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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 24. März 2016

BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE (3D, 2016)

Regie: Zack Snyder, Drehbuch: Chris Terrio, David S. Goyer, Musik: Hans Zimmer und Junkie XL (Tom Holkenborg)
Darsteller: Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot, Jesse Eisenberg, Amy Adams, Jeremy Irons, Laurence Fishburne, Holly Hunter, Tao Okamoto, Callan Mulvey, Scoot McNairy, Harry Lennix, Diane Lane, Kevin Costner, Lauren Cohan, Jeffrey Dean Morgan, Michael Shannon, Robin Atkin Downes, Michael Cassidy, Emily Peterson, Neil deGrasse Tyson, Anderson Cooper, Patrick Wilson (Stimme), Carla Gugino (Stimme), Ezra Miller, Ray Fisher, Jason Momoa
 Batman v Superman: Dawn of Justice
(2016) on IMDb Rotten Tomatoes: 27% (4,9); weltweites Einspielergebnis: $873,3 Mio.
FSK: 12, Dauer: 152 Minuten.

18 Monate nach Supermans (Henry Cavill, "Krieg der Götter") verlustreichem Sieg über General Zod: Superman wird von den meisten Menschen verehrt, von manchen gar geradezu angebetet, doch es gibt auch Widerstand. Nachdem eine Rettungsaktion für seine Reporter-Freundin Lois Lane (Amy Adams, "American Hustle") in Afrika scheinbar schwerwiegende Kollateralschäden verursacht hat, versucht ein Senatsausschuß unter Führung von Senatorin Finch (Holly Hunter, "Das Piano") den Superhelden davon zu überzeugen, nicht mehr auf eigene Faust zu handeln. Unterstützung wird dem Ausschuß vom jungen, exzentrischen Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg, "The Social Network") angeboten, der eine Kryptonitwaffe entwickeln will, die Superman töten könnte. Der befaßt sich unterdessen mit einem anderen Superhelden, denn Batmans (Ben Affleck, "Gone Girl") zunehmend brutales Selbstjustiz-Vorgehen gegen Gothams Unterwelt ist Superman ein Dorn im Auge. Batman wiederum, der Supermans Kampf gegen General Zod mit eigenen Augen in Metropolis miterlebt hat, hält den Kryptonier zumindest auf lange Sicht für eine Bedrohung für die Menschheit …

Kritik:
Beginnen wir mit der guten Nachricht: Zack Snyders "Batman v Superman: Dawn of Justice" ist kein Totalausfall. Die schlechte Nachricht: Er ist auch kein guter Film. Stattdessen erweist sich das mit Spannung erwartete Superhelden-Aufeinandertreffen als qualitativ zwar konsequente, aber hoffnungslos überfrachtete Fortsetzung des mittelmäßigen ersten Superman-Abenteuers mit Henry Cavill "Man of Steel". Selbstverständlich muß das unter dem Strich als eine klare Enttäuschung gewertet werden, denn die Hoffnung, daß Regisseur Snyder aus den bei "Man of Steel" begangenen Fehlern – allen voran dem großen Actionschwerpunkt, der ganz erheblich zu Lasten von Story und Figurenzeichnung ging – die richtigen Konsequenzen gezogen hat, wurde in keiner Weise erfüllt. Nun will ich das gar nicht einer grundsätzlichen Unbelehrbarkeit Snyders zuschreiben, schließlich hat er mit seiner gelungenen "Watchmen"-Adaption schon bewiesen, daß er auch anders kann. Das hauptsächliche Problem dürfte die Ungeduld von DC Comics und Warner Bros. sein, die hier im Grunde genommen versuchen, den immensen Vorsprung, den sich Erzrivale Marvel in den letzten Jahren mit seinem immer ausufernderen, aber eben auch immer erfolgreicheren "Marvel Cinematic Universe" rund um "The Avengers" und "Guardians of the Galaxy" erarbeitet hat, mit einem einzigen riesigen Schritt aufzuholen. Ein ambitioniertes Vorhaben; ein (wenig überraschend) zu amibitioniertes, das das Potential des Duells zwischen den beiden ikonischen Protagonisten zwar immer wieder aufblitzen läßt, insgesamt aber regelrecht unter sich begräbt.

