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Montag, 27. Februar 2017

OSCAR-Gewinner 2017

Die Gewinner der 89. Verleihung der Academy Awards in Hollywood, Los Angeles:

Bester Film: Moonlight
Darsteller: Casey Affleck, "Manchester by the Sea"
Darstellerin: Emma Stone, "La La Land"
Nebendarsteller: Mahershala Ali, "Moonlight"
Nebendarstellerin: Viola Davis, "Fences"
Regie: Damien Chazelle, "La La Land"
Originaldrehbuch: Kenneth Lonergan, "Manchester by the Sea"
Adaptiertes Drehbuch: Barry Jenkins, "Moonlight"
Animationsfilm: Zoomania
Nicht-englischsprachiger Film: "The Salesman (Forushande)", Iran
Kamera: Linus Sandgren, "La La Land"
Schnitt: John Gilbert, "Hacksaw Ridge"
Ausstattung: David Wasco und Sandy Reynolds-Wasco, "La La Land"
Kostüme: Colleen Atwood, "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind"
Makeup und Hairstyling: Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini, Christopher Allen Nelson, "Suicide Squad"
Musik: Justin Hurwitz, "La La Land"
Filmsong: "City of Stars" von Justin Hurwitz, "La La Land"
Ton: Kevin O'Connell, Andy Wright, Robert Mackenzie und Peter Grace, "Hacksaw Ridge"
Tonschnitt: Sylvain Bellemare, "Arrival"
Visuelle Effekte: Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones, Dan Lemmon, "The Jungle Book"
Dokumentarfilm: O.J.: Made in America
Kurz-Dokumentarfilm: The White Helmets
Animations-Kurzfilm: Piper
Kurzfilm: Mindenki (englischer Titel: Sing)

Die OSCARs verteilen sich damit in diesem Jahr wie folgt:
Moonlight: 3
Fences: 1
Hacksaw Ridge: 1

Kommentar:
Das Jahr 2017 brachte uns eine unterhaltsame OSCAR-Verleihung, die etliche Überraschungen zu bieten hatte, ein paar Rekorde und eine peinliche Verwechslung bei der Königskategorie "Bester Film" - deren Präsentatoren Warren Beatty und Faye Dunaway (deren Hit "Bonnie & Clyde" 50 Jahre alt wird) nannten nämlich zunächst zögerlich den Favoriten "La La Land" als Gewinner, da ihnen offenbar versehentlich der falsche Umschlag gegeben wurde (in dem Emma Stone als Gewinnerin für "La La Land" stand). Immerhin sorgte die Aufklärung - NACH den Dankesreden der "La La Land"-Produzenten - nicht wirklich für böses Blut, da sich die "La La Land"- und "Moonlight"-Teams offensichtlich gut verstehen und das Musical ja auch so reichlich Goldstatuen einheimsen konnte. Dabei durfte man früh Zweifel am Siegeszug von "La La Land" haben, als eine technische Kategorie nach der anderen - vor allem der Schnitt, der sehr oft mit dem "Bester Film"-Gewinner identisch ist (diesmal nicht) - an andere Nominierte ging. Da es in den technischen Kategorien aber keine Mehrfach-Gewinner gab und "Moonlight" ebenso leer ausging, sah es trotzdem noch gut aus für "La La Land" - umso mehr, als dann wie erwartet die beiden Musik-OSCARs sowie die Preise für Kamera und Austattung an das jazzige Musical gingen, Damien Chazelle für seine Regie ausgezeichnet wurde und sogar Emma Stone sich als Hauptdarstellerin gegen die zuletzt tendentiell ein wenig höher eingeschätzte Isabelle Huppert durchsetzen konnte. Bei der Ehrung des besten Films des Jahres setzte die Mehrzahl der Academy-Mitglieder aber offenbar doch lieber auf einen gesellschaftlich relevanten Film als auf ein eher eskapistisches Musical. Dafür wurde "La La Land"-Komponist Justin Hurwitz mit zwei Auszeichnungen erfolgreichster Teilnehmer der Veranstaltung und Damien Chazelle hält nun mit seinen 32 Jahren den Rekord für den jüngsten "Beste Regie"-Gewinner aller Zeiten. Einen Rekord der besonderen Art hat der Tontechniker Kevin O'Connell aufgestellt, der so lange auf seinen ersten OSCAR warten mußte wie keiner vor ihm: Bei der 21. Nominierung (für "Hacksaw Ridge") hat es endlich geklappt! Solche Probleme hat Kostümbildnerin Colleen Atwood nicht, die für "Phantastische Tierwesen" etwas überraschend bereits ihren vierten Academy Award gewann - übrigens der allererste OSCAR für einen Film aus dem "Harry Potter"-Universum!

