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Donnerstag, 27. April 2017

Kurz-Nachruf: Jonathan Demme (1944-2017)

Ihm gelang das Kunststück, mit einem (zumindest im weiteren Sinne) Horrorfilm den OSCAR zu gewinnen, zudem war er maßgeblich daran beteiligt, das Bewußtsein für AIDS nachhaltig in der Gesellschaft zu verankern: Am gestrigen 26. April verstarb der amerikanische Regisseur und Produzent (vereinzelt auch Drehbuch-Autor und Schauspieler) Jonathan Demme im Alter von 73 Jahren an Speiseröhrenkrebs.

Tatsächlich muß man sagen, daß Jonathan Demme in seiner langen Karriere letztlich nur zwei echte Hits landen konnte - die haben dafür große Fußspuren in der Kinohistorie hinterlassen. Und kurioserweise hat er beide Filme direkt nacheinander gedreht: Zunächst im Jahr 1991 den Serienkiller-Thriller "Das Schweigen der Lämmer" nach dem Roman von Thomas Harris, zwei Jahre später das beklemmende AIDS-Drama "Philadelphia". "Das Schweigen der Lämmer" gewann fünf OSCARs und ist bis heute der letzte von überhaupt nur drei Filmen (neben "Es geschah in einer Nacht" und "Einer flog über das Kuckucksnest"), der die fünf Hauptkategorien (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller/-in) für sich entscheiden konnte; "Philadelphia" brachte es immerhin zu zwei Academy Awards (für Hauptdarsteller Tom Hanks und für Bruce Springsteens Filmsong "Streets of Philadelphia").

Zu Beginn von Demmes Karriere war ein solcher Kritiker- und Publikumserfolg nicht unbedingt abzusehen. Er lernte sein Handwerk in den 1970er Jahren bei B-Film-Ikone Roger Corman, wo er diverse trashige Low Budget-Werke mitproduzierte und -schrieb, dann auch inszenierte. In den 1980er Jahren schaffte Demme den Sprung zu den großen Hollywood-Studios, wo er die symapthische Howard Hughes-Tragikomödie "Melvin und Howard" (1980) mit Jason Robards und Mary Steenburgen, die sehr spaßige Actionkomödie "Gefährliche Freundin" (1987) mit Jeff Bridges und Melanie Griffith oder die Komödie "Die Mafiosi-Braut" (1988) mit Michelle Pfeiffer realisierte. Zudem drehte er zu dieser Zeit (und auch in den folgenden Jahrzehnten) zahlreiche Dokumentarfilme und Musikvideos. Jonathan Demme etablierte sich als zuverlässiger Arbeiter, auch wenn die ganz großen Erfolge ausblieben. Das sollte sich in den 1990er Jahren ändern, als er mit "Das Schweigen der Lämmer" Sir Anthony Hopkins in der Rolle des diabolischen Kannibalen Hannibal Lecter ebenso zum Weltstar machte wie Jodie Foster als seine patente Gegenspielerin, die FBI-Agentin Clarice Starling, und mit "Philadelphia" gleich den nächsten (angesichts der schwierigen Thematik eher unwahrscheinlichen) Hit fabrizierte.

Als nachhaltig erwies sich der Erfolg jedoch nicht wirklich, die ambitionierte Literaturverfilmung "Menschenkind" (1998) enttäuschte ebenso wie vier Jahre später der Thriller "The Truth About Charlie" (ein Remake des Stanley Donen-Klassikers "Charade" aus dem Jahr 1963) und 2004 der mit Denzel Washington und Meryl Streep hochkarätig besetzte Politthriller "Der Manchurian Kandidat" (ebenfalls ein Remake, das dem Original - "Botschafter der Angst" (1962) mit Frank Sinatra und Janet Leigh - bei weitem nicht das Wasser reichen konnte. Wohl auch aufgrund dieser Enttäuschungen widemete er sich fortan verstärkt (Musik-)Dokumentationen u.a. über Neil Young, außerdem inszenierte er einige TV-Serien-Episoden. Spielfilme drehte er nur noch drei: Das mit viel Lob bedachte Drama "Rachels Hochzeit" bescherte Hauptdarstellerin Anne Hathaway 2009 immerhin eine OSCAR-Nominierung, während die Ibsen-Adaption "A Master Builder" (2013) weitgehend unbeachtet blieb und auch die Tragikomödie "Ricki - Wie Familie so ist" (2015) trotz Meryl Streep in der Rolle einer alternden Rocksängerin die Erwartungen nicht erfüllte. Doch seinen Platz in der Kino-Geschichte hat OSCAR-Preisträger Jonathan Demme dank seiner beiden größten Hits sicher.

R.I.P.

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