Tatsächlich sind die 150 Minuten dermaßen vollgepackt mit Exposition, daß lange überhaupt kein richtiger Erzählfluß aufkommen will. Zu Beginn reiht sich eine Szene scheinbar wahllos und ohne direkte Verknüpfung an die nächste, weil die Heerscharen an wichtigen Figuren und Handlungssträngen ja irgendwie eingeführt werden müssen – etwas, wofür Marvel mit seiner strategisch-vorsichtigen Vorgehensweise jeweils eigene Solofilme für die diversen Superhelden nutzte, muß hier zwangsläufig kollektiv in den ersten 30 Minuten verbraten werden. Da Snyder sein Markenzeichen – die getragene, pathosgetränkte Inszenierung (samt dramaturgisch wenig zielführenden Visionen, Träumen, Vor- und Rückblenden), die manchmal das Gefühl erweckt, der ganze Filme wäre in bedeutungsschwangerer Zeitlupe gedreht worden – nicht aufgeben will, ergibt sich eine kuriose Kombination aus häufig zu sehr in die Länge gezogenen Einzelszenen und einem insgesamt dennoch gehetzten Eindruck. Darunter hat ausgerechnet die eigentliche Hauptfigur Superman – immerhin ist es die Fortsetzung von "Man of Steel" – zu leiden, die über weite Strecken zur reinen Nebenfigur verkommt und als Reporter Clark Kent gar noch weniger zu tun hat. Lediglich Amy Adams rettet mit einer wieder einmal hervorragenden Leistung als Lois Lane diesen Handlungsstrang vor der vollkommenen Beliebigkeit. Natürlich ist es logisch, daß Superman als einzige Filmfigur, die bereits zuvor eingeführt wurde, angesichts der vielen Neulinge (neben Lex Luthor gibt es sogar noch einen weiteren Bösewicht, zudem werden die weiteren DC-Filme angeteasert) etwas an den Rand gedrückt wird, so extrem wie in "Batman v Superman" dürfte das aber niemals passieren. Selbst die in der Theorie sehr interessanten Fragestellungen über Recht, Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit, die der Film eingangs noch aufwirft, versanden schnell. Henry Cavill kann einem da eigentlich nur leid tun.

Daß auf der anderen Seite der rein rechnerisch vermutlich auch nicht länger auf der Leinwand zu sehende Batman wesentlich interessanter erscheint, kommt aber nicht von ungefähr. Einmal war Batman natürlich schon immer der deutlich komplexere Superheld als der unverwundbare Kryptonier Superman; im vorliegenden Film dürfte aber ebenfalls eine große Rolle spielen, daß Ben Affleck eigens seinen mit dem Drehbuch-OSCAR ausgezeichneten "Argo"-Autor Chris Terrio hinzuholte, um die Batman-Passagen aufzupeppen. Das ist Terrio vortrefflich gelungen, weshalb Ben Affleck schauspielerisch auch wesentlich mehr zeigen darf als Henry Cavill. Sein Bruce Wayne ist eine konsequente Weiterführung dessen, was Christian Bale in Christopher Nolans (der übrigens immer noch als Produzent beteiligt ist) "Dark Knight"-Trilogie begonnen hat. Dieser Bruce Wayne ist nach 20 Jahren der Verbrechensbekämpfung in Gotham müde und desillusioniert geworden, er greift immer öfter zur Flasche und geht auch zunehmend brutal vor; seine Prinzipien scheinen nicht mehr so eisern zu sein zu Beginn seiner Superhelden-Karriere. Das ist glaubwürdig hergeleitet und von Ben Affleck überzeugend dargestellt, auch sein großes Mißtrauen Superman gegenüber – dessen Kampf gegen General Zod in "Man of Steel" ein Hochhaus der Wayne Corporation zerstörte und einem engen Freund von Bruce das Leben kostete, wie wir im Prolog erfahren – ist absolut nachvollziehbar. Umgekehrt gilt das leider nicht wirklich und so kommt eine der nicht wenigen Drehbuchschwächen von "Batman v Superman" zum Vorschein: Obwohl Batman seit 20 Jahren aktiv ist (wie mehrfach betont wird), scheint Superman – dessen Alter Ego ja immerhin ein Reporter ist – keine Ahnung von ihm, seinen Taten und seiner Motivation zu haben, deshalb will er ihn aufhalten. Das wirkt so konstruiert, um einen Konflikt zwischen Superman und Batman zu schüren, wie es nunmal ist. Subtil geht anders, glaubwürdig auch. Eine kluge Entscheidung war es hingegen, Batman technisch etwas umzurüsten. Speziell der Batsuit wirkt eher wie eine schwere Ritterrüstung, was naturgemäß Batmans Agilität einschränkt, ihn dafür aber noch schwerer verwundbar macht. So wird das Duell zwischen Superman und Batman in mehrfacher Hinsicht zum Kampf der Philosophien: Der strahlende, messiasgleiche Held Superman gegen den dunklen Rächer und Anti-Helden Batman; der agile, leichtfüßige, fliegende Superman gegen den schwerfälligen, schlagkräftigen, technisch hervorragend ausgestatteten Batman. Wunderbar.