Gewinner und Verlierer:
"La La Land" ist beides gleichzeitig: Mit sechs Auszeichnungen klar der erfolgreichste Film des Abends, zudem mit zwei Siegen in Hauptkategorien (Regie und Hauptdarstellerin). Gleichzeitig konnte man bei dem Rekord von 14 Nominierungen definitiv mit mehr Preisen rechnen, manche erwarteten gar eine zweistellige Anzahl. Ein Gewinner ist selbstverständlich auch "Moonlight", der zwar "nur" drei OSCARs gewann, die dafür aber allesamt in Hauptkategorien, allen voran als "Bester Film". "Manchester by the Sea", bei dem durchaus die Gefahr bestand, komplett leer auszugehen, kann sich ebenfalls über zwei Hauptkategorie-Siege freuen (Originaldrehbuch und Hauptdarsteller), während mit "Hacksaw Ridge", "Fences" und "Arrival" drei "Best Picture"-Nominees wenigstens je einen OSCAR einheimsten. Verlierer sind dagegen "Hidden Figures", "Lion" und "Hell or High Water", die trotz multipler Nominierungen inklusive "Bester Film" ohne Preis nach Hause gehen mußten. Bei den individuellen Nominierten gab es zwar in den technischen Kategorien ein paar Überraschungen, allerdings keine Sensationssiege respektive -niederlagen. Ohne OSCAR blieben die drei deutschen Hoffnungen ("Toni Erdmann", Komponist Hauschka und Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen).

Die Show:
Fiel erstaunlicherweise unpolitischer aus als gedacht. Natürlich gab es Gags, Anspielungen und nachdenkliche Bemerkungen von Moderator Jimmy Kimmel und einigen Präsentatoren und Geehrten, aber nichts, das mit Meryl Streeps Golden Globe-Auftritt oder auch Casey Afflecks engagierter Rede am Abend zuvor bei den Independent Spirit Awards zu vergleichen wäre. Letztlich ging es diesmal tatsächlich hauptsächlich um Filme. Kimmel erledigte seinen Job souverän, witzig und charmant, nur von seinem Eröffnungsmonolog war ich etwas enttäuscht (was sicher auch daran liegt, daß er ihn ungewöhnlicherweise mit Justin Timberlake teilen mußte - dessen nominierten und deshalb von ihm vorgetragenen Song "Can't Stop the Feeling" ich außerdem nicht sonderlich mag ...). Dafür gab es ein paar amüsante Einfälle, vor allem die Idee, eine Gruppe Touristen aus einem Hollywood-Sightseeing-Bus damit zu überraschen, daß sie plötzlich Teil der OSCAR-Verleihung waren, war sehr sympathisch. Zudem setzten Kimmel und Matt Damon ihre seit vielen Jahren gepflegte (gespielte) Rivalität fort, was ausgesprochen amüsant darin gipfelte, daß das Orchester Damon sofort mit der typischen "Weg von der Bühne, wir haben keine Zeit!"-Melodie übertönte, als der gemeinsam mit seinem Kumpel Ben Affleck einen OSCAR überreichen sollte ... Positiv ist, daß dieses Jahr alle fünf nominierten Songs vorgetragen wurden - sollte selbstverständlich sein, war es in den letzten Jahren aber keineswegs. Trotzdem zeigte sich das Orchester bei den Dankesreden vergleichsweise kulant, wobei die meisten Gewinner es von sich aus nicht unnötig in die Länge zogen (die letztjährige, wenig überzeugende Neuerung mit der Einblendung von Namen, bei denen sich die Gewinner bedanken wollen, wurde übrigens wieder gestrichen). Dennoch zählte die Veranstaltung mit letztlich dreidreiviertel Stunden zu den längeren der letzten Jahre.

Fazit:
Auch wenn die finale Verwechslung beim "Bester Film"-Gewinner natürlich sehr unglücklich war (ebenso wie ein Fehler im Rahmen der "In Memoriam"-Präsentation, bei der ein falsches Foto eingeblendet wurde), machte die 89. OSCAR-Verleihung insgesamt ziemlich viel Spaß. Es gab Überraschungen, überfällige Gewinner, eine gute Moderation, dafür blieben Präsentationstexte wie auch Dankesreden unspektakulär (am sympathischsten kam für mich Emma Stone rüber). Ganz große OSCAR-Momente, an die man sich noch in Jahren erinnern wird, gab es eher nicht - abgesehen natürlich von der "Bester Film"-Verwirrung, auf die die Academy garantiert gerne verzichtet hätte, und vielleicht noch Viola Davis' emotionale Dankesrede. Persönlich freue ich mich am meisten für Casey Affleck, der diesen OSCAR wirklich verdient hat.
In meiner OSCAR-Vorschau lag ich bei meinen Gewinner-Tips leider nur 14 Mal richtig (letztes Jahr 16, davor 15 und 18), was vor allem an den technischen Kategorien und der Kurzfilm-Sparte (wie fast immer: 0 von 3 ...) liegt. Dafür hatte ich bei den Hauptkategorien gute 9 von 11 richtig (falsch: "Moonlight" und Lonergan).
Damit ist die Awards Season 2016/2017 also zu einem guten Ende gekommen, vermutlich ab Mai (beim Filmfestival von Cannes) werden sich dann schon wieder die ersten Kandidaten für die OSCAR-Verleihung 2018 vorstellen. Spätestens ab Herbst werde ich wieder regelmäßig über die Entwicklungen in der Awards Season berichten.
Quelle:

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