischen Komödie "Crazy, Stupid, Love." eindrucksvoll bewiesen (und zwei Jahre später nicht ganz so ausgeprägt in "Gangster Squad"), seitdem scheinen sie aber sogar noch besser zu harmonieren – vielleicht liegt es aber auch einfach daran, daß sich diesmal der komplette zweistündige Film nur um sie dreht. Jedenfalls ist es eine wahre Freude, Mia und Sebastian bei ihren zunächst nicht allzu erfolgverheißenden Aufeinandertreffen beizuwohnen, die aber schon erkennen lassen, daß eine unübersehbare Anziehungskraft zwischen den beiden Suchenden besteht. Wie sie sich dann langsam annähern, befördert durch die wunderbare Musik in den idyllischen, sternenklaren kalifornischen Nächten, macht einfach gute Laune. Natürlich gibt es Rückschläge, die vor allem mit ihrem holprigen beruflichen Vorankommen zusammenhängen, das auf ihre Beziehung durchschlägt. Denn während Mia nach zahlreichen erfolglosen Castings zunehmend frustriert ist, eröffnet sich Sebastian bald eine ganz neue Gelegenheit, die großen Erfolg verspricht, für die er aber seinen eigentlichen Traum eines eigenen Jazzclubs aufgeben müßte. Wie gesagt, das ist nicht völlig frei von Klischees und dieser mittlere Teil der Story hätte vielleicht ein wenig gestrafft werden können – für Genreverhältnisse ist das aber wirklich innovativ geschildert mit dem konsequenten Blick auf das bei Künstlern vermutlich besonders stark ausgeprägte Spannungsfeld zwischen Privatleben und Arbeit (laut Chazelle gibt es in der Tat sogar autobiographische Anleihen). Und vor allem läuft es auf ein sensationelles Finale zu, das dann hervorragend geschrieben ist, dabei selbstbewußt mit den Genrekonventionen bricht und mit unerwarteter emotionaler Wucht über die Zuschauer hereinbricht. Mag der restliche Film auch nicht frei von Mängeln und kleineren Längen sein, dieser Schlußakt ist in meinen Augen sowohl in der Dramaturgie als auch in der Präsentation schlichtweg perfekt!

In technischer Hinsicht bemerkenswert ist außerdem, mit wie wenigen Schnitten "La La Land" auskommt. Die Musical-Einlagen sind sogar – wie in den Vorbildern aus den 1950er Jahren – komplett in einer einzigen langen Einstellung gedreht, was nicht nur eine penible Vorbereitung, sondern auch eine absolut makellose Ausführung erfordert. Speziell die Massenchoreographie des Stau-Prologs ist daher beeindruckend; ich will gar nicht wissen, wie oft die gedreht werden mußte, bis sie so perfekt ausgeführt wurde. Interessanterweise ist das für Emma Stone nach "Birdman" (bei dem es noch extremer war) bereits der zweite Film, der so vorgeht, was Bände über ihr schauspielerisches Talent und ihre Professionalität spricht; die OSCAR-Nominierungen für sie und Gosling sind jedenfalls absolut gerechtfertigt. Naturgemäß kommen die Nebenrollen dafür etwas sehr kurz, schließlich stehen Mia und Sebastian ja uneingeschränkt im Fokus der Geschichte. Von manchen Figuren hätte man durchaus gerne mehr gesehen, aber insgesamt hat Chazelle sie trotzdem gut eingebunden. Eine der Nebenrollen wird übrigens von R&B-Star John Legend gespielt, der mit dem gelungenen "Start a Fire" einen eigenen Song einbringt und singt. Bei den OSCARs ging der aber leer aus, stattdessen wurden aus "La La Land" das nostalgische "City of Stars" (Gosling und Stone) und die von Stone vorgetragene schwermütige Ballade "Audition (The Fools Who Dream)" nominiert, wobei ich das ohrwurmverdächtige "City of Stars" für das musikalische Highlight des Films halte.

Fazit: "La La Land" ist ein nostalgisches und wunderschön gefilmtes romantisches Musical mit toller Musik und viel Herz sowie mit zwei ausgefeilten zentralen Charakteren, die von Emma Stone und Ryan Gosling kongenial verkörpert werden.

Wertung: 9 Punkte.


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