Der größte Schwachpunkt von "Batman v Superman" in erzählerischer Hinsicht ist derweil Lex Luthor. Das einzige, was an Lex Luthor funktioniert, ist sein Darsteller. Jesse Eisenberg macht einen guten Job, daran kann kein Zweifel bestehen; an die Leistung von Heath Ledger in "The Dark Knight" reicht er jedoch nicht heran. Warum ich jetzt ausgerechnet Ledgers OSCAR-prämierte Darstellung des Joker als Vergleich für eine ganz andere Figur heranziehe? Nun, ganz einfach: Weil das Drehbuch diesen Lex Luthor als eine billige Kopie des Joker gestaltet. Lex ist total irre, er schwankt zwischen kindlicher Begeisterung und tödlicher Bedrohlichkeit, er ist ein Chaot mit einem unbändigen Haß auf Superhelden. Es gibt sogar einzelne Szenen, die direkt aus "The Dark Knight" stammen könnten, nur daß bei Lex die Gesichtsbemalung fehlt (dafür paßt die Frisur ganz gut). Die Frage muß erlaubt sein: Wenn man aus einem bewährten Oberbösewicht wie Lex Luthor – früher bereits hervorragend verkörpert von Gene Hackman (in "Superman" und "Superman II"), Kevin Spacey ("Superman Returns") und Michael Rosenbaum (in der TV-Serie "Smallville") – unbedingt zur einer Joker-Kopie machen will … warum nimmt man dann nicht gleich den Joker? Weil der gerade mit den Dreharbeiten zu "Suicide Squad" beschäftigt war? Nein, dieser Lex Luthor funktioniert einfach nicht, nicht als Figur und auch nicht als Bösewicht. Denn Lex' ganz, ganz fieser Plan, dessen Vorbereitungen im Mittelpunkt des sich wie Kaugummi ziehenden zweiten Aktes von "Batman v Superman" stehen, ist so uninspiriert und vorhersehbar, daß man es kaum glauben möchte. Zudem sind auch bei diesem Plan die Parallelen zum Vorgehen des Joker in "The Dark Knight" – der ja mit Batman und Harvey Dent ebenfalls zwei eigentliche Verbündete aufeinanderhetzte – mehr als offensichtlich, nur eben dramaturgisch und vor allem psychologisch mindestens zwei Klassen schlechter. Die scheinbar für das neue DC-Kinouniversum charakteristische Humorlosigkeit (ich habe genau einen Gag gezählt, Martha Kent sei dank), die ich grundsätzlich gar nicht mal kritisieren will – gerade als Abgrenzungsmöglichkeit gegenüber Marvel – ist da auch nicht wirklich hilfreich.

So langweilt man sich also in diesem Mittelteil dem unvermeidlichen Showdown entgegen, der selbstverständlich und wie schon in "Man of Steel" viel zu lang geraten ist, dabei aber immerhin einige echte Höhepunkt zu bieten hat. Hierbei ist an erster Stelle Wonder Woman alias Diana Prince zu nennen, die ihren ersten Auftritt bei einer von Lex Luthor gegebenen Party hat, bei der erstmals Superman, Batman, Wonder Woman (natürlich alle drei in Form ihrer zivilen Alter Egos) und Lex Luthor aufeinandertreffen. Eine Szene, die episch sein und die Funken sprühen lassen sollte, in Wirklichkeit jedoch reichlich bieder daherkommt – abgesehen von der tollen Musik von Hans Zimmer und Junkie XL (alias Tom Holkenborg), die speziell Wonder Woman und Lex Luthor richtig schöne, einprägsame Leitmotive auf den Leib geschrieben haben. Gal Gadot ("Fast & Furious 4-7") jedenfalls, deren Besetzung als Wonder Woman bei Comicfans durchaus kontrovers diskutiert wurde, macht als Amazonenprinzessin eine ausgesprochen gute Figur (wenngleich sie zugegebenermaßen schauspielerisch noch nicht sehr gefordert wird) und erhöht die Vorfreude auf ihren ersten Solofilm im Sommer 2017. Hinsichtlich des überlangen Finales will ich eigentlich gar nicht ins Detail gehen, verraten darf ich aber sicherlich, daß die Spezialeffekte nahezu makellos sind (wohingegen der 3D-Einsatz wie so häufig kaum Mehrwert bringt) und die letzte Phase des Kampfes – endlich! – genau so episch ausfällt wie man es sich nur wünschen konnte. Auch hier muß ich noch einmal ausdrücklich die Musik loben, die mit ihrer Wucht zumindest ansatzweise den infolge der beschriebenen Drehbuchschwächen bestehenden Mangel an emotionaler Bindung zu den Figuren kompensieren kann. Zwar läßt sich für Filmmusik-Kenner recht genau sagen, welche Teile des Scores von Zimmer stammen und welche von Holkenborg, im Zusammenspiel ergibt sich aber eine wundersame Symbiose, die speziell die Actionsequenzen – ähnlich wie bei "Gladiator", Zimmers wohl berühmtestem Soundtrack – auf ein höheres Unterhaltungslevel hievt.

Fazit: "Batman v Superman: Dawn of Justice" ist für sich genommen ein eher durchwachsenes Superhelden-Abenteuer, das wieder mal zu stark auf Action und zu wenig auf Handlung setzt; als Ausgangspunkt für die kommenden "Justice League"-Filme und diversen Soloabenteuer der DC-Superhelden bietet er aber recht vielversprechende Ansätze, die auf eine qualitativ bessere Zukunft hoffen lassen.

Wertung: 6,5 Punkte.


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